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Psychodrama über Macht und Unterwerfung

Premiere von „Die Zofen“ in Wasserburg: Unterdrückung aus Leidenschaft

Finsteres Vorhaben, um dem Leid zu entrinnen: Claire (Rosalie Schlagheck, links) und Solange (Annett Segerer) planen ihre Herrin umzubringen.
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Finsteres Vorhaben, um dem Leid zu entrinnen: Claire (Rosalie Schlagheck, links) und Solange (Annett Segerer) planen ihre Herrin umzubringen.

Wasserburg – Ein Kammerspiel mit der Faszination des Abgründigen bot die Premiere von „Die Zofen“ am Theater Wasserburg.

Das schaurig-schöne Psychodrama über Macht und Unterwerfung überzeugte mit Schauspielkunst auf höchstem Niveau.

Enfant terribleund Wunderkind

Im Pariser Literaturbetrieb galt Jean Genet (1910-1986) als „Enfant terrible“ und Wunderkind zugleich. Sein Leben verlief bizarr, nicht weniger bizarr war auch der Umgang mit seinem Werk. Im Jahr 1948 drohte ihm wegen diverser Straftaten eine lebenslange Haft. Es waren keine Geringeren als Jean Paul Sartre und Jean Cocteau, die ihn davor bewahrten. Frankreichs Nationalintellektuelle hatten sich bei Staatspräsident Vincent Auriol für Genets Begnadigung eingesetzt.

Seine Romane und Theaterstücke waren zeitweise verboten. Heute genießt sein Werk Kultstatus und seine Dramen haben ihren Stammplatz im Repertoire der Comédie-Française.

Jean Genets autobiografisch gefärbtes Werk handelt meist von Mord, Totschlag und menschlichen Abgründen. Im Stück „Die Zofen“ sind es die beiden Schwestern Claire und Solange, die ihrer Herrin nach dem Leben trachten. Immer wenn „Madame“ außer Haus ist, nutzen die beiden Zofen die Gunst der Stunde. Dann schlüpfen sie wechselseitig in die Rollen von Herrin und Untergebene. Die Hassliebe der beiden Schwestern zueinander befeuert das Spiel um Unterdrückung und Abhängigkeit zusätzlich. Nachdem sie es geschafft haben, „Monsieur“ durch anonyme Briefe, von Claire selbst verfasst, ins Gefängnis zu bringen, nehmen auch die Mordfantasien gegenüber „Madame“ mehr und mehr Gestalt an.

Aber weder Solange noch Claire gelingt es, ihre Herrin zu ersticken beziehungsweise zu vergiften. Folgt man Genet, sind rätselhafterweise drei Männer für die Rollen von Madame und der beiden Zofen vorgesehen. Regisseur Nik Mayr hatte abweichend von Original das abgründige Spiel mit drei ausdrucksstarken Darstellerinnen besetzt. Dabei war es ihm gelungen, für jede Charakterrolle die Idealbesetzung zu finden. Allen drei Figuren gemeinsam war die Lust an Unterdrückung aus Leidenschaft, entweder unterdrückt zu werden oder selbst zu unterdrücken. Rosalie Schlagheck spielte die zwischen Lust und Verzweiflung pendelnde Claire. Die etwas verhaltener agierende, aber nicht weniger mordlüsterne Solange wurde von Annett Segerer verkörpert. Die Schwestern schienen dem Wahnsinn nah, clownesk geschminkt und völlig überdreht. Im Beisein von „Madame“ aber überboten sich Solange und Claire gegenseitig an Unterwürfigkeit gegenüber ihrer Herrin.

War „Madame“ dann aus dem Haus, trat die vorher unterschwellig stets spürbare Aggression offen zutage: Sollte das Leben eine Wendung nehmen können, dann nur durch den Tod der Herrschaft. „Madame“ wurde von Susan Hecker gespielt. Sie agierte stimmungsabhängig entweder offen sadistisch oder mit geheucheltem Wohlwollen gegenüber ihren Dienerinnen.

Absolutistische Machtbesoffenheit

Stets präsent hingegen war ihr Bewusstsein einer fast absolutistischen Machtbesoffenheit: „Durch mich, durch mich allein, kommt der Zofe ihr Dasein zu.“ Beinahe war man als Zuschauer geneigt, Sympathie und bisweilen sogar Verständnis für die wachsende Mordlust der gequälten Seelen Solange und Claire zu entwickeln.

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