Schlosskonzert in Neubeuern: Beglückende Leidenschaft

Ein perfekt aufeinander abgestimmtes harmonisches Duo: Cellistin Raphaela Gromes und Pianist Julian Riem.
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Ein perfekt aufeinander abgestimmtes harmonisches Duo: Cellistin Raphaela Gromes und Pianist Julian Riem.

„Wir freuen uns sehr, dass wir heute für Sie spielen dürfen“. Mit diesen Worten begrüßte Pianist Julian Riem die Konzertbesucher auf Schloss Neubeuern. Dass auch in Corona-Zeiten die hochkarätige Kammermusikreihe fortgesetzt wird, ist nicht selbstverständlich.

Von Georg Füchtner

Neubeuern

Das dankbare Publikum durfte Raphaela Gromes (Violoncello) und Julian Riem (Klavier) um 17 Uhr und noch einmal um 20 Uhr mit Werken von Richard Strauss, Johannes Brahms und Jacques Offenbach hören.

„Für Musiker ist es ein Glück, wenn er auf ein Werk stößt, das bisher als verschollen galt“, erklärte Riem. Auf die Sonate für Violoncello und Klavier in F-Dur von Richard Strauss, ein schwelgerisches Werk des erst 16-jährigen Komponisten, hätten sie sich gleich „gestürzt“. Das Publikum erlebte gleichsam eine Uraufführung, denn vor Corona haben Gromes und Riem die Sonate erst ein einziges Mal in der Öffentlichkeit gespielt.

Gromes und Riem interpretierten das Allegro con brio mit einer beglückenden Leidenschaft und Ausdruckskraft. Beide sind hervorragend aufeinander abgestimmt, nehmen jede Geste des Partners auf, als spielten sie nur ein einziges Instrument.

Mit traumwandlerischer Leichtigkeit vollführten Cello und Klavier einen mal ruhigen, mal energischen musikalischen Dialog. Geschmeidig-weich, ernst und sonor klang das Cello im Andante ma non troppo, das durch getragene choralartige Themen berührte und nur selten von eruptiven Einschüben des Klaviers gebrochen wurde.

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Ungestüme Frische verströmte das Finale. Da perlten und funkelten die Klaviertöne, da tanzte der Bogen auf dem Cello, dass es eine Freude war. Gromes und Riem steigerten den rasanten Schluss zu einem packenden Hörerlebnis.

Als ein Werk der Reife bezeichnete Riem die Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 in F-Dur op. 99 von Johannes Brahms. „Das Werk – der besten Stücke überhaupt“ erklärte der Pianist, sei es bei der Uraufführung zwiespältig aufgenommen worden. Während der Kritiker Eduard Hanslick damals die Sonate überschwänglich lobte, nannte sie Hugo Wolf ein „Tohuwabohu“.

Im Allegro vivace begleitete das Klavier die charakteristischen motivischen Cellogesten mit harmonisierten Akkordtremoli. Die von Gromes leidenschaftlich gespielten, pathetischen Motive lösten sich bald in ruhige Tonfolgen auf. Das Adagio affettuoso brachten die Musiker mit fesselnder Intensität zu Gehör.

In plötzliches Fortissimo brach das Allegro passionato aus, dessen weit ausschwingender Cellogesang vom Pianisten zart und durchsichtig grundiert wurde. Nach dem melodischen und freundlichen Finale, das beide mit einem Lächeln erklingen ließen, brandete begeisterter Beifall auf.

SpürbareSpielfreude

Dass Jacques Offenbach nicht nur ein Operettenkomponist, sondern auch ein begnadeter Cellist war, erfuhren die Hörer von Raphaela Gromes. Mit spürbarer Spielfreude gab das Duo Offenbachs „Danse Bohemienne“ op. 28 zum Besten. Für das witzige Werk mit seiner farbigen Folkloristik und den virtuosen Klangeffekten erhielten die Musiker erneut viel Beifall.

Als Zugabe spielten Gromes und Riem noch den feurigen ungarischen Tanz Nr. 5 von Brahms und eine zarte Romanze von Clara Schumann, nach der man beseelt nach Hause ging.

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