Sachranger Mariensingen mit Salzburger Volksliedchor, der Harfenistin Margit Schellenberger und dem Ensemble Hans Berger

Sachrang statt Salzburg

Der Salzburger Volksliedchor mit der Harfenistin Margit-Anna Süss-Schellenberger und dem Saitenensemble Hans Berger in der Kirche St. Michael in Sachrang. Foto  Gattinger
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Der Salzburger Volksliedchor mit der Harfenistin Margit-Anna Süss-Schellenberger und dem Saitenensemble Hans Berger in der Kirche St. Michael in Sachrang. Foto Gattinger

Berta Wagner, die Obfrau des großen Salzburger Volksliedchors, hatte im vergangenen Jahr einen Besuch in Sachrang vorgeschlagen, als Dank ans Hans-Berger-Ensemble, das vier Jahre beim Salzburger Adventssingen mitgewirkt hatte. Jetzt wurde dieser Besuch mit einem Konzert, dem Sachranger Mariensingen, im voll besetzten Gotteshaus Sankt Michael gekrönt.

Zu Beginn überraschte die Zuhörer ein heller Begrüßungsjodler vom Kirchenportal her. Leichten Schrittes zog der Chor, in Salzburger Festtracht gekleidet, im Mittelgang ein. Von den bis zu 75 ständigen Mitgliedern des Chores, der jedes Jahr das Salzburger Adventssingen maßgeblich mitgestaltet, waren gut die Hälfte nach Sachrang gekommen.

Beim Einzug lotete Hildegard Stofferin Sachrangs kleine Orgel locker improvisierend aus. "Königin voll Herrlichkeit" von Wilhelm Lechleitner, vor 200 Jahren komponiert im Reichskloster Neustift bei Brixen, war erste Huldigung an Maria. Bearbeiter Hans Berger stimmte auf seiner Zither ein. Was unterm Dirigat von Burgi Vötterl erklang, war sodann Demonstration höchster chorischer Sangeskultur. So ein ausgewogenes Klangbild, feinste Stimmenreinheit und solch imposante Ausdruckskraft muss Ergebnis einer jahrelangen Stimmbildung und Sprecherziehung sein. 1950 wurde der Chor von Professor Sepp Dengg gegründet, um traditionelles Volkslied zu pflegen. Der Chor ist seither Salzburger Kulturbotschafter. In Zusammenarbeit mit Cesar Bresgen, dem großen Lehrer der Moderne am Mozarteum, kam neukomponiertes Kirchenlied dazu. Sein "Maria, große Frau" und "Ave, Maria, du große Kayserin" war in Sachrang eindrucksvolles Beispiel hierfür. Aus dem weitreichenden Repertoire waren alsdann zu hören das inbrünstige litauische Marienlied "Marija", aus der "Kärntner Bildstöcklmesse" das mundartliche "Über dö Stapflan", ferner Schicksalhaftes aus Bonhoeffers "Von guten Mächten wunderbar geborgen" und die ergreifende polyphone Motette "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Heinrich Schütz aus dem Kriegsjahr 1645. Ausdrucksstärker, klangkräftiger, schöner, sanfter sang ein Chor hier nie. Jede einzelne Stimme diente dem imposanten samtenen Chorklang.

Mit ihrer Harfe flocht Margit Schellenberger werkgetreu ein originales Klavierkonzert von Joseph Haydn ins Programm ein. Die Sachrang-Preisträgerin wird zu Recht den bedeutendsten Harfenistinnen der Gegenwart zugerechnet. Zudem dient sie dem Saitenensemble mit Birgit Sporer (zuverlässig und makellos am Hackbrett), Johannes Berger (Kontrabass) und dem souveränen Leiter Hans Berger (Zither). Dieses Quartett zu ehren, kam der Salzburger Volksliedchor nach Sachrang. Es spielte zum großen Teil prägnante Stücke aus Peter Hubers Sachranger Notensammlung. Mit zwei Menuetten und einem Rondo von Augustin Holler, einem Menuett von Peter von Winter, dem "Antretter-Marsch" von Wolfgang Amadeus Mozart. Das besondere Geschenk des Mariensingens und Musizierens waren zwei Neukompositionen von Hans Berger, ein Menuett in D und eines in A. Beide Werke setzen Peter Hubers Wirken fort. Augustin Kloiber reicherte das Singen mit Texten über Marienfeste und Mozarts Mutter Anna Maria Pertl, mit erheiternden mundartlichen Wortspielen und der grotesken Fabel "Die Haselmaus-Hochzeit" an. Die Zuhörer dankten hingerissen mit rhythmischem Beifall. Sie wurden vom Chor mit Wastl Fanderls "Kimmt scho hoamli de Nacht" belohnt.

Es soll nicht bei diesem ersten Sachranger Mariensingen bleiben, hieß es danach. Sämtliche Mitwirkenden verzichteten überdies bei diesem Benefizkonzert zugunsten der Sachrang-Stiftung und des Müllner-Peter-Museumsvereins auf das Honorar.

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