„Scherz, List und Rache“ mit Spielfreude in Szene gesetzt

Situationskomik und heitere Melodien bei der Oper am Klavier: (von links) Doktor (Andreas Agler), Scapine (Sieglinde Zehetbauer) und ihr Ehemann Scapin (Bernhard Teufl).
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Situationskomik und heitere Melodien bei der Oper am Klavier: (von links) Doktor (Andreas Agler), Scapine (Sieglinde Zehetbauer) und ihr Ehemann Scapin (Bernhard Teufl).

Mit „Scherz, List und Rache“ hat die „Erlesene Oper“ unter der Leitung von Georg Hermansdorfer im Hans-Fischer-Saal im Künstlerhof am Ludwigsplatz in Rosenheim eine „Oper am Klavier“ auf die Bühne gebracht, die vom Premierenpublikum stürmisch bejubelt wurde.

von Georg Füchtner

Rosenheim – Die ursprünglich drei Stunden dauernde komische Oper für drei Singstimmen und Klavier, für die Johann Wolfgang von Goethe das Libretto und der blutjunge Max Bruch die Musik geschrieben hat, wurde von Ludwig Bischoff und Hermansdorfer um die Hälfte gekürzt, so dass keine Pause notwendig war.

Kurzweilig und vergnüglich

Hermansdorfer ist eine kurzweilige und vergnügliche Inszenierung gelungen. Die Handlung ist rasch erzählt: Ein skrupelloser Arzt hat die reiche Erbtante von Scapin und Scapine auf dem Sterbebett gedrängt, ihr Testament zu seinen Gunsten zu ändern. Doch das betrogene Paar sinnt auf Rache und heckt einen raffinierten Plan aus, um doch noch an das Geld zu gelangen.

Die Besetzung der Oper mit Sieglinde Zehetbauer als gerissene Scapine, Bernhard Teufl als ihrem Gatten Scapin und dem schrulligen Doktor, den Andreas Agler mit Sinn für Situationskomik verkörperte, hätte kaum passender sein können. Begleitet wurde das Trio von Gereon Kleiner am Klavier.

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Nach einer melodisch-beschwingten Ouvertüre führte Sieglinde Zehetbauer als Verkäuferin mit einem Korb Äpfel klangschön in das Geschehen ein. Scapin, der vom Doktor als Diener angestellt wurde, kennt bald alle Verstecke und informiert seine Frau über seinen listigen Plan.

„Süßer Anblick, Sinnenfreude“

Witzig war bereits das Duett zwischen Scapin und dem Doktor, der lustvoll sein Geld im Kasten zählt, raffgierig eine Münze vom Boden aufhebt und mit mächtigem Bariton: „Süßer Anblick, Sinnenfreude“ schmettert. Seine skurrile Mimik, die schwarze Brille und seine buschige Perücke, die ihm auch mal vom Kopf rutschte, sorgten beim Publikum zusätzlich für Heiterkeit. Diener Scapin fühlt sich beim Anblick seiner Frau, die beim Doktor gegen eine vorgetäuschte Krankheit Hilfe sucht, sofort besser: „Wie durch ein Wunder flieht die Pein, die Lust zum Essen stellt sich ein.“

Zu Herzen gehende Arie

Zu Herzen ging die Arie der scheinbar leidenden Scapine, als sie sich in die Obhut des ahnungslosen Doktors begibt. Nicht ohne Komik war die Szene, als sie die harmlose Medizin in die Blumen gießt und heimlich Arsen in den Becher füllt, wirkungsvoll theatralisch ihr gespieltes Stöhnen. Zu ihren gehauchten Seufzern sang Scapin berührend, aber verlogen: „Du armes junges Blut“. Scapine erpresst den verdatterten Doktor und fordert die Hälfte des Erbes.

Temporeiche Inszenierung

Geschickt arrangiert war das Bühnenbild mit den leicht verschiebbaren Wandelementen, stimmig die zeitgemäße Kostümierung, temporeich die drei Akteure, die hervorragend miteinander harmonierten. Sorgfältig und ansprechend gestaltet ist das Programmheft. Bleibt zu wünschen, dass die gelungene Inszenierung der Oper im Kammermusikformat noch viele Besucher sehen werden wird.

Vorstellung am 15. Oktober

Die nächste Vorstellung ist am Donnerstag, 15. Oktober um 19.30 Uhr in der Klosterkirche Traunstein. Kartenvorverkauf unter der Tickethotline 08652/2325 sowie www.ticketscharf.de, telefonische Reservierungen unter der Nummer 0157/30973255. Näheres a uf www.erlesene-oper.de.

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