Schloss Amerang: Arienparade mit singendem Dirigenten

Mit vor Liebe überströmenden Sopran besingt Selin Dagyaran den angeblichen Namen ihres Geliebten.
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Mit vor Liebe überströmenden Sopran besingt Selin Dagyaran den angeblichen Namen ihres Geliebten.

Ein Dirigent, der begeistert mitsingt, Zuhörer, die mit dem Klatschen nicht aufhören können und ausdrucksstarke Sänger – das ist Oper bei den Festspielen auf Schloss Amerang.

Von Rainer W. Janka

Amerang – Bei den Zugaben wird’s auf der Bühne von Schloss Amerang immer ausgelassener, die Opernsänger singen gemeinsam den Gefangenenchor aus „Nabucco“, dann natürlich das Trinklied aus „La Traviata“, das zur Überraschung der Zuschauer vom Dirigenten angestimmt wird, es folgen unvermeidlich „O sole mio“ und „Funiculi, funicula“ und wieder das Trinklied und immer wieder fällt der singende Dirigent ein, die Zuhörer klatschen und klatschen: Die Freude, dass die Festspiele Schloss Amerang stattfinden, scheint riesengroß zu sein.

Mit einer Italienischen Operngala begannen die Festspiele, gleich zweimal hintereinander, damit alle im Abstand sitzenden maskenbewehrten Zuhörer teilnehmen können. „Die Maske schützt unsere Kultur“, mahnte Festspielintendant und Schlossbesitzer Ortholf von Crailsheim. Es ist die übliche Arienparade, Auftritt, Singen, Abtritt, nächste Arie, (fast) alle aus italienischen Opern, alle Stimmfächer sind vertreten.

Gut sind die Frauenstimmen: Mit zarten Piano und etwas enger Höhe beginnt den Arienreigen Melis Cirpici mit „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“, ein verführerisch schönes Legato zeigt Stela Dicusara in der Arie der Musetta aus Puccinis „La Boheme“. Vor plötzlicher Liebe überströmend und überschwänglich sich verströmend besingt die erst 23-jährige Selin Dagyaran in der Arie „Caro nome“ aus Verdis „Rigoletto“ den angeblichen Namen ihres Geliebten, glaubhaft in ihrer ersten Liebesaufwallung. In der Arie „Vissi d’arte“ aus Puccinis „Tosca“ fragt sich Katarina Pilchova mit ausladenden und bisweilen ausufernd kräftigem Sopran, warum Gott sie so straft.

Disparate Leistungen

Disparater sind die Leistungen der männlichen Sänger. Ein in Amerang altbekanntes Bass-Schlachtross ist Nejat Isik Belen, der das Auftrittslied des Toreros aus „Carmen“ mit viriler Wucht ins Publikum schmetterte. Ebenso ungehemmt schmetternd, stimmstark und ausdrucksstrotzend sang Yoel Vahram Kesap mit seinem baritonal gefärbten Tenor „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“. Zum ersten Mal auf der Bühne stand der Tenor Orhun Tarlaci: Anfangs mit italienischem Schmelz, in der Höhe aber noch vor Aufregung versteift erklang seine Arie „E lucevan le stelle“ aus „Tosca“. Am besten der Männer war Jinho Seo in der Auftrittsarie des Figaro aus dem „Barbier von Sevilla“ von Rossini: So unangestrengt beweglich und agil wie sein Bariton war sein Spiel. Natürlich ist der Klang eines ganzen Opernorchesters etwas skelettiert, wenn man es auf 13 Spieler reduziert. Das machten die ausnahmslos jungen Musiker aber unter der animierten und souveränen Leitung von Waku Nakazawa wett durch Engagement, Klangschlankheit und melodische Präzision. Gut war die kichernde Begleitung des Figaro und sangen die liebedurchglühten Flöten bei der „Caro-nome“-Arie, melodisch strukturgebend bei „Nessun dorma“. Und welches Orchester verfügt schon über einen Dirigenten, der mit seinem strahlenden Operntenor gestandene Opernsänger aussticht!

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Festspiele Amerang

Sänger dieser Gala sind die Protagonisten der nächsten Opernvorstellungen auf Schloss Amerang: Verdis „Nabucco“, Mozarts „Entführung aus dem Serail“ stehen auf dem Programm, ebenso die „Zauberflöte“ am Sonntag, 25. Oktober um 13.30 Uhr. Für diese „Zauberflöte“ gibt es noch Karten, auch für beiden weihnachtlichen Operngalas am Sonntag, 29. November, um 19 Uhr und am Sonntag, 6. Dezember um 17 Uhr, im Schloss-Büro, Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr, Telefon 08075-919299, oder unter konzerte@schlossamerang.de.

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