Tödliche Gemälde machen Lust auf mehr

Konrad Bernheimer an seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer neben einem Porträt von Velasquez.
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Konrad Bernheimer an seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer neben einem Porträt von Velasquez.

Marquartstein. . – Konrad O. Bernheimer, in unserer Region unter anderem bekannt als Eigentümer der Burg Marquartstein, ist Deutschlands bedeutendster Kunsthändler Alter Meister. Für die meisten wohl völlig unerwartet hat er nun seinen ersten „Kunstkrimi“ unter dem Titel „Tödliche Gemälde“ geschrieben, erschienen im Langenmüller Verlag, München.

Nichts fürschwache Nerven

Um es vorweg zu nehmen: es handelt sich nicht nur um einen raffinierten, spannenden Krimi, sondern der Leser kann viel über alte, berühmte Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert erfahren, auch über die ganz eigene Klientel von manchmal überaus begüterten Kunstsammlern, aber auch solchen – jedenfalls im Krimi – denen jedes Mittel recht ist, um in den Besitz dieser hoch begehrten Objekte zu gelangen.

„Die Handlung der Geschichte ist völlig frei erfunden“, sagt Bernheimer. Sie spielt in den Kunstmetropolen Paris, London, Venedig, Rom etc., und der Leser wird durch genaue Ortsbeschreibungen nicht nur durch ganze Stadtviertel mitgenommen, sondern auch in die exklusivsten Restaurants dieser Städte, wobei dabei nach den Worten des Autors alles authentisch ist. Bernheimer beschreibt die exquisiten Gerichte mit den passenden Weinen so detailliert, dass jeder Gourmet seine Freude haben dürfte.

Die Handlung der Kriminalgeschichte ist dagegen nichts für schwache Nerven.

„Die meisten Besucher eines Museums gehen heutzutage an Gemälden mit noch dazu recht grausamen Heiligengeschichten einfach vorbei, schauen gerade mal den Titel an, aber nie genau hin. Dabei erzählen diese Bilder höchst interessante Geschichten nicht nur über persönliche Schicksale, sondern auch über die damalige Zeit“, sagt der 70-jährige Autor. Vor allem auch deshalb habe er begonnen, Krimis zu schreiben, gesteht Konrad Bernheimer in seinem Arbeitszimmer in München.

Den meisten Menschen heutzutage sei das historische und religiöse Wissen um diese Darstellungen verloren gegangen ist. Ein Krimi wie dieser könne interessierte Zeitgenossen dazu bringen, solche Altarbilder mal wieder genau anzuschauen und sich mit der Geschichte dahinter zu beschäftigen. Dafür sei vor allem das Alte und Neue Testament von Bedeutung, eine Lektüre, die früher selbstverständlich jeder kannte.

Konrad Bernheimer selbst habe in seinem jahrzehntelangen Leben als Kunsthändler bisher nie etwas mit Fälschungen oder gar Kunstraub, wie im Buch unter anderem beschrieben, zu tun gehabt, sagt er. „Die Verbrechen sind reine Fantasie“.

Sehr genau hat er sich vor dem Schreiben bei verschiedenen Fachleuten informiert, zum Beispiel bei dem bekannten Pathologen und langjährigen Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin an der Münchner Universität, Professor Dr. Wolfgang Eisenmenger. Bei einem Besuch in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums in der Ettstraße erfuhr er dann einiges über tatsächlich geschehene, völlig abseitige Formen des Mordens. Im speziellen Fall über die Wirkung von hoch dosiertem Insulin und Curare, dem südamerikanischen Nervengift.

HumorvollesVergnügen

Trotz aller Grausamkeiten sind „Tödliche Gemälde“ dank der Beschreibungen kultureller Highlights und kulinarischer Genüsse auch ein humorvolles Vergnügen, denn Bernheimer versteht es, den eigenen Berufsstand und „die Welt des großen Geldes“ leicht ironisch auf die Schippe zu nehmen. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht der letzte Krimi dieser Art des Kunsthändlers bleibt.

Schon vor sieben Jahren wurde Bernheimer als Autor bekannt, als er im Jahr 2013 seine Biografie „Narwalzahn“ schrieb, die inzwischen in der dritten Auflage und auch in englisch erschienen ist. 2019 veröffentlichte er im Piper Verlag „Gebrauchsanweisung fürs Museum“, dem auch die Beschreibungen der Bilder im Krimi entnommen sind.

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