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Professor Dr. Anthony Rowley über bairische Dialekte

Rosenheimer Schibboleths

Professor Dr. Anthony Rowley.  Foto janka
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Professor Dr. Anthony Rowley. Foto janka

Was heißt wohl "Noagerl" auf Englisch? "Gibt's nicht", sagt Professor Dr. Anthony Rowley, "ein Engländer lässt nichts übrig". Auf Einladung des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte hielt Professor Rowley höchst engagiert und temperamentvoll in Rosenheim einen Vortrag über Dialekte in Bayern, speziell in Rosenheim. Und so viele Leute, nicht nur bairische, sondern auch schwäbische, fränkische und sogar friesische Dialektsprecher, wollten diesen Vortrag hören, dass der kleine Saal des Gasthauses "Santa" heillos überfüllt war.

Es gibt "den Schmeller", "den Zehetner" und bald wird es wohl "den Rowley" geben: Der Professor aus dem englischen Yorkshire ist der Chefredakteur des "Bayerischen Wörterbuchs", das gerade bis "Boxhammer" gekommen ist und wohl zirka 2070 fertig werden soll.

Der Dialekt sei "der vollständigste Lebensabdruck des "Volkes", zitierte Rowley Johann Andreas Schmeller, den Herausgeber des ersten bairischen Wörterbuches von 1827, der Dialekt sei "ein sprachliches Aushängeschild und eine Fundgrube für Volkskunde", so gehe das "Grüß Gott" wohl auf die iroschottischen Missionare in Bayern zurück. Im Dialekt könne man sich konziser ausdrücken, stellte Rowley fest und nannte als Beispiele die Modalwörter "fei" und "halt", die eigentlich unübersetzbar seien. Der Dialekt sei organisch aus der germanischen Ursprache entstanden, im Gegensatz zur Schriftsprache, die von der Obrigkeit übergestülpt worden sei.

Dabei gebe es sogenannte bairische "Schibboleths", ein biblischer Begriff, der die Kennwörter bezeichnet, die die Zugehörigkeit zu einer Sprachgemeinde kennzeichnen. Wer "enk" sagt und "es", sei ein Baier, dazu gehöre die Diphthongierung ("hoaß"), die Verwendung des dunklen "a" ("sogn") sowie des hellen palatalen "a" ("spat"), hauptsächlich auch spezielle Kennwörter: Kirta, aper, bussln, Pfoad.

Das Mittelbairische sei gekennzeichnet durch die "l-Vokalisierung": Spalt wird zu "Spoit", halt wird zu "hoit". Dabei habe jede Region, ja sogar fast jedes Dorf eigene Dialektabwandlungen: Das oberbairische "Diandl" ist im Niederbairischen ein "Deandl", in Dietramszell ein "Mala", das oberbairische "Roß" wird in der Oberpfalz zu einem "Pfà"! Das Rosenheimer Bairisch sei eher ein Ostbairisch mit einer Neigung nach Süden: der "Sechter" für Melkeimer ist ein lateinisches Lehnwort (von "sextarius", eine Maßeinheit). Der Samerberg sei, als Ausnahme, dialektmäßig noch mehr nach Süden ausgerichtet und noch altertümlicher. Die Samerbergler wussten schon immer, dass sie was Bsunders sind...

Zur kennerischen Begeisterung der Zuhörer zählte Professor Rowley dann die Rosenheimer Schibboleths auf: "niederrocha" für wiederkäuen, "Schuutz" für die Hängeschaukel, "Klobn" für die Kotklunkern an den Schenkeln der Kühe, "Daxklipp(n)" für das Haumesser.

Dialekt lernen sei leichter als die Schriftsprache, schloss Professor Rowley und zeigte leichten Optimismus für den Erhalt der bairischen Sprache. Wohl weniger in München, aber doch im Rosenheimer Raum.

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