Schlosskonzert mit Herbert Schuch in Neubeuern: Unterwegs im Gefühlskosmos

Vollendeten Klangzauber mit Werken von Schubert und Jancek bot Herbert Schuch im Schloss Neubeuern.
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Vollendeten Klangzauber mit Werken von Schubert und Jancek bot Herbert Schuch im Schloss Neubeuern.

Zu Herzen gehend, erschütternd, aber auch wild und originell – leidenschaftlich präsentierte Pianist Herbert Schuch beim Schlosskonzert in Neubeuern Klavierwerke von Schubert und Janacek. Einblicke in seinen Gefühlskosmos.

Von Georg Füchtner

Neubeuern – Das letzte Konzert der Saison 2019/20 im Schlosssaal von Neubeuern war gleichzeitig das erste Konzert in Zeiten von Corona. Nach monatelanger zwangsbedingter Pause fand zur großen Freude der Kammermusikliebhaber ein Klavierabend mit dem Pianisten Herbert Schuch statt. Da die Plätze im Saal aufgrund der strengen Hygienevorschriften nur begrenzt zur Verfügung standen, trat Schuch an drei Terminen mit dem gleichen Programm auf. Anstelle der ursprünglich geplanten Sonaten von Beethoven spielte der Pianist Klavierwerke von Schubert und Janacek.

Herbert Schuch eröffnete den Abend mit dem Moderato und Andantino aus Schuberts „Moments musicaux“ op. 94 D 780, dessen vollendeter Klangzauber die Hörer augenblicklich gefangen nahm.

Spielte Schuch das Moderato mit seinem marschähnlichen Beginn und den in leichtem Staccato vorbeihuschenden Klängen scharf akzentuiert, interpretierte er das Andantino mit sanftem Anschlag völlig versunken in die schwermütige Melodik und oft mit geschlossenen Augen. Es war, als lausche er den Tönen, die er langsam ausklingen ließ, immer wieder nach, als stünde er mit ihnen in gedanklicher Zwiesprache.

„Ein verwehtes Blatt“

Reizvoll und übergangslos fügte der Pianist das Andante „Ein verwehtes Blatt“ aus Janaceks Klavierzyklus „Auf verwachsenem Pfade“ ein. Im Kopf des Hörers entstanden Natur- und Landschaftsbilder, mit denen der Komponist beim Besuch des Heimatdorfes seine Jugendzeit heraufbeschwor. Zarte, schwankende Rhythmen wechselten mit einer rauhen Harmonik, die Schuch ergreifend zu Gehör brachte. Nach Schuberts lebhaftem Allegretto spielte Schuch Janaceks „Kommt mit!“, dessen origineller und überraschender Schluss Schmunzeln hervorrief.

In den vier Impromptus op. 90 D 899 lotete Schuch meisterhaft den Gefühlskosmos Schuberts aus.

Empathische Passagen

Mal energisch und kraftvoll, dann wieder sanft fließend und lyrisch zart, ertönte das Allegro molto moderato, in dem monotone Triolen eine fatalistische Stimmung erzeugten. Auf ein dahinjagendes Allegro, das an ein Perpetuum mobile erinnerte, folgte ein träumerisches, ruhig und freundlich dahinströmendes Andante mit dunkel murmelnden Achteltriolen. Die perlenden Arpeggien und emphatischen Passagen im abschließenden Allegretto interpretierte der Pianist mit Leidenschaft und Sensibilität.

Inspirierende Wechsel

Der letzte Teil des Abends war erneut gekennzeichnet durch den inspirierenden Wechsel zwischen Schubert und Janacek. Verwehte Tonfolgen kontrastierten mit unruhigen, bis zur Wildheit gesteigerten Passagen, denen Schuch stets den angemessenen Ausdruck gab. Zu Herzen ging Janaceks „Die Friedeker Muttergottes“, erschütternd war die Klage in Schuberts Allegretto, dem sechsten Stück der „Moments musicaux“, das sich zu einem gewaltigen Fortissimo-Ausbruch steigerte und feierlich leise verklang. Als Zugabe spielte Schuch noch wunderbar ernst und getragen den zweiten langsamen Satz aus Beethovens „Pathétique“.

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