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Ukrainische Kuratorin im Kulturforum

Ukraine-Krieg: Triage auch bei Kunstwerken notwendig

Die Rettung von Artefakten ist für Olena Balun (links, im Gespräch mit Andrea Hailer) auch eine Bewahrung von Identität.
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Die Rettung von Artefakten ist für Olena Balun (links, im Gespräch mit Andrea Hailer) auch eine Bewahrung von Identität.
  • VonJohannes Thomae
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Unter „Triage“ versteht man in der Einsatzmedizin die Aufteilung von Ressourcen bei einem Massenanfall von Verletzten. Eine ethisch schwierige Aufgabe. Wenn Olena Balun in der Ukraine darüber entscheiden muss, welches Kunstwerk wie geschützt werden soll, geht es zwar nicht um Menschenleben. Aber immerhin doch um den Schutz identitätsstiftender Kulturwerke. Beim Jahresempfang des Kulturforums berichtete sie über ihre Arbeit.

Rosenheim – Am Krieg in der Ukraine kommt niemand vorbei, auch nicht die Kultur in unserer Region. Deutlich wurde das kürzlich auf dem Jahresempfang des Kulturforums Rosenheim e.V. in den Räumen der Städtischen Galerie. Mehr zum Kulturforum: Der Empfang dient vor allem dem Austausch zwischen allen, die im Landkreis in irgendeiner Weise mit Kultur zu tun haben, egal ob Künstler, Veranstalter oder Vertreter von Gemeinden beziehungsweise der Stadt Rosenheim.

Spenden finanzieren Hilfsleistungen

Normalerweise bemüht sich Andrea Hailer, die erste Vorsitzende des Kulturforums immer um ein kleines künstlerisches Highlight am entsprechenden Abend. „Doch aktuell“ so sagte sie, „hätte das meiner Meinung nach nicht gepasst“

Stattdessen hatte sie Olena Balun zu einem Gespräch geladen. Olena Balun ist Ukrainierin, promovierte Kunsthistorikerin und arbeitet seit April als Kuratorin für das „Netzwerk Kulturschutzgut Ukraine“. Dieses Netzwerk bemüht sich darum, durch über Spenden finanzierte Hilfsleistungen Kunst und Kulturgüter in der Ukraine so weit wie möglich vor dem Krieg zu schützen.

Ein Kampf gegen Windmühlenflügel, wie man aus dem Gespräch erfahren konnte, denn oftmals sind Krieg und Zerstörung einfach schneller als die Schutzbemühungen. Besonders betroffen sind dabei die kleineren Museen, Galerien und Kunsteinrichtungen. „Die großen“, so Olena Balun, „haben meist die Mittel und auch das Personal, um zumindest Erstmaßnahmen selbst durchführen zu können, kleinere Einrichtungen stehen aber in der Regel völlig alleine da.“

Was kann wie geschützt werden?

Besonders belastend ist für Olena Balun, wie sie erzählte, dass bei den Kunstwerken analog zur Rettung Verletzter immer wieder eine Art „Triage-Entscheidung“ notwendig sei. Sie erläuterte dies an einem konkreten Beispiel: „Eine große Skulptur, die nicht zu transportieren ist, muss aufwändig mit Sandsäcken geschützt werden.“ Dafür seien mehrere tausend Säcke und damit mehrere tausend Euro notwendig. Was aber, wenn diese Skulptur in hart umkämpften Gebiet stehe und damit die große Gefahr bestehe, dass sie einen Raketenvolltreffer erleide, gegen den auch Sandsäcke nichts nützten?

Die Konsequenz für Balun sind die Fragen: „Macht es dann überhaupt Sinn, hier diesen Aufwand zu betreiben und auch das Geld zu investieren? Wäre mit der entsprechenden Summe anderswo vielleicht mehr geholfen?“ Der so aufkommende Zwang, Kunst einen „Wert“ zuzuschreiben, der Druck, diese zugeschriebene Wertigkeit vergleichen zu müssen, widerspricht dem Innersten von dem, was Kunst eigentlich ausmacht. Der Kuratorin Olena Balun war die damit verbundene Belastung im Gespräch auch sehr wohl anzumerken, dennoch lässt sie in ihrer Aufgabe nicht locker: Nicht zuletzt Kunst und Kultur seien es, die einem Land mit den darin lebenden Menschen ein Profil, einen eigenständigen Charakter gäben, so meint sie. In einem Krieg, in dem es auch darum gehe, genau diesen Charakter auszulöschen, komme dem Bewahren von Kunst und Kultur und damit von Identität eine wirklich entscheidende Bedeutung zu.

Jeder Feuerlöscher ein hilfreicher Beitrag

„Und jede einzelne aus Spenden finanzierte Branddecke, jeder Feuerlöscher, jede Transportkiste und in der weiteren Folge auch jedes zur Restauration benötigte Handwerkszeug ist, so sagt Olena Balun, dafür ein unmittelbarer Beitrag“. Mehr zur Ukraine-Hilfe in der Region:

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