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Yaara Tal und Andreas Groethuysen:

Schwermut und Jammergeächz von einem weltberühmten Klavierduo in Wasserburg

Hingebungsvoll konzentriert spielten Yaara Tal und Andreas Groethuysen an einem Flügel.
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Hingebungsvoll konzentriert spielten Yaara Tal und Andreas Groethuysen an einem Flügel.

Als absoluten Glücksfall bezeichnete Klaus Kaufmann, „Intendant“ des Wasserburger Klaviersommers, den Auftritt des weltberühmten Klavierduos Yaara Tal/Andreas Groethuysen. Er hätte ruhig sagen können: eine Sensation.

Wasserburg – In seiner pointierten Anmoderation verkündete Groethuysen, dass die drei Fantasien vor der Pause, die alle in f-Moll stehen, ohne Applausunterbrechung gespielt würden, dass sie alle eine rhythmische Verwandtschaft hätten und dass die Fantasie von Carl Czerny trotz der Moll-Tonart recht unbekümmert sei, während Schubert in seiner Fantasie immer „mit einem Bein am Abgrund“ stehe.

In der Tat waren diese 45 Minuten ein Schwelgen in F-Moll, dieser Tonart, der Christian Friedrich Daniel Schubart in seiner Tonarten-Charakteristik „tiefe Schwermut, Leichenklage, Jammer-Geächz, und grabverlangende Sehnsucht“ attestiert. Mozarts Fantasie KV 608 begann das Klavierduo umstandslos forsch, die Punktierungen resolut markierend, alles un-elegisch als ein Ausbruch wild-dämonischer Energie, was manche Mozartfreunde irritierte, die von ihrem „Götterliebling“ träumten, das As-Dur-Andante im Mittelteil öffnete spirituelle Tiefen.

Über 1000 Kompositionen

Die Fantasie von Carl Czerny, diesem so flinken Komponisten mit über 1000 Kompositionen, wirkte in dieser Umgebung wirklich unbekümmerter in ihrer rauschenden Virtuosität, bei der man das symbiotische Zusammenspiel der beiden Pianist(inn)en bewundern konnte.

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Mit Schuberts Fantasie D 940 gelangte man wirklich tief in das „Jammer-Geächz“ und in die „grabverlangende Sehnsucht“, abgrundtief-schwermütige Musik, allerdings in glänzend-virtuosem Gewand. In zauberhafte Welten entführte dafür das Klavierduo im lichten Fis-Moll-Andante, realisierte im Scherzo aufs Beste die schnellen Umschläge von der auftrumpfenden Verzweiflung ins unheimlich Delikat-Zartglitzernde und führte dann Schuberts Kunst der Polyphonie in symphonisch vollgriffigen Schlussteil vor „als ein Mittel, übermächtige Gewalten darzustellen“, wie Werner Oehlmann in einer Interpretation dieser Fantasie schreibt. Die Pause danach brauchte man.

Spiel um ein Kinderlied

Von Mozart inspiriert ist das „Spiel um ein Kinderlied“ des Pianisten Walter Gieseking aus dem Jahre 1948, das ein Kinderweihnachtslied variiert, nämlich „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Akkordisch preziöse, impressionistisch angehauchte Klaviermusik, wie Mozart in Debussy-Tinte getaucht, vom Klavierduo vergnüglich wie mit dem Silberstift gezeichnet.

Mit großer Sturmlust

Auch in Mozarts F-Dur-Sonate KV 497 verheißt die Dur-Tonart nicht eitel Sonnenschein. Das machte das Klavierduo mit Bravour klar: Nur hintupfendes Spiel war hier ihre Sache nicht, den Bösendorfer schonten sie nicht und wollten keinen Gedanken an Sentiment aufkommen lassen. Durch den Fingersatz-Parkour des höchst schwierigen Allegro-Finales stürmten Yaara Tal und Andreas Groethuysen mit so viel Sturmlust, dass die Zuhörer am Ende in großen Jubel ausbrachen. Mehrere Zugaben waren die Antwort, darunter das ergreifend gespielte „Abendlied“ von Robert Schumann.

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