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„Zeigen, dass wir nicht hinter ihm stehen“

Rosenheimer Schauspieler Manfred Stecher bezieht Position im Skandal um Intendant Thomas Pekny

Der Schauspieler Manfred Stecher (links) – hier in einer Aufnahme von 2020 – spielt seit 26 Jahren in der Komödie im Bayerischen Hof. Hier auf der Bühne mit (von links) Viktoria Brams, Patrik Fichte, Navina Heyne, Angelika Milster und Dirk Bender für das Musical „Wechselspiel der Liebe“.
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Der Schauspieler Manfred Stecher (links) – hier in einer Aufnahme von 2020 – spielt seit 26 Jahren in der Komödie im Bayerischen Hof. Hier auf der Bühne mit (von links) Viktoria Brams, Patrik Fichte, Navina Heyne, Angelika Milster und Dirk Bender für das Musical „Wechselspiel der Liebe“.
  • VonRebecca Seeberg
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Der Rosenheimer Schauspieler, Sänger und Pianist Manfred Stecher (53) zeigt Courage. Er nimmt Stellung zu den Vorwürfen, die gegen Thomas Pekny erhoben wurden, den Intendanten, Inhaber und Geschäftsführer der Komödie im Bayerischen Hof.

Rosenheim/München – Pekny war vom Landgericht München vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden. Manfred Stecher ist aktuell an der Komödie im Bayerischen Hof für die Erfolgsproduktion „Comedian Harmonists“ engagiert. „Ich bin diesem Hause und seinen Mitarbeitern seit 26 Jahren sehr verbunden“, sagt er.

Herr Stecher, warum haben Sie sich dazu entschlossen, sich öffentlich zu äußern?

Manfred Stecher: Ich möchte ich mich ganz klar vom Verhalten des Intendanten Thomas Pekny distanzieren. Die Pressemitteilung, die am 19. Juli von der Komödie im Bayerischen Hof veröffentlicht wurde, in der es heißt, das ganze Haus stünde hinter Pekny – das stimmt nicht. Es kann nicht sein, dass Pekny an schlafenden, betrunkenen Frauen sexuelle Handlungen vollführt und die Aufnahmen, die er davon macht, auch noch als „Kunst“ darstellt – Kunst darf nicht alles. Der Schaden, der in jeglicher Hinsicht nicht nur auf menschlicher Ebene bei den Opfern entstanden ist, sondern auch dem gesamten Theater noch bevorsteht, ist gar nicht abzuschätzen.

Herr Pekny wurde freigesprochen. Muss man das nicht akzeptieren?

Stecher: Das ist richtig, dass Herr Pekny offiziell freigesprochen wurde. Der Freispruch ist aber noch nicht rechtskräftig, da die Anklage in Revision gehen will. Weitere Anzeigen von Frauen sind bereits eingegangen. Ich denke, dass die Fakten für sich sprechen. Für mich – und ich kann da auch von meinem Ensemble sprechen – stand fest, dass wir, egal, wie das Ganze vor Gericht ausgeht, hinter so einem Verhalten in keiner Weise stehen können.

Wir sind dazu verpflichtet, unseren Vertrag zu erfüllen. Aber wir empfinden das Ganze als eine sehr belastende Situation. Wir proben für die „Comedian Harmonists“ schon seit Mitte Juli – Herr Pekny ist fast jeden Tag anwesend. Ab dem Moment, ab dem er zuschaut und auf diesem Sofa sitzt, auf dem er die Aufnahmen von den Frauen gemacht haben soll, ist man nicht mehr frei und kann auch künstlerisch nicht arbeiten.

Ich mache es Herrn Pekny zum Vorwurf, dass er, anstatt im Vorfeld eine für das Theater verantwortungsvolle Lösung zu suchen, die Mitarbeiter, die erst aus der Presse die Anschuldigungen erfuhren, geradezu ins offene Messer laufen ließ. Trotz Freispruch muss sich der Intendant auch diesem Vorwurf stellen. Er ist lange genug im Theaterbusiness tätig, um sich der Folgen eines solchen Prozesses bewusst zu sein.

Wenn man nun aber einen Schaden am Theater befürchtet – gibt es da keine Mechanismen, damit sich Herr Pekny gegenüber seinem Haus verantworten muss?

Stecher : Wir sind kein städtisches oder staatliches Theater. Die Komödie am Bayerischen Hof ist ein nicht subventioniertes Privattheater. Die Geschäftsführung hat Thomas Pekny inne.

Er hat die letzte Entscheidungsgewalt. Wir Mitarbeiter können lediglich Druck ausüben, indem wir zeigen, dass wir nicht hinter seinem Verhalten stehen und keine neuen Verträge unter seiner Leitung eingehen. Vielen ist nach dieser langen Lockdown-Zeit, in der die Künstler finanziell gelitten haben, natürlich auch daran gelegen, ein bestehendes Engagement weiterzuführen. Auch für mich war die Pandemie ein schwerer Schlag.

Viele meiner Fernseh- und Theaterverträge, für die ich bis 2023 unterschrieben habe, liegen noch auf Eis. „Kann ich es mir leisten, Flagge zu zeigen?“, heißt es nun für viele. Gerade in dieser für Kulturschaffende besonders schweren Zeit sind die Schauspieler und Mitarbeiter der Komödie auf die Ausübung ihrer Berufe angewiesen und bedürfen ebenso der Solidarität des Publikums. Ich kann nur appellieren, das Theater nicht im Stich zu lassen und zu trennen zwischen dem Fehlverhalten einer Einzelperson, die Verantwortung übernehmen muss, und dem, was wir Darsteller, was die Menschen im Hintergrund leisten.

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Worauf hoffen Sie?

Stecher : Ich hoffe, dass nun endlich die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Es reicht daher keine „Umstrukturierung des Theaters“, wie Thomas Pekny zwei Tage nach seinem Freispruch ankündigte. Der schlechteste Fall wäre es, wenn Pekny nur als Intendant zurücktritt und als Inhaber bleibt – damit würde sich in Wirklichkeit nichts ändern.

Es ist wirklich an der Zeit, dass sich die vielen anderen prominenten Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren und Jahrzehnten an der Komödie arbeiten, zu Wort melden und Stellung beziehen, um von diesem Haus einen großen Schaden abzuwenden. Sollte Pekny längerfristig keinen echten Rückzug im Sinn haben, könnte letztendlich auch das Publikum mit entsprechendem Verhalten seinen Beitrag leisten, auch wenn das für das Theater die schlechteste und schmerzhafteste Konsequenz wäre.

Freispruch aus Mangel an Beweisen

Thomas Pekny, Geschäftsführer und Inhaber der „Theaterbetriebe Margit Bönisch GmbH“, die die Komödie im Bayerischen Hof betreibt, wurde vom Landgericht München 1 freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Pekny wegen sexueller Missbrauchsvorwürfe Klage erhoben. Pekny soll 2015 und 2016 drei Frauen vom Oktoberfest mit in die Proberäume am Bayerischen Hof genommen und dort intime Aufnahmen von ihnen gemacht haben, während sie schliefen.

Nur eine der Personen konnte von der Polizei ausfindig gemacht werden. Hier geht die Staatsanwaltschaft von Vergewaltigung aus – in den anderen Fällen habe es sich um sexuelle Übergriffe gehandelt. Pekny weist die Anschuldigungen zurück – er habe im Einvernehmen mit den Frauen gehandelt. Hinter den Aufnahmen habe eine künstlerische Absicht gestanden. Pekny wurde Ende Juli aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat Revision beantragt.

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