Tango ohne Worte

Das Quartett „SolTango“ zelebrierte die Goldene Ära des Tangos im Antrettersaal Stephanskirchen. Friedrich

Stephanskirchen –. Etwas länger musste die Gemeinde Stephanskirchen auf das Konzert des Quartetts „SolTango“ im Antrettersaal warten – kein Wunder, denn die vier Musiker sind europaweit begehrt.

In ihrem Terminkalender stehen Auftritte von Den Haag bis Innsbruck, Hörfunkaufnahmen und Engagements als Solisten. Ein „Hiesiger“ stand mit auf der Bühne, der in Stephanskirchen aufgewachsene Violinist Thomas Reif, der auch in den Bereichen Kammermusik und Barock konzertiert.

FrühlingshafteEröffnung

Die Musiker verloren keine Worte und eröffneten fröhlich-frühlingshaft mit „Mi Refugio“, einem Stück von Horacio Salgán. Nach diesem begeisternden Auftakt erklärte Thomas Reif das Konzept: „SolTango“ widme sich der „goldenen Ära“ des Tango, also der Zeit zwischen 1930 und 1950, daher gebe es keine Kompositionen des bekanntesten Tangokomponisten Astor Piazzolla, denn dieser folgte in einer späteren Phase als Erneuerer mit dem „Tango Nuevo“. Als Nächstes gab es das Titelstück der aktuellen CD zu hören, „Sin Palabras“, im Stil von Aníbal Troilo, gefolgt von „Yo te bendigo“.

Die komplexen Stücke bannten das Publikum und nach und nach öffneten sich die Gehörgänge für die live viel zu selten gespielten, reizvollen Melodien. Dabei wechselte in den Stücken im fliegenden Wechsel die Rolle der Instrumente beziehungsweise der Musiker.

Sowohl Bandoneon als auch Violine, Cello und Klavier fungierten flexibel sowohl als Rhythmus- als auch als Melodieinstrument, wodurch das Klangbild eine Vielzahl reizvoller Überraschungen birgt. Seine besondere Note erfährt die Tangomusik durch das Bandoneon: Bei SolTango steht der Norweger Andreas Rokseth klanglich im Mittelpunkt, mal ließ er sein Instrument in rhythmischem Stakkato erbeben, dann wieder zauberte er sehnsüchtige Klänge hervor.

Temperamentvoll folgten zwei Milongas im Habanerastil, bei denen Martin Klett am Piano mit fliegenden Tastenläufen Akzente setzte. In ihren Ansagen erwähnten die Ensemblemitglieder immer wieder den Hintergrund der Stücke, rezitierten zugrundegelegte Gedichte oder gingen auf die Biografie der argentinischen Komponisten ein. Das dramatisch-schicksalhafte „No te apures, Carablanca“ von Lucio Demare vertonte Einsamkeit mit ernsthafter Wucht. Sehr komplexe, kunstvolle Kompositionen stammten aus der Feder von Osvaldo Pugliese, einem der Erweiterer der Gattung. Mal sperrig, dann wieder zart und harmonisch warfen die kontrastreichen Stücke die Hörer zwischen verschiedenen Gefühlsrichtungen hin und her.

Mit einer wundervollen, traurigen Melodie der „Milonga Triste“ zum Gedicht von Homero Manzi (komponiert von Sebastián Piana) und wehmütigem Cello von Karel Bredenhors ging es in die Pause. Weitere Höhepunkte warteten: Sambas argentinos im langsamen Dreiertakt und besonders die „Samba para olvidarte“ als Hommage an die große Sängerin Argentiniens Mercedes Sosa mit viel Emphase illustrierten die vielen verschiedenen Spielarten der Tangomusik, die ja gerne klischeehaft vereinfachend in eine Schublade gepackt wird.

Doch noch einPiazzolla zum Schluss

Enrique Francini war einer der Protagonisten der Tangoszene, noch als Hundertjähriger musizierte er und starb schließlich mit seiner Violine im Arm auf der Bühne: „El tobiano“ des „Paganini von Buenos Aires“ und „Ojos brujo“ läuteten die Endrunde eines famosen Konzerts ein. Herausragend war die „Coqueta“ im Stil des Orquesta Típica Victor, für die der Applaus noch stärker aufbrandete.

Das enthusiastische Publikum wollte die vier sympathischen und virtuosen Musiker am liebsten gar nicht mehr gehen lassen, sodass sich das Quartett mit einem Trio von Zugaben bedankte, an dessen Ende dann doch noch ein Stück von Astor Piazzolla („Oblivion“) den Reigen schloss. Vielleicht schon ein Ausblick auf ein zukünftiges Programm?

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