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„INSEL-KONZERTE“

Tianwa Yang spielte Bach als Offenbarung

Eine wunderbar wandelbare Künstlerin: Tianwa Yang spielte im Bibliothekssaal Bach und Ysaÿe.
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Eine wunderbar wandelbare Künstlerin: Tianwa Yang spielte im Bibliothekssaal Bach und Ysaÿe.

Es gibt sie eben doch, die kleinen Wunder. Sie entstehen in aller Regel gerade in solchen Momenten, wenn man es gar nicht erwartet. Einen konnte das Publikum beim jüngsten „Insel-Konzert“ mit der Geigerin Tianwa Yang erleben.

Chiemsee – Natürlich ist Tianwa Yang keine Unbekannte: Für ihre Interpretationen von zeitgenössischer Musik und des romantischen Kernrepertoires im weiten Sinn hat die aus Peking stammende und in Würzburg lehrende Geigerin zahlreiche Preise eingeheimst. Dass sie aber auch Johann Sebastian Bach kann, hatte man nicht auf dem Schirm.

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Umso größer war jetzt die Überraschung bei den „Insel-Konzerten“ auf Herrenchiemsee. Im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts wurde man Zeuge einer stilsicheren Exegese allererster Güte. Ob die Wahl und Ausgestaltung der Tempi, der bewusste Einsatz des Vibratos, die glasklare Artikulation oder die leichtfedernde Phrasierung: Es erwuchs eine mustergültige Bach-Sicht, wie sie live im Konzert nur ganz selten zu erleben ist.

Stupende Natürlichkeit

Schon in der Solo-Partita Nr. 3 Es-Dur BWV 1006 wurde die stupende Natürlichkeit von Yangs Spiel ein absolutes Großereignis. Sie weiß, dass die Musik Bachs ganz wesentlich aus dem Tanz wie auch aus der klangsinnlichen Ansprache kommt. Beide Pole vereint sie unmittelbar zu einer Urkraft, ohne sich irgendeinem Dogma zu unterwerfen. Ihre Bach-Sicht ist total eigenständig und befreit.

Die radikale Entschlackung einer Isabelle Faust vermeidet Tianwa Yang genauso wie den betonten Lyrismus einer Rachel Podger, um beides stringent zusammenzuführen. Dabei koppelte sie in der ersten Hälfte ihres Solo-Rezitals diese Solo-Partita Bachs mit der Solo-Violinsonate op. 27 Nr. 2 von Eugène Ysaÿe. Allein die Wahl war klug, denn hier zitiert Ysaÿe aus der dritten Bach-Partita, um sie stilistisch zu verfremden.

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Als Dauerthema dieser Sonate jagt Ysaÿe zudem das berühmte Dies-Irae-Motiv aus der alten katholischen Totenmesse durch die vier Sätze. Wie alle Solosonaten für Violine von Ysaÿe ist auch diese 1923 entstanden: also zwischen zwei abgründigen Weltkriegen. Nach einer kurzen Unterbrechung setzte Yang ihre unerhörten Reflexionen mit Bachs Partita Nr. 1 h-moll BWV 1002 und Ysaÿes Solosonate op. 27 Nr. 3 „Ballade“ fort.

Wandelbare Künstlerin

Wie schon zuvor spielte sie auch jetzt Bach mit einem Barockbogen und Ysaÿe mit einem klassischen Bogen. Rund 200 Jahre trennen diese Werke, was Yang gezielt hörbar machte. Statt sich selbst zu zelebrieren und stets den „eigenen Ton“ zu kultivieren, passte sie sich sofort dem jeweiligen Stil an. Vielfach hatte man den Eindruck, als ob zwei Persönlichkeiten musizieren würden. Hier präsentierte sich eine wahrlich wandelbare Künstlerin. Diese ungeheure Agilität nahm in jedem Augenblick unmittelbar gefangen.

Als Zugabe das wunderschöne Andante aus Bachs Solosonate Nr. 2 BWV 1003: Yangs Bach ist eine echte Offenbarung. In Hitzacker hatten sie Nils Mönkemeyer und William Youn, das Leitungsduo der „Insel-Konzerte“, einst erlebt. Noch im August wird Youn mit ihr in Kassel im Rahmen des Festivals „Begegnungen“ konzertieren. Bei den „Insel-Konzerten“ geht es hingegen am Sonntag, 22. August, mit dem Cellisten Eckart Runge und Jacques Ammon am Klavier weiter. „Roll Over Beethoven“ lautet das Motto.Marco Frei

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