Frühjahrskonzert im Kultur und Kongresszentrum mit Musik aus Amerika

Rosenheimer Stadtkapelle auf neuen Wegen

Dass die Rosenheimer Stadtkapelle sich auf neue Wege begeben hat, sieht man schon an ihrer Kleidung: Beim Frühjahrskonzert im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum verzichtete sie auf die roten Westen der "Rosenheimer Tracht" und trat in einheitlichem schlichtem Schwarz auf. Scherzhaft müsste man den Konzerttitel "Rhapsody in Blue" umtaufen in "Rhapsody in Black". Einheitlich wie die Kleidung war auch das Programm, es umfasste ausnahmslos Blasmusik "Made in USA". Auf den neuen Wegen sah man auch neue Gesichter, die teilweise die alten waren: Mit dem neuen Dirigenten Fabian Schmid kamen neue Musiker, alte Musiker kamen teilweise wieder.

Märsche von John Philip Sousa umrahmten das Konzert, dynamisch schwungvoll begann's mit dem "The Washington Post March", der der Zeitung mit diesem Namen gewidmet ist ("Wann gibt's einen OVB-Marsch?", fragte der Dirigent witzigerweise), mit "Stars and Stripes" endete es als Zugabe, von der Piccoloflötistin fröhlich "drüber"-gepfiffen. So hatte sich auch das Programm entwickelt: von beflissener Korrektheit hin zu fast ausgelassener Lockerheit.

So waren die vertrackten Synkopen in der "Suite of Old American Dances" von Robert Russell Bunnett, der als Broadwy-Arrangeur bekannt war, noch brav buchstabiert und zu wenig eigendynamisch, war die Trommel meist einen Tick zu spät, dafür waren die Klangfarben in den langsamen Sätzen fein abschattiert. Auch in der titelgebenden "Rhapsody in Blue" von George Gershwin, von diesem ursprünglich wirklich für ein kleines Blasorchester komponiert, phrasierte die Stadtkapelle notengetreu richtig, aber nicht lässig-frei genug, nicht mit dem notwendigen Quäntchen Saloppheit. Fred Bayer am Klavier bewältigte seinen Part bravourös, betonte vor allem die jazzige Harmonie, sein Spiel labte sich förmlich daran.

Nach der Pause wurde es, wie gesagt, temperamentvoller, beschwingter und auch rhythmisch souveräner. Das lag vielleicht auch daran, dass zu der Schlagzeug-Crew jetzt Barbara Öttl dazukam, die die rhythmische Dynamik beflügelte. Die "Second Suite for Band" von Alfred Reed kam jedenfalls mitreißend temperamentvoll-südamerikanisch daher, "Shenandoah" von Frank Ticheli strömte elegisch breit als seelischer Ruhepol vor dem phänomenal klingenden Schlussstück von Ron Nelson mit dem Titel "Sonoran Desert Holiday": ein breit ausgemaltes Wüstenpanorama mit Sonnenaufgang, Pferdegetrappel, gleißendem Sonnenglanz und überwältigendem Finale. Fabian Schmid hat da ein gewaltiges Stück Blasmusik ausgesucht, präsentiert und hervorragend exakt dirigiert. Wie er überhaupt mit kleinen, leichten, aber überaus exakten Dirigierbewegungen ein Maximum an Wirkung erzielt. Großer Jubel im nicht ausverkauften kleinen Saal.

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