Bilder von Peter Tomschiczek anlässlich seines 75. Geburtstag in der Galerie Villa Maria

Sehnsucht nach der Insel

"Eingange III/IV", Aquarell aus der Serie "Die Insel" von Peter Tomschiczek, 2014.  Foto  rf
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"Eingange III/IV", Aquarell aus der Serie "Die Insel" von Peter Tomschiczek, 2014. Foto rf

Mit Peter Tomschiczek feierte kürzlich einer der bedeutendsten lebenden Maler der Region, vielleicht sogar Deutschlands seinen 75. Geburtstag.

Die Galerie Villa Maria in seiner zweiten Heimatstadt Bad Aibling feiert den Künstler und sein Werk in einer Ausstellung mit dem Titel "Insel". Der weist auf die dritte Heimat des Künstlers hin, auf die kroatische Doppelinsel Cres-Losinj, auf der Tomschiczek seit Jahrzehnten ebenfalls lebt und arbeitet.

Geboren wurde Tomschiczek 1940 im böhmischen Iglau. Nach der Ausbildung zum Siebdrucker 1954 bis 1957 in Stuttgart und dem Besuch der Kunst- und Handwerkerschule Würzburg von 1957 bis 1958 studierte er 1958 bis1963 an der Nürnberger Kunstakademie. Seit damals arbeitet er als freischaffender Maler. Seit 2002 ist er auch Dozent an der Kunstakademie Bad Reichenhall und seit 2014 an der neuen Akademie der Bildenden Künste in Kolbermoor.

Die Ausstellung und Peter Tomschiczek überraschen, denn der Besucher, der die Kunst Tomschiczeks zu kennen meint, sieht mehr und anderes, als er erwartet. Er erwartet Bilder von archaischer Wucht und vitaler Kraft mit großen Formen und sperrigen Konstruktionen, mit flächigen Farben, der Sand oder Asche beigemischt sind. Auch die sieht er in der Galerie Villa Maria. Im Bild zeichnen sich dabei oftmals übermalt, Papier, oder Wellpappe, aber auch Federn und Knochen von Vögeln oder Skelettteile von Echsen und Fröschen ab. Es sind Tomschiczeks verdichteten Formen der Natur. Es ist nicht nur die Essenz der Landschaft, sondern die Essenz des Lebens, die der Künstler in abstrakter, expressiver Weise auf Bildern bannt. In dem großen Formaten der Serie "Bilder vom Meer" nimmt dunkles Blau auf hellem Hintergrund den größten Teil des Bildraums ein. In kleinen Formaten bereits aus dem Jahr 1998 erinnert Tomschiczek an seine Serie "Nature Morte", in dem er eine skelettierte Echse und einen Feuersalamander mit Blau überdeckt und ins Bild einfügt. Auch einige neuere Bilder der Serie "Gatterweg" sind zu sehen, bei denen die Farbe Türkis dominiert, die an der Natur der Insel erinnert. Formen des Gebirges, Felsen glaubt man in kleinen Aquatintaradierungen zu erkennen. Als roter Farbtupfer hat außer der Reihe auch ein Bild der Serie "Obervolta" Eingang in die Ausstellung gefunden. All das sind manifestierte Erinnerungen an die Natur, an Landschaften, Meer, Tiere, Pflanzen.

"Tomschiczeks Abstraktion bedeutet keine Loslösung von der Natur. Sie ist Verwandlung und Verdichtung.", sagte zu Tomschiczeks Kunst sein Freund, der Lyriker Rainer Malkowski. In gleicher Vorgehensweise malt übrigens Tomschiczeks Rosenheimer Malerkollege Fried Stammberger, dem anlässlich dessen 75. Geburtstag der Rosenheimer Kunstverein in seinen Räumen in Rosenheim eine Ausstellung widmet (wir berichteten). Stammbergers Verdichtungen und Anverwandlungen der Natur werden allerdings zu freundlich-farbigen impressionistischen Abstraktionen.

Besonders, wer Tomschiczeks Impulsgeber für seine Bilder, die Doppelinsel Cres-Losinj kennt, mit ihren Buchten und Bergen, mit dem karstigen Gelände auf Cres und der etwas lieblicheren Landschaft auf Losinj, dem offenbaren sich Tomschiczeks Bilder als Erinnerungen an Reales. Doch diesmal belässt es der Maler nicht dabei. Als überraschende Zugabe darf sich der Besucher noch an weitaus erkennbarere Erinnerungen erfreuen, denn in einer neuen Serie "Die Insel" hat er lichte, luftige, ja heitere Aquarelle in freundlichen Farben geschaffen, die in abstrahierter Weise Eingänge zeigen. Auch das ist diese Insel, nicht nur ein karger, von den Gewalten der Natur bestimmter Ort, sondern auch ein freundlicher, liebenswerter Platz, an dem nicht nur der Maler gerne lebt. Tomschiczeks Eingänge heißen den Besucher willkommen. Sie wecken wie die "Bilder vom Meer" Sehnsucht, Tomschiczeks Insel wieder zu sehen.

Geöffnet ist die Ausstellung in der Galerie Villa Maria in Bad Aibling, Rosenheimer Straße 43 noch bis 1. März samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 08061/92770.

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