Nachruf

Leiterin der Traunsteiner Sommerkonzerte: Imke von Keisenberg im Alter von 77 Jahren verstorben

Imke von Keisenberg.
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Imke von Keisenberg.

Die künstlerische Leiterin der Traunsteiner Sommerkonzerte ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

von Christoph Großpietsch

Traunstein – Nur ein Grußwort des Traunsteiner Oberbürgermeisters eröffnete im September das Programm zum Jubiläum von 40 Jahren Traunsteiner Sommerkonzerte. Die künstlerische Leiterin des Festivals, Imke von Keisenberg, die die Konzertreihe über Jahrzehnte begleitet und fast ein Jahrzehnt geleitet hat, hat sich nicht feiern lassen wollen. Sie hat als Musikwissenschaftlerin und Toningenieurin das Inhaltliche im Blick gehabt und zuletzt noch Einführungstexte zu den aufgeführten zeitgenössischen Werken verfasst.

Mit hochkarätigen Essays trug sie wie alle anderen der eingeladenen Autoren der letzten vier Jahrzehnte zu Konzert-Almanachen bei, die – unter ihrer Redaktion – in ihrer Art genauso einzigartig sind wie die 1980 begründete Kammermusikreihe. Weltklasse-Künstler wie David Geringas, Paul Gulda, David Levine, Maximilian Hornung, Nils Mönkemeyer, Aribert Reimann, Fazil Say, Christine Schaefer und Christian Tetzlaff waren – stets unter Mitwirkung von Imke von Keisenberg – zu Gast in Traunstein.

40 Jahre Sommerkonzerte in Traunstein – das sind unendlich viele musikalische Anregungen im Musikleben der Stadt. Es hätte heuer ein Fest werden müssen, doch in Corona-Zeiten unterblieb jede Opulenz, und Distanz war angesagt. Jedes der Konzerte wurde mehrfach aufgeführt im September 2020 – eine logistische Meisterleistung – und so waren es jeweils nur wenige Konzertbesucher, die im neuen Kulturforum Klosterkirche den Jubiläumskonzerten lauschen konnten.

Imke von Keisenberg hatte nicht nur die künstlerische Leitung des Festivals inne, sondern überhaupt die Traunsteiner Kultur mit ihrem Engagement für das Festival mehrere Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Sie war es gewesen, die mit den Künstlern und Agenturen im Vorfeld sprach, die die Logistik für den Ablauf gewährleistete, den Bayerischen Rundfunk und Deutschlandfunk Kultur zu unzähligen bundesweit ausgestrahlten Aufzeichnungen und Live-Übertragungen anzuregen vermochte. Imke von Keisenberg übernahm auch die Pressearbeit, und das alles schon lange, bevor sie 2013 die Leitung der Traunsteiner Sommerkonzerte mit eigenen neuen Konzepten übernommen hatte. Ihr gelang es, bleibende freundschaftliche Kontakte zu herausragenden Künstlern zu knüpfen, die auch aus diesem Grund wieder und wieder an den Sommerkonzerten teilnahmen.

Vor einem Jahr erhielt sie für ihr leidenschaftliches Engagement die Ehrenmedaille der Stadt Traunstein. Im Programmheft des letzten Festivals ihrer künstlerischen Leitung schrieb sie einen Artikel über ein zeitgenössisches Werk, das den bemerkenswerten Titel trägt: „as far apart as possible“. Imke von Keisenberg ist am 11. Dezember im Alter von 77 Jahren verstorben. Es ist in ihrem Sinn, dass jene Kammermusikreihe fortgeführt wird, für die sie sich mit ganzer Kraft so lange eingesetzt hat.

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