Klingende Literatur und Klassiker der Filmmusik im Frühlingskonzert im Badria

Mit der Stadtkapelle rund um die Welt

Exzellente Spielkunst bot die Stadtkapelle Wasserburg.
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Exzellente Spielkunst bot die Stadtkapelle Wasserburg.

Das Frühlingskonzert war den "Abenteurern und Maulhelden" in Literatur, Film und Geschichte gewidmet. Dirigent Michael Kummer traf mit einer bemerkenswert stimmigen Auswahl von zeitgenössischen Kompositionen und geschätzten Orchesterklassikern genau den Publikumsgeschmack.

Einfallsreichtum und exzellente Spielkunst zeichnen die Konzerte der Stadtkapelle Wasserburg aus. Bereits der musikalische Willkommensgruß der Bläserjugend war vielversprechend, insbesondere auch unter dem Aspekt der Nachwuchsförderung. Zur Eröffnung zeigte das Jugendorchester mit der Ouvertüre "Chicago Festival" des zeitgenössischen Komponisten Markus Götz ihr Können. Dem wohl bekanntesten Schiffbrüchigen im Abenteuerroman war das nächste, spielerisch recht anspruchsvolle Stück gewidmet. Der Belgier Bert Appermont hat das Leben von Defoes "Robinson Crusoe" in vier Sätzen variantenreich vertont, was von den jungen Musikern hervorragend bewältigt wurde. Mit einem Klassiker aus der Zeit der Donaumonarchie folgte hochkonzentriert die Überleitung in den zweiten Teil. Glaubt man der Legende, so wurde Wilhelm August Jurek beim Ausfertigen der Urlaubsscheine zu seinem unvergessenen "Deutschmeister-Regimentsmarsch" inspiriert. Der Gleichtakt beim Abstempeln der Scheine soll 1893 die Idee zur Musik und der aufgedruckte Spruch gleich noch den Text geliefert haben: "Mir san vom k. und k. Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nummero vier".

Nahtlos übernahm die Stadtkapelle mit Tylman Susato "Die Danserye", eine pittoreske Suite instrumentaler Tänze von 1551, zeitgenössisch arrangiert für Blasorchester. An die Ufer des Mississippi führte das nächste Stück. Mit der "Huckleberry Finn Suite" von Franco Cesarini präsentierten die rund 60 Musiker klingende Literatur in vier Szenen. Nach "A Lazy Town" war das Leben der fiktiven Stadt St. Petersburg überaus heiter, während der nächste Satz "Jim" melancholisch die Unmenschlichkeit des Sklavendaseins zum Ausdruck brachte. Allerdings fand die Komposition durch "The King and the Duke" und "Huckleberry's Rag" rasch wieder zur Unbekümmertheit am "Old Man River" zurück.

Schaurige Unterhaltung versprach der Orchesterleiter zur Filmmusik "Fluch der Karibik - Am Ende der Welt" aus der Feder von Hollywood-Komponist Hans Zimmer. Mit viel Witz und süffisanten Wortspielen sorgte Michael Kummer für eine brillante Moderation. Zum Verständnis der einzelnen Kompositionen lieferte er obendrein amüsante und wissenswerte Hintergründe.

Danach ging es mit einem Werk des österreichischen Filmmusikers Otto M. Schwarz und Jules Verne in "In 80 Tagen um die Welt". Hornist Markus Burlefinger hatte zur Reise von Phileas Fogg und seinem Diener Passepartout eine überaus ansprechende Filmanimation entwickelt. Im Stil der Kinematografie wurden Foggs Stationen in London, Paris und Rom, in Arabien, Amerika, Japan und Indien synchron zur Musik als bewegte Bilder projiziert, ein Genuss für die Augen und die Ohren. "Evening at Pops", ein Medley bekannter Hollywood-Melodien von John Williams, dem berühmtesten aller Filmkomponisten, mündete schließlich in ein würdiges Finale.

Bleiben noch die Zugaben. Auch hier überließ Dirigent Michael Kummer nichts dem Zufall. Die populäre Titelmelodie zur britischen Krimi-Klassiker-Reihe mit Margaret Rutherford kam auch ohne das im Original themenbestimmende Cembalo bestens an. Mit dem "Miss Marple Theme" und dem Marsch der belgischen Fallschirmjäger ging ein vorzügliches symphonisches Blasmusikkonzert nur viel zu schnell zu Ende.

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