Städtische Galerie Traunstein ist zurück: „Kulissenwechsel“ im Kulturforum

Blick in den neugestalteten Ausstellungsraum der Städtischen Galerie im ersten Stock mit Arbeiten von Wolfgang Stehle im Vordergrund. Im Hintergrund sind Werke von Heike Jeschonnek zu sehen.
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Blick in den neugestalteten Ausstellungsraum der Städtischen Galerie im ersten Stock mit Arbeiten von Wolfgang Stehle im Vordergrund. Im Hintergrund sind Werke von Heike Jeschonnek zu sehen.

Ein feierlicher Festakt wird das frisch sanierte Kulturforum Klosterkirche in Traunstein an diesem Donnerstag offiziell eröffnen. 330 Jahre nach der Einweihung des Klosterkomplexes und wechselvoller Geschichte hat das Ensemble damit eine zukunftsfähige Bestimmung gefunden. Und eine neue Ausstellung gibt es auch.

von Axel Effner

Traunstein – Am Samstag, 3. Oktober, sind von 10 bis 15 Uhr im Rahmen eines Tags der offenen Tür mit Führungen die Tore für die Öffentlichkeit geöffnet.

Mit der hochkarätigen Ausstellung „Kulissenwechsel – Raummodelle“ feiert die Städtische Galerie noch bis 18. Oktober die Rückkehr in die komplett neugestalteten Räume. Modernste Ausstellungstechnik mit perfekter Lichtregie und verschiebbaren Stellwänden eröffnet neue Möglichkeiten für einen modernen Ausstellungsbetrieb.

„Ein besonderer Tag für Traunstein“

Von einem „besonderen Tag“ für Traunsteins neues Kultur-Glanzstück sprach Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer bei der Vernissage der Ausstellung. Er hob das große persönliche Engagement von Galerieleiterin Judith Bader hervor, die trotz Umbau „vieles ermöglicht“ habe. Ebenso dankte er der ehemaligen ARTS-Vorsitzenden Sigrid Ackermann, die sich lange Jahre mit „viel Herzblut“ für die Kultur und die Klosterkirche stark gemacht habe.

Ende Dezember 2016 war mit raumillusionistischen Arbeiten von Elke Zauner aus Tacherting der Ausstellungsbetrieb in der Galerie unter dem Titel „Aufbau – Abbau – Umbau“ zu Ende gegangen. Im März 2017 begann der Umbau.

Neue Räume für Kunst und Gedanken

Konsequent eröffnet die Wiederbelebung der Kunst an historischem Ort jetzt nicht nur neue funktionale Ausstellungsräume, sondern auch Gedankenräume, wie Galerieleiterin Judith Bader in ihrer Einführung hervorhob. In naturalistischen Abbildungen, phantastischen Traumwelten, dystopischen Landschaften oder Reflexionen zur Zentralperspektive werfen die neun Künstler „fundamentale Fragen nach den Voraussetzungen, Grundlagen und Möglichkeiten menschlichen Daseins auf“, erläuterte Bader.

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So durchlaufen die auf drei Ebenen verteilten Arbeiten von Uli Reiter mit dem Titel „umputzen“ verschiedene Stadien einer Situation des Bodenreinigens. Man hat den Eindruck, aus leblosen Haushaltsutensilien werden lebendige Akteure mit eigenem Willen. Wolfgang Stehle aus München setzt in abstrakt verdichteten Holzarbeiten Naturraum, Kulturlandschaft und Architektur in ein faszinierendes Spannungsverhältnis. Prozesse der Zerstörung und schöpferischen Gestaltung und des Neuaufbaus fließen ineinander über. Titel wie „Fleischbank“, „Fontainbleau“ oder „Shady Lane“ wecken eigenwillige Assoziationen.

Die Zerbrechlichkeit unserer Gedankenwelt

Die Düsseldorferin Katharina Ulke ließ sich von Pflanzenfragmenten, die in Epoxyharz gegossen sind, zu kaleidoskopartigen Vexierspielen auf runden Bildträgern („Kosmos“) inspirieren. In ihrer Vielfarbigkeit treten sie in Resonanz zu bestimmten Wandstellen der Galerieräume. Diese lassen in ihren verschiedenfarbigen Schichten folienartig die Historie der Baugeschichte erkennen. In der kleinteiligen Grafikedition „Shelter“ auf Büttenpapier zeigt Ulke dagegen die Zerbrechlichkeit unserer Gedankenwelt und fiktiver Schutzräume.

Parkbänke und eine klassizistische Orangerie zieht der Münchner Bildhauer Martin Schmidt in seinen Zeichnungen als „Versuchsanordnung“ heran, um über die Gesetze der Zentralperspektive und der menschlichen Kommunikation zu reflektieren. Faszinierende „Raumkulissen“ eröffnen auch die Stadtlandschaften von Heike Jeschonnek aus Gummersbach. In reduzierten rasterförmigen Details oder Großstadtpanoramen mit Hochhäusern, Windrädern und bäuerlicher Feldarbeit spürt sie auf ihren Wachs-Öl-Kollagen der Frage nach, „wie wir leben wollen“.

Hölzerne Wohntürme

Ganz unterschiedliche Antworten darauf geben Roland Boden aus Berlin und Klaus Hack aus Bayreuth. Wie Mahnmale und Gleichnisse entseelter und menschenferner Architekturriesen stellt Ersterer verfallene Bauskelette in verlassene Endzeitkulissen. Einen reiz-vollen Kontrast dazu bilden ihnen gegenüber die ex-pressiven Stadtlandschaften des Brandburgers Hack. Er lässt hölzerne Wohntürme und Kathedralen zu leben-digen Organismen und phantastischen Märchenwelten werden.

Kritik an Großstadt-Nomaden

Pulsierende Wechselspiele und Verwandlungen unter-schiedlicher Farben, Namen, Materialien, Zeichen und Chiffren versammelt die Münchnerin Rita Hensen zu einem lebendigen Kulissenwechsel. Ihr Münchner Kollege Stefan Wischnewski recycelt dagegen Zeltstoffe zu unbewohnbaren Stoff-„Silos“. Man mag darin eine feine Kritik an der ständigen Mobilität und der „Silo“-Denke moderner Großstadt-Nomaden sehen.

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