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Mit Joseph Hannesschläger vor der Kamera

Der Rosenheimer Manfred Stecher: Schauspieler mit Herz für Raritäten

Das Rosenheimer BrüderpaarAlexander-Klaus (links) und Manfred Stecher bei seinem Road-Trip in Gent zur aktuellen TV-Sendung „Antik-Duell“. Getrödelt haben die Zwei immer schon gern. Privat

Manfred Stecher wollte Histroiker werden. Heute ist der 52-jährige Rosenheimer als Schauspieler, Sänger und Pianist unterwegs. Und seit Kurzem in einem neuen TV-Format.

Rosenheim – Omas Schubladen bargen Geheimnisse: schöne alte Bücher, eins von 1880, Briefe in Sütterlin-Schrift, auch welche vom Urgroßvater, der gerade freite. Dem Dreikäsehoch kam das alles mysteriös vor – und weckte eine Leidenschaft in ihm: „Ich wollte Historiker werden“, sagt Manfred Stecher rückblickend. Heute ist der 52-jährige Rosenheimer als Schauspieler, Sänger und Pianist unterwegs – und ganz exotisch und aktuell zusammen mit seinem Zwillingsbruder Alexander-Klaus in besonderer Mission für einen TV-Sender: als Antiquitätensammler. Womit sich der Bogen zu Omas Schublade, die beim Öffnen in alte Zeiten führte, schließt.

Omas Schublade ist an allem schuld

Und erneut öffnet. Denn in der Welt des Theaters begibt sich Stecher zum Beispiel auch in die Zeit Shakespeares (in „Romeo und Julia“) oder Schillers „Räuber“. Er ist ein Theatermann durch und durch, obgleich ihn immer wieder „Ausflüge“ in die Radio- und TV-Welt führ(t)en.

Duette mit Musical-Star Milster

Das Theater, sagt er, lasse eine Symbiose zwischen Akteur und Publikum zu. Diese Resonanz für den Darsteller sei einmalig. Schon beim Betreten der Bühne spüre er, ob die Allianz funktioniere, ob die Menschen berührt seien. Auch in diesem Sinne genießt er gerade die intensive Probenarbeit für das Musical „Wechselspiel der Liebe“, das er selbst an die „Komödie im Bayerischen Hof“ brachte – mit Musical-Star Angelika Milster als Dreh- und Angelpunkt der Story. Er habe sie aus Talkshows gekannt, einfach mal angerufen und sie habe zugesagt, verrät er. Im Musical singen sie nun auch Duette. Es ist quasi eine Welturaufführung, denn der Roman von Rosamunde Pilcher wurde erstmals für die Bühne umgearbeitet (Text von Claus Beling, Musik von Richard Blackford).

Manfred Stecher und Angelika Milster bei Proben zum Musical „Wechselspiel der Liebe“, basierend auf dem Roman von Rosamunde Pilcher. Marina Maisel

Als Schauspieler Musik und Gesang zu verbinden, das sei einfach toll, schwärmt Stecher, der im Musical in die Rolle des Ex-Verlobten Anthony schlüpft. Es abverlange alles, wenn man auf den Punkt genau vom Sprech zum Gesang wechsle und umgekehrt. Also vergeht kein Tag, wo er nicht eine halbe Stunde „Ma-me-mi-mo-mu“ singt, um die Bariton-Stimme zu schulen und geschmeidig zu halten. Außer im Urlaub. Erholung braucht halt auch mal der Kehlkopf.

Ein Zwillingsbruder, der ebenfalls Schauspieler ist

Zum Beispiel für einen ganz großen Auftritt zu Jay Lenos Geburtstag, den der legendäre US-amerikanische Komiker und Fernsehmoderator im Weißen Haus in Wahington mit Bill Clinton im Jahr 1999 feierte. Stecher trat als Darsteller von Harry Frommermann auf – dieser war Gründer, Arrangeur und Dritter Tenor des tragisch endenden Berliner Ensembles Comedian Harmonists („Mein kleiner grüner Kaktus“). Eine Rolle, die dem Rosenheimer auf der Münchner Ensemble-Bühne den Merkur-Preis einbrachte. In der Spielzeit 2020/2021 wird Comedian Harmonists auf der Ensemble-Bühne nochmals aufgeführt.

