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In der Nikolauskirche

„Sterben ist mein Gewinn“: Kammerchor Rosenheim singt barocke Begräbnismusik

Der Kammerchor Rosenheim unter Konrad Heimbeck produzierte wohligen Chorklang in ewigem Fluss.
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Der Kammerchor Rosenheim unter Konrad Heimbeck produzierte wohligen Chorklang in ewigem Fluss.

Insbesondere die barocke Kirchenmusik hüllt Begräbnismusiken in solche Schönheit ein, dass man meinen könnte, der Tod sei nicht das Ende, sondern das ersehnte Ziel des menschlichen Lebens. Der Rosenheimer Kammerchor hat das jetzt bewiesen.

Rosenheim – „Sterben ist mein Gewinn“ heißt es in den „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz. Dies und die Kantate „Actus tragicus“ von Bach sang der Kammerchor Rosenheim in der Nikolauskirche passend zum Volkstrauertrag und überhaupt zum Totenmonat November.

Runder, wohliger Klang

Schütz‘ „Musikalische Exequien“ sind ein früher Versuch eines „Deutschen Requiems“ – einer kirchlichen Trauermusik auf nicht von der Liturgie vorgegebene lateinische Texte, sondern auf Bibelstellen und deutsche Kirchenlieder.

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Sie bestehen aus drei Teilen: Zuerst kommt eine Abfolge von Kirchenliedern, die der Chor singt, und Solo-Passagen. Den tiefen Ernst, der diese Musik durchwaltet, gestaltete der Rosenheimer Kammerchor unter der Leitung von Konrad Heimbeck mit rundem. wohligen Chorklang in ewigem Fluss – auch wenn man sich dazwischen eine rhythmische Schärfung, mehr Expressivität und Konsonantenverschärfung wünschen könnte.

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Wenn das alles vorhanden war, dann umso hervorstechender. Zum Beispiel als der Chor die „Angst, Not und Trübsal überall“ besang oder Gott als Israels „Preis, Ehr, Freud und Wonne“ lobte – da strahlte er plötzlich wonnevoll auf.

Solisten sangen aus dem Chor heraus

Die sechs Solisten (Ursula Preißler, Martha Hadulla, Luitgard Hamberger, Hermann Oswald, Thomas Hamberger, Martin Hörberg) waren in den Chor eingebunden, stachen nicht, sondern sangen aus ihm heraus. Sie konnten die gewünschte Expressivität manchmal servieren. So, als die blutrote Sünde als schmerzreiche Dissonanzen gemalt war, die, wenn sie schneeweiß wird, wie Wolle wird, die sich in Koloraturen kräuselt.

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Der zweite Teil ist ein Doppelchor in venezianischer Klangpracht, in dem sich der Chor schön wie Wellen im Klang steigerte, die gegeneinander anprallen. Im dritten Teil ordnete sich der Chor um, weil als Fernchor von links zwei Seraphim (Engel) und eine erlöste Seele als leichter und lichter Kontrast dem Gesamtchor antworten: eine dramatisch-mystische Klangvision, die lange in den Seelen der Zuhörer nachhallte.

Vor die Bach-Kantate hatte Heimbeck drei Stücke aus der „Funeral Music of Mary Queen“ von Henry Purcell gesetzt. Diese sind wesentlich glühender als der strenge Schütz, die Akkorde schieben sich gleichsam untereinander und reiben sich herzlösend dissonant, was der Chor mit klangsatter Schönheit vertiefte.

Instrumente in den Vordergrund

Hatte bisher schon das Instrumentalensemble mit zwei Blockflöten (Christine Sedlmeier und Marie Erndlund) dem herbsüßen Klang der Gambe (Annalisa Pappano) den Chorklang unterstützt, so rückten diese Instrumente bei der Bach-Kantate in den Vordergrund.

Mahnender Aufruf des Basses

Die Blockflöten prunkten mit wehmütig-warmem Ton auch in den figurenreichen Passagen und umspielten die Arien wohlig-weich, die Klage des Tenors (Hermann Oswald), den mahnenden Aufruf des Basses (Thomas Hamberger), den Trost des Soprans (Ursula Preißler) und das inständige Flehen des Altes (Luitgard Hamberger).

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Auch wenn der Rosenheimer Kammerchor zwischendurch etwas Unsicherheit zeigte, so glänzte er am Ende in der siegreich jubelnden Chorfuge. Die zahlreichen Zuhörer belohnten diese Trauermusik mit langem Beifall.

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