Ein Spiel mit Form und Farbe: Ausstellung von Antje Tesche-Mentzen in Schloss Hartmannsberg

Wie für den Schlosspark gemacht: Die Bronzefigut scheint büer dem See zu schweben.
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Wie für den Schlosspark gemacht: Die Bronzefigut scheint büer dem See zu schweben.

„Kunst ist für mich nicht nur ein Spiel von Form und Farbe“, sagt Antje Tesche-Mentzen. Ihre Kunst zu beschreiben ist schwierig, denn weder hat sie ein favorisiertes Stilmittel – sie malt mit Tusche, Acryl, Bleistift, Öl und arbeitet mit Glas, Keramik und Bronze –, noch lässt sich ihre Kunst genau verorten. Eine Ausstellung in Schloss Hartmannsberg bei Bad Endorf erlaubt noch bis zum 2. August, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

von Elisabeth Kirchner

Bad Endorf – Für die Bildhauerin und Malerin ist Kunst „eine Mischung aus Geist und Handwerk.“ Ihre Motive kreisen um die Themen Musik, Natur, Frau und Mythos.

Auf Schloss Hartmannsberg haben ihre vielfältigen Ouevres Raum und Platz gefunden, hier können sie atmen – anders als in ihrem Hafendorfer Atelier, wo sich die Gemälde und Skulpturen auf engem Raum drängen („Wie an der Bushaltestelle“, sagt Antje Tesche-Mentzen). Und so stehen Gaia, die Königin der Nacht, die Hoffnung, die Maternita und viele andere Bronze-Figuren übermanns- oder besser gesagt überfraugroß im Park und erzählen jeweils ihre Geschichte.

Da ist Gaia, die Mutter der Erde. In ihrem Schoß sind die Kulturen der Welt zuhause: archaische Frauengestalten, Gesichter im Stil der Büsten der alten Griechen und früher asiatischer Kulturen, eine ägyptische Gottheit mit Kuhhörnern, eine Madonna mit Kind. Dort steht die Königin der Nacht, inspiriert von Wolfgang Amadeus Mozart, in strahlendem blauen Gewand und mit dem Mond über dem goldenen Gesicht und dort steht Lilith, die auch im Schloss auf einem Gemälde verewigt ist.

Ein Hauchvon Jugendstil

Sie stehen im Park, als wären sie schon immer da gewesen, und je nach Wetterlage glänzen sie oder glimmen mystisch-dunkel. Würdevoll, gegenständlich, ornamentenreich, ein Hauch von Jugendstil, wimpernumkränzte Augen – wer sich in die Gesichter vertieft, kann vieldeutige Details entdecken.

Im Schloss selbst gibt es noch viel mehr zu sehen. Tuschezeichnungen in den Gängen illustrieren die Reiselust der Künstlerin, ihre Eindrücke aus Venedig, Rom, Florenz, Granada, Israel, China und anderen asiatischen Ländern stimmungsvoll in Schwarz-weiß festgehalten. Vom Kleinformatigen zu Üppigem ist man versucht zu sagen, wenn man die einzelnen Schlossräume auf sich wirken lässt.

Miteinander verwoben

In ihren Gemälden vereinigt Tesche-Mentzen Narrative, die über die bloße Malerei hinausreichen, erzählen sie doch von Musik und Lyrik, von Sagen, Mythen und Götterepen, allesamt miteinander verwoben und verschlungen – thematisch wie gestalterisch. Lilith, die mythische Mondgöttin mit Flügeln aus der sumerischen Mythologie, die auch in Goethes Faust erwähnt wird, und die schon als Bronze unter den Bäumen im Park steht, ist hier in einem funkelnden Bild festgehalten, entstanden aus der Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Hiller. „Das Lied von der Erde“ ist nicht nur ein Gemälde, das Berge, Wasser, Bäume und Himmel farblich-harmonisch aufeinander abgestimmt zeigt, sondern das ist auch 1:1 Mahlers symphonischer Liederzyklus.

Inspiriert durhc Musiker und Dichter

Auch dem Dichter Rilke widmet sich die Malerin und Bildhauerin: Seine Verse des venezianischen Morgens schmiegen sich in einer frühen Bleistiftzeichnung Tesche-Mentzens in die Fenster von San Giorgio Maggiore, „fürstlich verwöhnte Zimmer, Opale und … Spiegelbilder…“ Das Hellblau eines Opals vor Augen ist der Betrachter bass erstaunt im nächsten Raum, setzt sich hier doch die Farbe hellblau dominant fort. Vor einer Stuckwand, in Hellblau sind hier Wellen angedeutet, hängt „Wasserspiegelung“. Das große Acrylbild fängt die Reflexionen der mediterran-gelben und grünen Häuserfassaden auf der Wasseroberfläche ein. Auch wenn der Betrachter nur die Spiegelungen auf dem hellblau-changierenden Wasser sieht, wähnt man sich am Canale Grande stehend.

FiligraneGlaskunst

Ein Schmuckstück ist auch der Raum mit Seeblick: Hier spiegelt sich im Licht, das durch die großformatigen Fenster von drei Seiten hereinfließt, filigrane Glaskunst. Der weibliche Torso, nach unten hin immer intensiver blau, zeigt ausdrucksstark die Schönheit des weiblichen Körpers. Die „Wasserspiegelung“ wird voll ihrem Namen gerecht und wie in einem Aquarium tummeln sich da orange- und grün-flirrende Streifen. Da ist das Blau, das für das Element des Lebens steht. Das schwarz-graue Etwas dazwischen, ist es ein Fisch oder doch ein Gesicht? Auch wenn es sich nicht eindeutig ausmachen lässt, der transparente und farblich angefüllte Quader zieht die Blicke an.

Genauso vielseitig wie ihre Werke und ihre Arbeitsmaterialien ist auch die Künstlerin selbst. Die ausgebildete Balletttänzerin, Sängerin und Pianistin hat schon in Brüssel, Paris, Venedig, Florenz, New York und Peking ausgestellt. Im vergangenen Jahr bestritt sie mit ihren Arbeiten die Skulpturenausstellung in Ansbach.

Nun hat sie nach 30-jährigem Schaffen in Hafendorf einen würdigen Ausstellungsort in der Region – endlich, ist man versucht zu sagen. Ein Besuch der Ausstellung lohnt: Kunst in Form und Farbe, verwoben mit der Schönheit von Park und Schloss Hartmannsdorf.

Die Ausstellung läuft noch bis 2. August, freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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