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Ausstellung

Spiralförmige Gedanken zu irren Bildern: Die seltsamen Tierwelten der Magdalena Wolf

Lineare Gedanken entspringen diesem Kopf, aus dem sich gerade eine Taube befreit.
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Lineare Gedanken entspringen diesem Kopf, aus dem sich gerade eine Taube befreit.

Noch bis 18. September zeigt das Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern eine Ausstellung mit Arbeiten der Rimstinger Illustratorin Magdalena Wolf. „Kuriose Tiergeschichten“ dominieren Wolfs Werkschau. Ihre Bilder steigert die Künstlerin gerne hinein bis ins Skurrile und Groteske.

Seeon – „Du“, hört Magdalena Wolf von ihrem Mitbewohner, als sie auf dem Balkon sitzt und raucht, „ich glaube, Hühner verlieren am Anfang ihres Lebens etwas und nun suchen sie es jeden Tag aufs Neue. Sieh sie dir an, wie sie scharren und picken und laufen und suchen.“ Bei den Menschen, sagt der Freund noch, sei das genauso.

Magdalena Wolf.

„Kuriose Tiergeschichten“ dominieren Wolfs feine kleine Seeoner Werkschau. Begleitet und/oder angeregt von klitzekleinen, meist ein wenig hintergründigen Texten. Alle ihre Viecher haben Namen. Selma darf ihr Salamander heißen, ihr Eisvogel, der so gerne Bonsai züchtet, Erwin und ihr Tiger Tillmann. Mit ihm müsse man vorsichtig sein, denn er habe „Augen wie Nachtsichtgeräte. Und seine Tatzen sind weich und leise.“

Von kurios bis grotesk

Kurioses steigert die phantasiebegabte Zoo-Erfinderin gerne ins Groteske, ins Skurrile. Selten bleibt sie als Tierbändigerin in der Fauna und Flora, die uns umgibt. Die aber bringt sie auf ihren durchwegs mit agilen Menschen bevölkerten Erzählbildern zur Sprache. Großenteils werden sie für die noch wenig bekannte Kunden-Zeitschrift „Chiemgaudi“ kreiert. Die meist ganzseitigen Wolf-Szenen fallen weniger witzig als eher beschaulich aus, auch wenn sie in den oft eingestreuten verbalen Kommentaren lustig sind.

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Auch ein blindes Huhn findet ein Körnchen, wenn es nur beharrlich sucht.

Die aufwendig und bei starker Mithilfe von Magdalena Wolf gestaltete Gratis-Zeitschrift kommt alle Vierteljahre in einer 10 000er Auflage aus Prien am Chiemsee. Wie die Illustratorin selbst, die dort 1985 geboren wurde und aufwuchs. 2004 machte sie an der Freien Waldorfschule Chiemgau das Abitur, bereiste in den Folgejährchen die weite Ferne, sogar Australien und Indonesien, bevor sie 2008 für drei Jahre in München Kommunikationsdesign studierte. Vier arbeitsreiche Wiener Jahre als Grafikdesignerin mit ersten Ausstellungserfolgen und Fortbildungskursbesuchen hatte sie 2017 hinter sich gebracht, um dann wieder in die alte Heimat zurückzukehren und hier freiberuflich tätig zu sein.

Wildhund und Wal fehlen

Schade, so ist einem Besucher-Eintrag ins Seeoner Gästebuch zu entnehmen, dass auf den zehn Karten, die der Museums-Shop in einem Mäppchen anbietet, die doch zu den Bildern so gut passenden Geschichten fehlen. Vergeblich suchten ein paar interessierte Kinder (die doch, wie man weiß, im allgemeinen erfinderisch sind) die im Ausstellungs-Titel genannten Tiere: Wildhund und den Wal. Einem Buben gefiel Wolfs Salamander, der leicht zu finden ist, deshalb so sehr, weil er nicht wie der echte gelb-schwarz, sondern blau mit roten Tupfen auf dem Rücken und Glupschaugen auf weißem Papier kriecht. Eben typisch Magdalena Wolf. Bei ihr dreht sich alles wie eine Spirale. Dynamisch und doch ruhig grundiert.

Die ganze Magdalena Wolf lernt kennen, wer in der Seeoner Ausstellung ihre „Nachrichten aus dem Alltag“ unter der listig das Gestelzte anprangernden Fragestellung „Wie ist das werte Befinden?“ nicht übersieht. Treffliches Exempel dieser Serie: der Titel „Lineare Gedanken“. Auch die entspringen Magdalenas Kopf, nicht nur spiralförmige. Die linearen, so die Künstlerin, „fangen bei A an und hören bei B auf. Am Anfang steht eine Überlegung. Am Ende eine Lösung. Angenehm. Wie Rechnen. Wenn man es kann.“ Meint jedenfalls Magdalena Wolf.

Bis 18. September

Die Ausstellung „Wildhund, Wal und Salamander“ zeigt das Seeoner Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern noch bis 18. September täglich von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es gibt ein einladendes Begleitprogramm. Termine unter www.kloster-seeon.de

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