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Von Ort zu Ort

Straßwend: Ein Schreibfehler aus dem Jahr 1135

Die Straße macht eine Kurve, was nicht heißt, ob man dann im weiteren Verlauf wenden muss. Und: Der Ortsname hat eigentlich nichts mit der Straße zu tun.
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Die Straße macht eine Kurve, was nicht heißt, ob man dann im weiteren Verlauf wenden muss. Und: Der Ortsname hat eigentlich nichts mit der Straße zu tun.

Zur Einöde Straßwend, die in der Gemeinde Prutting liegt, führt eine nach Westen führende Abzweigung der Straße von Stephanskirchen nach Halfing und Amerang. Erklärt sich der Ortsname etwa von selber, nach dem Motto: „Nomen est omen“? Eine Straßenwende?

Prutting –Das könnte man beim Blick auf die erste urkundliche Erwähnung des Ortes aus dem Jahre 1135 fast vermuten; doch dieser Beleg ist falsch geschrieben worden. So beurteilen das zumindest die beiden Ortsnamen-Forscher Hans Meixner (1878-1960) und Josef Bernrieder (1922-2006). Sie halten den Eintrag „Strabswend“ für eine Verschreibung des kurz danach, nämlich 1150, belegten Namens „Stabeswent“. Die gemeinsame Quelle für diese beiden Schreibungen sind die Monumenta Boica, Band 2, Nr. 294 beziehungsweise 304.

Es handelt sich hier wohl tatsächlich um eine Verschreibung, weil der Gegensatz „Stra“ versus „Sta“ in ein und derselben Schrift passiert ist und danach jahrhundertelang kein R im Namen (mehr) vorkommt. Daher kann die Herleitung von „Straße“, lateinisch „via strata“, ausgeschlossen werden. Die weiteren Belege lauten folgendermaßen:

Für 1180 heißt es „Stabswente“, ebenfalls in den Monumenta Boica 2, 342.

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Josef Bernrieder beschreibt die nächste Belegstelle als „de Stabswenten I modium“ von 1180 bis ca. 1195 und liefert zudem gleich die Übersetzung mit: „Aus Stabswenten

1 Scheffel [Getreide (ca. 10 hl.)]“. Die nächsten Belege lauten „Taswent“ und „Taeswent“ aus dem Salbuch des Klosters Seeon aus dem Jahre 1460.

Hier steht der Name sogar ohne das Anfangs-S. Danach folgt der Beleg „Stässwendter“ von 1478 in den Regesten von Prutting, zu dem Meixner im Jahre 1920 anfügt: „Heute noch Hausname“.

Wirklich? Auch 2021 noch? Fragen wir nach bei Georg Plankl, dem Geschäftsführer der Gemeinde Prutting. Der Einödhof heißt, so Georg Plankl, „beim Schdás-wendter“. Somit gilt seit 543 ein und dieselbe Aussprache! Die Schreibung < ä > bezeichnete damals nämlich ebenso wie heute die Schreibung < á > ein helles A. Aber man sprach wohl nicht „Schdás-wendter“ wie Georg Plankl, sondern „Schdá-s(ch)wendter“. Die Begründung hierfür liefern Meixner und Bernrieder:

Meixner legt „Stässwendt“ wegen „Taswent“ von 1460 einen Personennamen „Tabo“ zugrunde, der mit dem mittelhochdeutschen Begriff „swente, Stelle, wo das Holz geschwendet d. h. schwinden gemacht wird“, kombiniert worden ist. Aus „ze/z (= zu) Ta(ben)swente“, aus der Schwende des Tabo, sei „Stáswendt“ geworden.

Bernrieder stimmt der Herleitung von althochdeutsch swenten = „vernichten, fällen, Holz zum Schwinden bringen – bair. schwenden“ zu, lehnt aber den Personennamen Tabo ab.

Er schreibt: „Eher ist lat. stabulum ‚Stall‘, rätoromanisch stavel ‚Senngebäude, Stall‘ heranzuziehen, da in der Nähe die Römerstraße vorbeiführte“. Sein Fazit lautet: „Stall an einer Baumrodung durch Schwenden“.

Allerdings steht seit Anfang des 19. Jahrhunderts das R im Namen: Straßwend. „Stässwendt“ wurde wohl nicht mehr verstanden und eine Straßen-Wende in den Namen eingedeutet. Aber die lokale, dialektale Aussprache blieb bis heute unbestechlich.

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