Traunsteiner Sommerkonzerte: Kollektives Schweben mit Nils Mönkemeyer und Nicholas Rimmer

Riesenapplaus gab es für Nils Mönkemeyer und Nicholas Rimmer beim zweiten Traunsteiner Sommerkonzert im Kulturforum.
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Riesenapplaus gab es für Nils Mönkemeyer und Nicholas Rimmer beim zweiten Traunsteiner Sommerkonzert im Kulturforum.

Statt vor Corona in die Knie zu gehen, fanden die Verantwortlichen der Traunsteiner Sommerkonzerte realisierbare Alternativen: Nicht einmal, sondern zweimal an einem Tag erklingt im frisch eröffneten Kulturforum Klosterkirche Kammermusik „at its best“ wie beim Konzert mit Nils Mönkemeyer und Nicholas Rimmer.

Von Kirsten Benekam

Traunstein – Das einstündige Programm ist also auf zwei Konzerttermine desselben Tages verteilt. Eine Lösung, die auch deshalb machbar war, weil alle Musiker zu diesem erheblichen Mehraufwand bereit waren.

Atemberaubende Virtuosität

Zum 40-jährigen Jubiläum des kleinen, aber feinen Kammermusikfestivals steht Musik aus England im Mittelpunkt. Nils Mönkemeyer (Viola) und Nicholas Rimmer (Klavier) gestalteten das zweite der insgesamt acht Sommerkonzerte mit Werken von Benjamin Britten, Rebecca Clarke und Dmitri Schostakowitsch und legten mit ihrer atemberaubenden Virtuosität für alles, was folgt, die Messlatte hoch. Ein Duo, das sich im Zusammenspiel gegenseitig zur Höchstleistung treibt, und das die gemeinsam hochsensibel interpretierten Kompositionen in jenem Moment, da sie erklingen neu zu entdecken scheint und somit dem Zuhörer zum Exklusiverlebnis verhilft.

Das Programm:

Die Traunsteiner Sommerkonzerte

Nils Mönkemeyer ist seit 2011 Professor für Bratsche an der Hochschule für Musik und Theater in München. Der deutsch-englische Pianist Nicholas Rimmer unterrichtet seit 2020 als Professor für Klavier an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg und beide Virtuosen spielen in unterschiedlichen Formationen und Projekten.

Mit makelloser Bogenführung, sehr sicherer linker Hand und glänzendem Ton zelebrierte Mönkemeyer Benjamin Brittens (1913-1976) Lachrymae op. 48 für Viola und Klavier. Kongenial an seiner Seite, das klassische Dreamteam komplettierend, brillierte Nicholas Rimmer an den Tasten – horchend, atmend und akzentuierend. Benjamin Britten war einer der größten englischen Komponisten – und er war ein leidenschaftlicher Bewunderer von John Dowland. Brittens Lachrymae liegt thematisch John Dowlands Lied „If my complaints could passions move“ zu Grunde, um welches herum er 1950 höchst spannende Variationen erarbeitete. Dieses süß melancholische Thema nimmt Britten nicht als Ausgangs-, sondern als Fluchtpunkt – das ursprüngliche Liedthema hört man erst in der letzten Variation: ein musikalischer Tagtraum, ein tiefernstes und klangfarbenreiches „Nachsinnen“ über eine der melancholischsten Melodien der Geschichte.

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Nicht weniger geplättet war das Sommerkonzertpublikum von der folgenden dreisätzigen Sonate für Viola und Klavier von Rebecca Clarke (1886-1979). Dichte Harmonien, enormer emotionaler Ausdruck und rhythmische Komplexität charakterisieren Clarkes Stil, dem nur arrivierte Virtuosen gerecht werden können – Mönkemeyer hat das Werk dermaßen verinnerlicht, dass er gleich zu Beginn den Notenständer zur Seite stellte und sich mit geschlossenen Augen den variationsreichen Themen hingab. Clarke stellte ihrem Werk ein Motto aus Alfred de Mussets Gedicht „La Nuit de Mai‘“ voran – zu Deutsch, eine Nacht im Mai. Entsprechend leidenschaftlich mutet diese Sonate an: Emotionsgeladen und sinnlich muss und will sie interpretiert sein.

Zeitlosigkeit, Ewigkeit und Vergänglichkeit

Drittes und letztes Werk des Abends stammt zwar nicht aus England, fügte sich aber wunderbar in die Reihe der Werke der Neuen Musik ein – Dmitri Schostakowitschs (1906-1975) Sonate für Viola und Klavier C-dur op. 147. „Eines seiner intimsten Stücke“, eine Art „autobiographische Zusammenfassung“, nannte es Musikwissenschaftler Michael Struck-Schloen. Es war seine erste Komposition für dieses Instrument und sein letztes Werk überhaupt: Schostakowitsch schrieb es kurz vor seinem Tod. Die vorherrschenden Themen der dreisätzigen Sonate – Zeitlosigkeit, Ewigkeit und Vergänglichkeit – schienen die Besucher zu verschlingen. Die Zeit schien stillzustehen, ein Gleiten ins Nichts, ein kollektives Schweben von Musikern und Zuhörern im luftleeren Raum, in dem alles (und nichts) möglich zu sein schien. So soll es sein.

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