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Gut Immling

Musik im Herzschlag-Rhythmus bei Benefizkonzert mit Philharmonie Lviv

Natalija Raithel spielt die Paraphrase über die ukrainische Nationalhymne.
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Natalija Raithel spielt die Paraphrase über die ukrainische Nationalhymne.

Es saßen fast nur Frauen auf der Bühne des einigermaßen gefüllten Festspielhauses von Gut Immling: Die Männer dürfen nicht ausreisen, weil sie kämpfen müssen. Das Kammerorchester der National Philharmonie Lviv (früher: Lemberg) spielte auf Einladung des Rotary Clubs Rosenheim.

Halfing – Zu hören war vornehmlich Musik ukrainischer Komponisten. Und es ist ein schmerzlicher Gedanke, dass erst ein böser Krieg die Aufmerksamkeit auf die reichhaltige Kultur der Ukraine lenkt.

Der unauffällig-bescheiden dirigierende junge Dirigent Ivan Cherednichenko, Chefdirigent der Oper von Lviv, hat beide Eltern im Krieg verloren, sie wurden von russischen Soldaten getötet. Juri Schewtschenko (1953-2022) starb heuer im März an einer Lungenentzündung, die er sich im Bunker zugezogen hatte. 2014 hatte er eine Paraphrase über die ukrainische Nationalhymne für Geige und Streichorchester komponiert. Natalija Raithel spielte sie sichtlich bewegt.

Inniges Volkslied aus der Ukraine

Begonnen hatte das Konzert mit einem innig-melancholischen ukrainischen Volkslied, es endete mit der „Melodija“ von Myroslaw Skoryk (1938-2020) für Cello und Streicher, von Oleksandr Piriyev äußerst klangschön vorgetragen, diese Melodie gilt als „das Gesicht der Ukraine“. Er spielte auch vom selben Komponisten „A-Ri-A“: Musik im Herzschlag-Rhythmus, klangreich und schmerzvoll wie ein Blutstrom, der einer Wunde entrinnt, zwischendrin in sachtem Tanz-Rhythmus.

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Auch „Dyptych“ für Streichorchester stammt von Piriyev: klangsatte, charmante, rhythmisch straffe und dann erhitzte Musik, von den Streicherinnen sehr energisch gespielt.

Das berühmte „Adagio for Strings“ von Samuel Barber nahm der Dirigent nicht so hemmungslos schmerzbeladen, sondern als die elegische Musik, die sie einfach ist.

Zwei gewichtigere Werke standen im Zentrum: Die Kammersymphonie Nr. 3 für Flöte und Streicher von Jewhen Stankowytsch (1942 geboren) ist eine farbig schillernde und oft rhythmisch stampfende Kammermusik, vom Orchester ungemein fein gespielt, der Flötist Andriy Karpyak blies seine singenden Weisen über einem leisen Streicherteppich oder antwortete auf den flirrenden Streicherklang mit Schwirrtönen, bis das Stück etwas unvermittelt endet.

Bach und der Friede

Das andere zentrale Werk war das Doppelkonzert für zwei Violinen in d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach. Und plötzlich war Friede. Natalija Raithel zusammen mit Mario Korunic leiteten als Solisten ohne den Dirigenten das Orchester, sorgten für fröhliche Aufgeräumtheit im ersten und fein abgestufte Streicherklänge im langsamen Satz.

Die Zuhörer reagierten mit sich immer mehr steigernder Begeisterung, die sich in zahlreichen Bravo-Rufen entlud, und applaudierten am Ende herzlich im Stehen – im Wissen, dass die Einnahmen dieses Konzertes dem Kinderkrankenhaus in Kiew zukommen werden.

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