„Der Saubärgrunzer“ und der stolze Holzknecht

Bereits seit über 100 Jahren belegt und beliebt ist das alte Erzähllied. Volksmusikarchiv

Gerade in „Corona-Zeiten“ erhalten wir sehr, sehr viele Anfragen nach Liedern zum Selbersingen – und auch nach Musikstücken für die Hausmusik in der Familie.

Wir versuchen zu helfen und Material und Tipps zu geben –- und wir freuen uns über den Aufschwung der kleinen privaten Volksmusikpflege.

Besonders auch die bekannten und weit verbreiteten Lieder werden gesucht. Man kennt die ersten Strophen – und dann fehlt der genaue Text bei den vielstrophigen Liedern, wenn man sie ganz singen will. Und so haben wir für unser heutiges Corona-Lied in den OVB-Heimatzeitungen eines der beliebtesten und immer wieder angefragten vielstrophigen Erzähllieder ausgewählt: Es ist der „Saubärgrunzer“ mit dem Liedanfang „Es war amal a Holzknecht so stolz“.

Gerade in geselliger Runde – nicht nur im Wirtshaus, sondern auch zu Hause im Familienkreis – ist dieses seit Generationen in mehreren Varianten im lebendigen Volksgesang nachgewiesene erotische Lied mit der kennzeichnenden Nachahmung des Grunzens eines Ebers (besonders nach der ersten Textzeile) bis heute beliebt. Bei den „Grun zern“ gibt es wahre Meister und viele unterschiedliche Laute, sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Mitsängern – zur Freude der anderen!

Aufzeichnungen vom „Saubärgrunzer“ bei Volksliedsammlern gibt es seit gut 100 Jahren. Eine der bekanntesten stammt vom Wiener Industriellen Konrad Mautner (1880 bis 1924), der den „Saubär-Gran“ vor dem Ersten Weltkrieg als Lieblingslied das alten Oberjägers Johann Grieshofer in der Nähe von Gößl aufgeschrieben hat („Alte Lieder und Weisen aus dem Steyermärkischen Salzkammergute“, Wien 1918). Vielfach ist das Lied bis heute mit un-terschiedlichen Strophen auch in lokalen Liederheften oder Textsammlungen von Bergsteigern oder anderen Freizeitsängern zu finden.

Beliebtes Wirtshauslied

In der in Noten beigegebenen Form ist das Lied in den Wirtshäusern des Mangfalltales heute noch bekannt und beliebt. Auch im Weinstüberl bei Hochzeiten in ausgelassener Stimmung wurde der „Saubärgrunzer“ bis in die 1990er-Jahre gern gesungen. Aus mündlicher Überlieferung lässt er sich schon in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nachweisen.

Das Grunzen des Saubärn wird in den Textpausen oder auch bei anderen passenden und unpassenden Stellen nachgeahmt. Ab der zweiten Zeile wird in der natürlichen Zweistimmigkeit in Terzen gesungen. Das Lied ist in dem Taschenliederheftchen „Wirtshauslieder 1“ (VMA 1992) abgedruckt und auf der CD „Der Saubärgrunzer und andere Köstlichkeiten“ (VMA 2001) in einer Tonaufnahme mit den Wirtshaussängern des Bezirks Oberbayern zu hören. Rund 120 Gäste haben bei einem geselligen Wirtshaussingen beim Klosterwirt in Seeon im Jahr 2000 mitgesungen. Die Aufnahme ist auch unter www.ovb-online.de zu hören.

Weiterhin gilt unser Angebot: Melden Sie sich bitte mit Ihren Lied-Wünschen oder Ideen zur Corona-Zeit per Post, E-Mail, Fax oder Telefon: Volksmusikarchiv und Volksmusikpflege des Bezirks Oberbayern (Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl, E-Mail: volksmusikarchiv@bezirk-oberbayern.de Fax 0 80 62/86 94, Telefon 0 80 62/51 64).

Schreiben Sie uns, was sie singen, zu welchen Gelegenheiten! – und wie Sie Ihren Mitmenschen eine musikalische Freude schenken können!

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