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Auftritt schon lange ausverkauft

Hoher Besuch aus Paris: Notre-Dame-Organist Olivier Latry gibt ein Konzert in Kolbermoor

Im eleganten schwarzen Anzug spielte Olivier Latry an der „weißen Königin“.
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Im eleganten schwarzen Anzug spielte Olivier Latry an der „weißen Königin“.
  • VonRainer W. Janka
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Zu einem Meisterkonzert kam Olivier Latry, Titularorganist an der Kathedrale Notre Dame in Paris und Professor am Pariser Konservatorium, nach Kolbermoor. Und er begeisterte sein Publikum farben- und fantasiereicher französischer Orgelmusik, aber auch mit Bach.

Kolbermoor - Ungewöhnlich ist es, dass ein Orgelkonzert schon Wochen vorher restlos ausverkauft ist. Gelungen ist dies Gerhard Franke, Kirchenmusiker an der Kirche Wiederkunft Christi, im Rahmen seiner monatlichen Reihe „Orgelmittwoch“ mit einem jährlichen Meisterkonzert dazwischen. Zu einem Super-Meisterkonzert kam jetzt Olivier Latry, Titularorganist an der Kathedrale Notre Dame in Paris und Professor am Pariser Konservatorium – allerdings nicht an die „rote Königin“, die Frenger-&-Eder-Orgel in Wiederkunft Christi, sondern an die jüngst vollkommen renovierte und für ihren romantisch-warmen Klang bekannte Orgel in der Dreifaltigkeits-Kirche, die wegen ihrer Farbe die „weiße Königin “ genannt wird.

Latry brachte meist nur französische Orgelmusik mit, begann und endete aber mit Bach: Die Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537 begann er bedeutungsschwer sinnend und gemessen den 6/4-Takt ausschreitend: sehr nachdenklich deutsch und weniger leichtherzig französisch. Die Fuge kam dann heller registriert und vorantreibend bewegt, deutlich hörte man, wie die sich chromatisch hinaufschraubende Quart alles beherrscht. Für den hemmungslos begeisterten Schluss-Applaus bedankte sich Lattry mit der spritzig gespielten Sinfonia aus Bachs „Ratswahlkantate“ in der Bearbeitung von Marcel Dupré. Franz Liszt hat das Ave Maria von Arcadelt für Orgel bearbeitet. Latry spielte es sanft wie einen leisen Vogelruf und blieb konstant im fast devoten Gebets-Gestus.

Dann also gab’s französische Orgelmusik, die farben- und formal fantasiereicher als die deutsche ist und mehr auf Klang als auf Struktur setzt. Geradezu stürmisch begann Latry den Choral Nr. 3 von César Franck (1822-1890) und brachte im weiteren Verlauf die „weiße Königin“ – auch mit häufigem Einsatz des Schwellwerks - zum Leuchten, Aufblühen, Glänzen und Glitzern, er schien den warmen Wohlklang dieser Orgel zu genießen. Von Louis Vierne (1870-1937), dem fast blinden Vorgänger Latrys in Notre Dame, kame zwei Stücke, aus seinen „Pièces en style libre“: Die „Legende“ begann Latry geheimnisvoll raunend wie ein orgelhaftes

„Es war einmal“ und zauberte dann exquisite Klangkombinationen, während das „Scherzetto“ richtig graziös-ballettös wirkte. Ausschweifend fantasievoll ist die Zweite Fantasie von Jehan Alain (1911-1940), die Latry quirlig-schillernd präsentierte, wobei er zwischendurch kurze Klangballungen mit vollem Werk in die Kirche wuchtete.

Geradezu schwimmenden Klang produzierte der Organist dann in „Cortège et Litanie“ von Marcel Dupré (1886-1971). Zum Schluss lieferte Latry eine freie Improvisation über den Choral „Nun danket alle Gott“: Hier zog er buchstäblich alle Register – man konnte es auf der im Chorraum aufgestellten Leinwand sehen. Mit wirbelnden Fingern verquirlte er die Melodie und tauchte sie in immer neue Register-Farben. Spätestens hier konnte man die staunend machende Virtuosität und das behände Fingerspiel von Olivier Latry bewundern. Orgeltosend brandete daraufhin der Applaus der bis dahin gebannt lauschenden Zuhörern auf, die auch vorher viel Zwischenapplaus gegeben hatten.

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