Robert Schumann verjazzt

Pianist Walter Lang und Jazzvokalist Philipp Weiss präsentierten im „Le Pirate“ ihr neues Album „DARK Licht“.
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Pianist Walter Lang und Jazzvokalist Philipp Weiss präsentierten im „Le Pirate“ ihr neues Album „DARK Licht“.

Rosenheim – Mit vielen Vorschusslorbeeren im Gepäck gastierte das seit 20 Jahren aufeinander eingespielte Duo „PLW“, bestehend aus dem Jazzvokalisten Philipp Weiss und dem in Rosenheim bestens bekannten Pia nisten Walter Lang im „Le Pirate“.

Im Vorfeld stand eine Nominierung für den Jazz-Echo-Preis für das innovative Konzept und die hohe Qualität des neuen Albums, für das sich die beiden Musiker Liedkompositionen von Robert Schumann als Grundlage nahmen.

Vergleichmit Sting-Projekt

Weiss übersetzte die Lieder ins Englische und Walter Lang schrieb eine neue Pianomusik dazu, was „Pirate“-Programmmacher Wolfgang Lentner zu Vergleichen mit dem John-Dowland-Projekt von Sting – vor zwei Jahren noch Stargast beim Rosenheimer Sommerfestival – hingerissen hatte. Aus Corona-Gründen beziehungsweise Sperrstunde um 22 Uhr hatte man die geplanten zwei Durchgänge auf einen zusammengelegt und startete um 20 Uhr, wobei das Duo sich noch den bekannten Rezitator Klaus Dieter Mayer mitgebracht hatte, der sich mit Weiss auf der kleinen Bühne munter abwechselte. Mayer brachte eine Auswahl lyrischer Texte von Heinrich Heine bis Pablo Neruda mit und leitete mit einem Gedicht von Gustavo Pereira ein, gefolgt aus einem Auszug von Heines „Buch der Lieder“, eine gelungene Überleitung zum Musikduo.

Mit ruhigem, feierlichem Ton bannte Weiss von Beginn an das Publikum, zum ruhigen, würdevollen Duktus Walter Langs, den man sonst eher für überbordende Klangkaskaden kennt. Besinnung und Trauer schwangen mit in dem Auftaktstück, welches Mayer mit einem Rilketext auffing, wo rauf eine längere Pianopassage Langs folgte. Die Melodie entwickelte sich hymnisch und emphatisch, Assoziationen zum Gospel lagen nah. Die Liebe war der rote Faden für den Abend, sowohl im gesprochenen als auch im gesungenen Text: Heines Liebeslyrik ging über in eine von Weiss sehr anmutig intonierte Ballade, die nach einer steigernden Pianopassage mit der Zeile „...dreams come true“ schloss. Auf Brecht und ein Pianosolo folgte „day for day in love with you“, toll und mitreißend interpretiert, ebenso „there is a permanent warning“ mit fließendem, wunderbarem Piano im Anschluss an ein Gedicht von Eduard Mörike. Typisch jazzig mit Improvisationscharakter wurde es nach den diszipliniert durchstrukturierten Liedern doch noch, auf einen Text von Mascha Kaleko wechselte der Jazz-„Crooner“ Weiss übergangslos in übertriebenen Scatgesang, zur großen Freude der begeistert applaudierenden Gäste – einer von vielen Höhepunkten im Programmablauf.

GetrommelterPianowirbel

Das Duo setzte aber noch eins drauf und nahm ein von Mayer akzentuiert vorgetragenes Gedicht von Pablo Neruda zum Anlass für einen Pianowirbel mit einem auf dem Instrument mittrommelnden Weiss. Ergänzende Erläuterungen zu Leben und Werk von Robert Schumann wären an dem Abend noch fein gewesen, aber das Konzept für das noch junge Projekt bei eingeschränktem Zeitrahmen ging ganz gut auf und hinterließ viele zufriedene Gäste im kleinen Musikclub. Andreas Friedrich

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