In der Musical-Geschichte „Wechselspiel der Liebe“ (Premiere 26. Februar) geht es um Zwillingsschwestern. Im wahren Leben hat Stecher einen eineiigen Zwillingsbruder, ebenfalls der Schauspielerei verschrieben. In jungen Jahren nutzten sie das für ihre Zwecke, zumal bis heute auch die Stimme täuschend ähnlich ist. Helmut Ringelmann, Produzent unter anderem von „Derrick“ und „Der Alte“, war schlichtweg sauer, als er merkte: Manfred spielt seinen Bruder. Ein Jahr lang verweigerte er den Beiden jegliches Angebot.

Mit Joseph Hannesschläger bei den "Rosenheim Cops" gedreht

Dennoch: „Mir hat es geholfen, doppelt zu sein“, freut sich Stecher. Denn: Der Einstieg in Funk und Fernsehen wurde ihm durch den Bruder, schon länger in diesem Geschäft, erleichtert. So reihten sich (Episoden-)Rollen unter anderem im „Traumschiff“, beim „Tatort“ oder „Siska“ aneinander. Mit Joseph Hannesschläger stand er in den Rosenheim-Cops. „Ein liebenswerter Kollege“, bedauert Stecher dessen frühen Tod.

Als seine Traumrolle nennt Stecher die des Higgins in „My fair Lady“. Warum? „Weil ich das Buch liebe, den Sprachwitz, die Musik.“ Als Sänger, so der 52-Jährige, stelle man sein ganzes Leben in den Dienst der Stimme, als Schauspieler gebe es hingegen schon mal ein Bierchen und Zigaretten – „so viel zur Disziplin.“

Die hatten er und sein Bruder bei den rund dreiwöchigen Dreharbeiten zur ersten Folge der neuesten TV-Show „Das Antik-Duell“ (Vox) zu beweisen. Sie müssen zeigen, wer von ihnen den besseren Riecher für Antiquitäten hat. In der belgischen Stadt Gent stöberten sie in oft zu Antik-Geschäften umfunktionierten Kirchen und auf Flohmärkten. Dort fand Manfred das „Sahnehäubchen“ seiner Suche: Drei Nüsse aus dem 17. Jahrhundert mit erotischen Darstellungen, der Bruder ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Alle Antiquitäten, für die jeder 1001 Euro ausgeben musste, werden versteigert und kommen einem guten Zweck zu: bei Manfred den SOS-Kinderdörfern, bei Alexander der Leukämie-Stiftung.

Ein Brüderpaar mit Trödel-Ambitionen

Antiquitäten sammeln die beiden auch privat – Omas Schublade lässt grüßen. Im Aisinger Wald hatten sie dereinst Eisenspitzen und den Stein einer Steinzeitaxt gefunden, einiges ist laut Stecher im Heimatmuseum in Rosenheim wiederzufinden. Beim Road-Trip in Belgien konnten sie einer Person ihrer Wahl ein Wunschobjekt mitbringen. So kann nun Theaterleiterin Elfriede Ringsgwandl (Riedering) für ihr Stück „Lukas Straßenkind“ ein altes Grammophon aus den 40er-Jahren einsetzen sowie einen Regenschirm mit Hundeknauf und Lochmuster für eine andere Aufführung.

Die Sache mit dem Aberglauben

Ein Schlusswort zum Aberglauben: Wie hält es Stecher damit? Pavarotti, meint er, habe vor jedem Auftritt einen Nagel auf dem Bühnenboden finden müssen. Er wiederum sage „Herrgott, gib mir eine gute Vorstellung“ und freue sich, wenn er das Publikum erreiche.

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