O Schalmei, spiel mir ein Lied

Das Hafis-Denkmal in Weimar. Bereits Goethe wurde durch persische Lyrik inspiriert.
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Das Hafis-Denkmal in Weimar. Bereits Goethe wurde durch persische Lyrik inspiriert.

Baierbach – Aller guten Dinge sind drei – und so veröffentlichte der aus Riedering stammende Saxofonist und musikalische Weltenbummler Mulo Francel innerhalb weniger Monate sein drittes Album in diesem Jahr.

Vorangegangen waren die CD „Mare“ mit Quadro Nuevo in der Tradition der früheren Stücke des Weltmusik-Quartetts und „Crossing Life Lines“, mit grenzgängerischen Stücken und Musikern aus Ost- und Mitteleuropa.

Gedichte vonRumi und Hafis

Mit dem neuen Album „Zwischen Raum und Zeit“ hingegen knüpft Mulo Francel an bisherige Erfahrungen und Projekte mit dem „Orient“ an, dessen Live-Höhepunkt wohl das umjubelte Konzert „Flying Carpet“ im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum war. Eine weitere bisherige Einspielung war das Album auf der Basis des „West-Östlichen Diwans“, inspiriert durch die Beschäftigung von Johann Wolfgang von Goethe mit der islamischen Mystik in Gestalt der Lyriker Rumi und Hafis. Der Besuch des Hafis-Denkmals gehört zum guten Ton eines Kultur-Rundgangs durch das klassische Weimar – von hier sind es nur ein paar Schritte zur berühmten Anna-Amalia-Bibliothek.

Gemeinsam mit dem Sprecher Reza Ghotbi und der Schauspielerin Ulrike Kriener haben Mulo Francel mit sinnlichem Saxofon und Nicole Heartseeker mit dezenten Pianopassagen ausgewählte Gedichte von Rumi (1207 bis 1273) und Hafis (1317 bis 1390) vertont. Zeitgenössische iranische Lyrik von Sohrab Sepehri, Ahmad Shamlou und dem in Köln lebenden Huschang Ebtehadsch „Sayeh“ ergänzen die Auswahl.

Die Musik stammt von Ikonen der europäischen Musik wie Händel, Bach, Robert Schumann und Satie, ein Tango von Astor Piazzolla passt wunderbar in die Abfolge. Und ebenfalls vertreten sind zwei Kompositionen des Wasserburger Pianisten Robert Ludwig, mit den Titeln „Lisboa“ und „Magnetique Tango“. Den Auftakt macht ein Gedicht von Rumi: „O Schalmei, spiel mir ein Lied/Ein Lied, das nach der Liebe duftet“, eindringlich und mit würdevoller Ernsthaftigkeit dargeboten von Reza Ghotbi, der seit langem in München lebt und als Chirurg in einer großen Klinik arbeitet. Persisch verstehen ist nicht notwendig, denn die Sprache an sich entwickelt ihren eigenen Reiz, weiblich ergänzt und poetisch-schmeichelnd von Ulrike Kriener. Der Duktus fast der kompletten CD ist sehr ruhig, die Lyrik wird im Stück jeweils auf Persisch und auf Deutsch eingesprochen, zu zurückhaltender, meditativer Musikbegleitung.

Angenehme reine Musikstücke unterbrechen die Abfolge und verschaffen beim Hören eine Konzentrationspause, sodass man die 15 Stücke durchgehend in einer privaten Lyrik-Session genießen kann. Typisch Mulo Francel sind die jazzigen Saxofon-Improvisationen über den klassischen Melodien, träumerisch und sanft, und im Zusammenspiel ergänzt von Nicole Heartseeker am Piano.

Mit aufwendigenBooklet versehen

Gegen Ende der CD wird es ein wenig Quadro-Nuevo-ähnlicher, wenn auf der Basis des „Magnetique Tango“ Rumis „Geschichte der Rohrflöte“ intoniert wird und „A Vucchella“ den Reigen noch rein musikalisch und federleicht beschließt. Insgesamt ist ein Tonträger nicht nur für Lyrikfreunde gelungen, der mehrere Jahrhunderte Lyrik überbrückt und klassische Musik mit neuen Arrangements verbindet. Ein weiterer Pluspunkt ist das aufwendige, 32-seitige Booklet zur CD mit tollen Bildern und den Texten in deutsch und in persischer Schrift.

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„Zwischen Raum und Zeit“, mit Ulrike Kriener, Reza Ghotbi, Nicole Heartseeker (Piano), Mulo Francel (Saxofon), GLM Music Nummer 109. Andreas Friedrich

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