Sand ist nicht unerschöpflich

Die Installation „Kybernetisches Modell zweiter Ordnung“ mit der Künstlerin Stefanie Zoche. jacobi
+
Die Installation „Kybernetisches Modell zweiter Ordnung“ mit der Künstlerin Stefanie Zoche. jacobi

Schon im Eingangsbereich des Kunstvereins Rosenheim begrüßt wuchtig ein mehr als zwei Meter großer „Wellenbrecher“ aus Sand die Besucher der Ausstellung „Zwei mal zwei ist grün“ von Stefanie Zoche.

Die Einzelteile der Installation sind leicht versetzt, die vermeintliche Stabilität des Körpers droht sich aufzulösen und dabei unkontrollierbare Kräfte zu entwickeln. Im Pressetext wird darauf hingewiesen, dass, wollte man diesen Tetrapoden, wie in der Praxis üblich, aus Beton gießen, hätte dieser ein Gewicht von rund sechs Tonnen. Das entspricht in etwa dem jährlichen Sandverbrauch jedes Bundesbürgers und macht somit dieses statistische Wissen erfahrbar. Der Rohstoff Sand ist nur scheinbar unerschöpflich. Wüstensand ist für Bauzwecke ungeeignet. So wird Bausand zur knappen Ressource. So werden besonders im globalen Süden Strände abgetragen, Flüsse geschürft und riesige Schwimmbagger saugen den Sand vom Meeresboden auf. Dadurch gerät das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen.

Die Künstlerin Stefanie Zoche geht seit drei Jahren den verschiedenen Facetten des Themas nach. Sie lenkt mit ihren raumgreifenden skulpturalen Installationen den Blick auf einen wenig beachtenden Aspekt dieses menschlichen Eingriffs in die Geo- und Biosphäre.

In der Installation „Valdrada“ hat die Künstlerin Sandkerne aus gängigen industriellen Gussverfahren zu einer raumgreifenden Installation arrangiert. Sie zeigt sie hier als plastische Körper, wobei der Sand wie bei dem riesigen Tetrapoden mit Expoxidharz gebunden ist.

Für die Rosenheimer Ausstellung konzipierte Stefanie Zoche eine neue Arbeit, in der sie ihre Auseinandersetzung mit dem Thema ausweitet. Die riesigen Schwimmbagger, die den Sand vom Meeresboden aufsaugen, vernichten auch Algen, Plankton und Kleinstlebewesen, die am Anfang der Nahrungsmittelkette stehen. Algen haben den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre vor 2,4 Millionen Jahre verändert und so die Grundlage für tierisches und menschliches Leben geschaffen. Sie spielen auf der Erde eine enorm wichtige Rolle.

Stefanie Zoche hat aus ihrer Beschäftigung mit Algen die skulpturale Installation „Kybernetisches Modell zweiter Ordnung“ entwickelt. Diese seltsame Maschine pumpt Mikroalgen in einen geschlossenen Kreislauf durch Glasrohre, die wie ein mäanderndes Labyrinth durch den Raum schwebt. Sie münden in einen amorphen Sandsteinfelsen. Die lebenden Algen im Wasser, der Sand und die Glasrohre stehen in spannendem Dialog. Die Videoinstallation „Fortuna Hill“, in der Strände wie Baugruben aussehen und die illegalen Sandabbau zeigen, nimmt wie die Skulpturen und die Fotografien Stellung zum Thema der Ausstellung.

Stefanie Zoche, geboren 1965 in München, studierte an der Ècole des Beaux Arts de Perpignan und der Middlesex University in London, wo sie 1990 ihren Abschluss machte. 1998 schloss sie sich in München mit der bildenden Künstlerin Sabine Haubitz zu einer künstlerischen Arbeitsgemeinschaft zusammen. Seit 2014 führt Stefanie Zoche das Werk in ihrem eigenen Namen fort.

Öffnungszeiten und Künstlergespräch

Kommentare