Vortrag über Emanuel Schikaneder bei Goethe-Gesellschaft

Unbewusste Genialität

"Emanuel Schikaneder - wer war denn das?" begrüßte Hellmuth Matiasek die zahlreich anwesenden Hörer im Künstlerhof zu seinem Vortrag über den heute kaum mehr bekannten Theatermann der Goethe-Zeit. Matiasek, selber viele Jahre Intendant im Staatstheater am Gärtnerplatz in München, versuchte in seinen erhellenden Ausführungen die Frage zu beantworten, ob Schikaneder das "Alter Ego des Himmelsmeisters Mozart" oder jedenfalls mehr als nur dessen zufälliger Zeitgenosse gewesen sei.

"Schikaneder ist ein blinder Fleck im Gesichtsfeld unserer Theaterkultur", erklärte Matiasek. In der Rezeption sei der gebürtige Straubinger, der mit Mozarts "Zauberflöte" große Triumphe feierte, lange Zeit als ein bloßer Taktiker und Opportunist angesehen worden. Zu diesem verzerrten Bild habe nicht zuletzt eine im Sinne von Mozarts Frau Constanze geschriebene Biografie über das Musikgenie beigetragen. Mozart, so die Legende, sei angeblich eingesperrt und zur "Zauberflöte" gezwungen worden und Schikaneder lediglich der perfide Plagiator.

Tatsächlich war Emanuel Schikaneder unter anderem Schauspieler, Dichter, Regisseur, Komponist und Theaterdirektor. In jungen Jahren leitete der rastlose Theaterenthusiast als Wanderbühnenprinzipal eine Schauspieltruppe, mit der er 1780 in Salzburg gastierte. Dort machte er die Bekanntschaft mit Mozarts Vater Leopold und dessen berühmten Sohn. Bei den Erzbischöfen wohlgelitten, setzte sich Schikaneder als Vorkämpfer für ein deutsches Nationaltheater ein. Seine Theaterstücke seien laut Matiasek gleichwohl von schlichter, volkstümlicher Machart.

1978 eröffnete Schikaneder, dessen skandalöse Liebesaffären seine Ehe mit Eleonore beendeten, das Freihaustheater Wien. Die laut Matiasek "wichtigste Premiere der Musiktheatergeschichte" feierte der Theatermann 1791 mit Mozarts "Zauberflöte", für die er nicht nur das Libretto schrieb, sondern in der er auch den Papageno sang. Goethe, der wie Schikaneder Freimaurer war, äußerte sich über das Werk zunächst sybillinisch und schrieb sogar einen zweiten Teil, der aber Fragment blieb.

1801 gründete Schikaneder das Theater an der Wien. Seine eigenen Theaterstücke gefielen jedoch nicht mehr. Schikaneder regte Beethoven zu seiner einzigen Oper "Leonore" an, die 1805 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde. Schikaneders Leistung bestehe darin, dass er die Werke Shakespeares in Süddeutschland eingeführt habe. Die "Zauberflöte", so Matiasek, sei eine geniale Symbiose von Text und Musik, die Zusammenarbeit Mozarts mit dem Theatermann eine Sternstunde der Kulturgeschichte, zu der Schikaneders unbewusste Genialität beigetragen habe.

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