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Festspiele Erl

Trauermärsche sind beste Volksmusik

Seit nun schon 29 Jahren spielen die zehn Musiker aus Osttirol, genauer gesagt, aus Innervillgraten, zusammen unter dem Namen „Musicbanda Franui“. „Banda“ zeigt die ungebändigte und außernormale Art ihres Spiels an, „Franui“ ist der Name einer Almwiese in Innervillgraten:

Erl - Sie bleiben ihrer Herkunft standhaft treu. Und auch den Tiroler Festspielen Erl, dort treten sie nämlich seit der Gründung alljährlich auf. Und standhaft treu bleiben sie auch ihrer Spielweise und ihrer Programmatik.

Mit Herkunft kokettiert

Am deutlichsten formuliert es Andreas Schett, der Trompeter und „Leiter“ der Musicbanda, in seiner stark dialektgefärbten Moderation, bei der er immer mit ihrer osttirolerischen Herkunft kokettiert: „Trauermärsche sind die beste Volksmusik – weil sie für touristische Zwecke nicht geeignet sind.“

Und so dominierten Trauermärsche und überhaupt traurige Musik das Programm. Wobei: Wenn man einen Trauermarsch viermal so schnell spielt, wird eine Polka draus, sagte hintersinnig Andreas Schett. Und so wandelte das Lied „Trockne Blumen“ von Franz Schubert, das sie mit gestopfter Trompete todtraurig intonierten, sich schnell in einen Trauermarsch, darauf in lustige Klezmermusik und wiederum in eine todtraurige Polka: Todestrauer, Melancholie, Weltschmerz allenthalben. Sogar im eigentlich zumindest romantischen „Ständchen“ von Schubert. Kein Wunder dann, dass zwei besonders traurigschöne Programmtitel Schuberts „Litanei auf das Fest Allerseelen“ und „Totengräberlied“ waren: Lust an Totenschädeln.

Dabei anverwandeln die Musiker sich die Musik von Franz Schubert und Gustav Mahler so, dass beide wie echte Volksmusiker, wie geborene Innervillgratler wirken. Schubert sei ihr Hausheiliger, Mahler ihr Nachbar, bemerkte Andreas Schett, weil letzterer am Ende sein Komponierhäusl ja in Toblach im Pustertal stehen hatte – vom Villgratental aus gesehen außerm Berg. Zwischendurch mischen sie neunzehn Schubert’sche Tänze musikalisch so auf, dass die wirken, als hätte Erwin Schulhoff sie bearbeitet, oder sie verschieben in Schuberts Lied „An den Mond“ die Harmonien so, dass das Lied geradezu erschreckend traurig wird, oder sie verwursteln Schuberts „Kupelwieser-Walzer“ mit Richard Strauss’scher Süßlichkeit und Bruckner’schner Akkordschwere, dimmen die Musik dabei bis ins Unhörbare und dehnen sie bis in tränenblinde Melancholie.

Traurigschön war’s auch, wenn sie singen: Das Brahms’sche „Da unten im Tale“ ist zwar ein Liebeslied, endet aber auch wehmütig schluchzend. Den Schluchz-Ton steuerten immer die beiden Frauen mit Harfe, Zither und Hackbrett bei.

Bei so viel programmatischer Einförmigkeit konnte es schon etwas zu viel werden. Besser ist „Franui“, wenn Gäste dazukommen, die etwas rezitieren oder musikalisch dazu beisteuern, oder wenn Nikolaus Habjan mit seinen Halbpuppen dazu spielte und Georg-Kreisler-Texte sprach. Das ergibt Reibungsfunken.

Orgiastische Fetzigkeit

Damit man als Zuhörer nicht in Depression verfiel, fielen die Musiker am Ende in einem Tanz namens „Huch Pfusch Tusch“ in gelinde orgiastische Fetzigkeit – endeten dann aber konsequent mit einem Trauermarsch mit dem Text „Lasst’s‘n obi, lasst’s’n obi, den Fallott!“

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