Spitzen-Jazz aus New York und Paris

Das „Blue Note Quintett“brillierte im „Le Pirate“ in Rosenheim. Friedrich

Rosenheim – Rasante Rhythmusarbeit von den Drums und vom Kontrabass, dazu knackige Bläsereinsätze und ein Pianist mit förmlich schwebenden Tastenläufen – das „Blue Note Quintett“ gab sich im Rosenheimer Club „Le Pirate“ die Ehre und brillierte über satte zweieinhalb Stunden.

Schlagzeuger Bernd Reiter, seines Zeichens einer der „Stamm-Musiker“ des Clubs, tourt gerade mit seinen Kollegen aus Paris und New York und stellte abermals den Kontakt her, sehr zur Freude der zahlreichen Gäste. Die Band ging von Beginn an in die Vollen. Schon die „Little Melody“ von Jackie MacLean erwies sich doch als größere Angelegenheit, mit einer Übergabe feinster Soli von Saxofonist Dimitry Baevsky an Startrompeter Joe Magnarelli, und wie oft im „Aufwärmstück“ ging der Ball reihum an die Mitstreiter. In „Christalline“, einer Komposition von Pianist Jeb Patton, demonstrierte Magnarelli seine hohe Kunst an der Trompete mit sämtlichen Facetten und feinen Phrasierungen. Magnarelli ist einer der großen Jazztrompeter, er konzertierte unter anderem mit Lionel Hampton und Aretha Franklin.

Jeb Patton kredenzte am Piano träumerische Passagen in der „Ballad for Leadership Suite“. Über 20 Jahre spielte er mit Jimmy Heath, einer Musiker- und Komponistenlegende des Jazz im Umfeld von Dizzy Gillespie und Miles Davis.

Die starken Kontraste von Nummern im explosiven Up-Tempo und den akustischen Streicheleinheiten schmachtender Balladen prägten mit einer abwechslungsreichen Choreografie das hochklassige Konzert. Präzise Einsätze der Solisten und die Spannung zwischen Individualleistung und Harmonie im Ensemble – alles passte auf den Punkt.

Längst waren Publikum und Band in einem „Flow“, doch die Musiker setzten immer noch eins drauf, wie Magnarelli mit feinen Sequenzen am edlen Flügelhorn, auf die Baevsky und Magnarelli unisono unglaubliche, überfallartige Bläserattacken im Hardbop-Stil folgen ließen („Children got written“), unterstützt vom verlässlichen Fabien Marcoz am Bass und einem energetischen und stets variierenden Reiter an den Drums.

Der zweite Set bestand erneut aus einem einzigen Höhepunkt: Das komplexe „Conception“ (Komp. George Shearing) versetzte die Hörer ebenso in Begeisterung wie der von Jeb Patton adaptierte Standard „Minority“. Und ein Highlight der Jazzgeschichte hatte sich die Band für Durchgang zwei noch aufgehoben: „Round Midnight“ aus der Feder von Thelonious Monk und verewigt auf dem Plattenlabel „Blue Note“ – dem Namengeber der Band – erklang wunderbar versonnen und melancholisch.

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