Siegfried & Roy: Ein magisches Leben aus Rosenheim wird 80 Jahre alt

Siegfried und Roy mit weißem Tiger
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Das Magier-Duo wurde durch seine spektakulären Zauber-Shows berühmt.
  • Klaus Kuhn
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Rosenheim/Las Vegas – Aus einem Rosenheimer Scherbenviertel in die Glitzerwelt von Las Vegas, aus Armut zu Reichtum, vom Niemand zum Weltstar - Siegfried Fischbacher, die blonde Hälfte des berühmten Magier-Duos Siegfried & Roy, feiert 80. Geburtstag.

Von der Rosenheimer Kastenau nach Las Vegas, von der einstigen Kleinhäuslersiedlung, die von der Stadt durch die Bahnlinie getrennt ist, in die glitzernde Spieler-Metropole, die aus dem Wüstenboden von Nevada gestampft wurde – größer könnten die Unterschiede nicht sein.

Der kleine Siegfried (rechts) zusammen mit seiner Mutter, Bruder Marinus und Schwester Margot.

Diesen Weg hat Siegfried Fischbacher genommen – aus einer Kindheit in bitterer Armut in die schillernde Welt des US-amerikanischen Showbusiness. Heute feiert der gebürtige Rosenheimer, der an der Seite seines Partners Roy Horn als „Siegfried & Roy“ zum berühmtesten Magierduo der Welt aufstieg, seinen 80. Geburtstag.

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Geboren 1939, wächst Siegfried Fischbacher in der Kastenau in ärmlichen Verhältnissen auf, die von der Not der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt sind. In seiner 1992 erschienenen Autobiografie schildert Siegfried Fischbacher anschaulich, wie beengt das Leben damals war – materiell ebenso wie seelisch. Der Vater ist wegen der Erlebnisse im Krieg und in russischer Gefangenschaft zum Alkoholiker geworden, die Mutter so mit dem Existenzkampf beschäftigt, dass kein Raum für emotionale Wärme und Nähe bleibt.

Siegfried Fischbacher (vorne rechts) begleitet als Ministrant eine Prozession durch Rosenheim.

Als Achtjährigen fällt ihm auf dem Weg von der Schule nach Hause in einem Schaufenster ein Buch auf, das Zaubertricks beschreibt – ein Zufall, der Siegfrieds Leben für immer verändern soll. Doch die fünf Mark, die das Buch kostet, sind für den Buben unerschwinglich, und die Mutter will ihm das Objekt seiner Sehnsucht nicht kaufen. Was dann geschieht, nennt Fischbacher in seiner Autobiografie sein „vielleicht erstes wirklich magisches Erlebnis“: Er findet im Rinnstein vor der Buchhandlung ein Fünf-Mark-Stück – und kauft sich mit schlechtem Gewissen tatsächlich das Buch.

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Zauberei verschafft ihm Anerkennung

Siegfried verschlingt die Anleitung, trainiert, übt die Kunststücke immer wieder – und bekommt, als er im Freundes- und Bekanntenkreis seine Tricks zeigt, was er daheim nicht erhält: Anerkennung und Bewunderung. Überhaupt: Den Buben zieht es zur Bühne. Er tritt im Kolpingsaal bei Theaterstücken mit der Kastenauer Pfarrjugend auf und als Komiker. Mit dem Fahrrad seines Vaters fährt er nach München, weil er gehört hat, dass es dort einen Zauberladen gibt.

Der Beginn einer großen Karriere:Roy Horn und Siegfried Fischbacher mit ihrem Geparden Chico.

Mit 14 beginnt er eine Lehre als Weber in der Teppichweberei Weinberger und entwirft, künstlerisch begabt, bald Teppichmuster. Doch der Beruf füllt den jungen Mann nicht aus, er fühlt sich in Rosenheim von Freunden und Familie unverstanden. Er muss aus den engen Verhältnissen raus, geht an den Gardasee, arbeitet dort als Kellner und Barkeeper in einem Hotel, später in der Schweiz – und immer unterhält er im kleinen Kreis mit Zaubereien. Schließlich heuert er als Steward auf dem Luxusliner MS Berlin an. Als der Kapitän von seinem Talent erfährt, darf er auf die Bühne – und weil die Passagiere begeistert sind, engagiert er Siegfried für die nächste Fahrt als Zauberkünstler.

Umjubelter Auftritt:Tausende begeisterter Fans säumen 1992 die Rosenheimer Bahnhofstraße, als die beiden Zauberkünstler in der offenen Limousine zur Präsentation ihrer Autobiografie anfahren.

Es ist ein Wendepunkt in Fischbachers Leben – sein Kindheitstraum ist wahr geworden: Vor Publikum als Zauberkünstler aufzutreten. Sein Engagement ist aber noch aus einem anderen Grund ein Wendepunkt: Er trifft an Bord einen anderen Steward, den Tierliebhaber Roy Horn – und der bringt ihn auf die Idee, nicht Kaninchen und Tauben verschwinden zu lassen, sondern einen ausgewachsenen Geparden. Zufälligerweise hat Horn ein solches Tier. Damit haben die Zaubervorführungen ein Element, das sie einzigartig und unverwechselbar macht – es ist die Geburtsstunde des Duos Siegfried und Roy.

Weiße Tiger sind ihr Markenzeichen

Nach einer Galavorstellung beim Fürstenpaar Rainier und Gracia Patricia 1966 in Monaco wird das Duo international berühmt. Der Erfolg wird immer größer. Sie bauen Tiger, Panther und Löwen in ihre Vorführungen ein und haben damit in den USA riesigen Erfolg. Als erste Magier erhalten sie in Las Vegas eine abendfüllende Show, zunächst im Stardust-Casino, später im Mirage-Hotel. 1988 handeln sie den bis dahin größten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus. Mit ihrer Show treten sie allabendlich im Mirage auf. Ihre weißen Tiger werden zu ihrem Markenzeichen.

Siegfried Fischbacher,wie er sich selbst gerne in Szene setzt. Eine Raubkatze darf da nicht fehlen. re

Im Oktober 2003 nimmt die Traumkarriere ein jähes Ende, als Horn von dem weißen Tiger Mantecore angefallen und lebensgefährlich verletzt wird, vor den Augen von mehr als 1500 entsetzten Zuschauern. Der aus Nordenham bei Bremen stammende Horn überlebt schwer verletzt, ist seither halbseitig gelähmt. Fischbacher ist ihm Betreuer und Stütze. Die beiden leben zurückgezogen auf ihrem Luxusanwesen in Las Vegas.

Immer wieder besuchen sie Bayern. Vor Kurzem waren sie wochenlang im Land, Horn unterzog sich in einer Tegernseer Klinik einer Stammzelltherapie mit Eigenblut. Doch dann muss Siegfried Fischbacher selbst ins Krankenhaus. Mitte Mai wird er nach Verdacht auf Herzinfarkt operiert. Nachdem ein Stent eingesetzt wurde, geht es ihm schnell wieder besser.

Die Verbindung zu Rosenheim hat Fischbacher nie abreißen lassen. Nicht nur, dass die Pools in seinem luxuriösen Anwesen in Las Vegas „Floriansee“ und „Happingerausee“ heißen. Er besucht seine Geburtsstadt regelmäßig, auch wenn es keine offiziellen Termine sind, schaut bei Verwandten und alten Freunden vorbei – daheim in der Kastenau.

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