Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


CantoSonor feiern Jubiläum

Robert Schumann ein Vorgänger der Comedian Harmonists?

„CantoSonor“ mit (von links) Markus Herzog, Ulfried Haselsteiner, Florian Podgoreanu und Michael Doumas
+
„CantoSonor“ mit (von links) Markus Herzog, Ulfried Haselsteiner, Florian Podgoreanu und Michael Doumas
  • VonRainer W. Janka
    schließen

Seit zehn Jahren stehen die vier Opernsänger von CantoSonor gemeinsam auf der Bühne. Dies feierten sie im Gasthaus Antretter in Stephanskirchen mit einer denkwürdig verjazzten „Dichterliebe“ von Robert Schumann.

Stephanskirchen – Robert Schumann verjazzen: Geht das? Noch dazu seine Liedersammlung „Dichterliebe“ auf Texte von Heinrich Heine? Ja, es geht, und wie! Das Vokalquartett „ CantoSonor “ zeigte es zu seinem zehnjährigen Bühnenjubiläum im Gasthaus Antretter in Stephanskirchen unter dem Titel „Dichterliebe reloaded“. „Da ist soviel Jazz schon drin in Schumanns Musik“, sagte der Bassist Michael Doumas in seiner klugen Moderation. Ulfried Haselsteiner, der zweite Tenor, hat die Arrangements geschrieben und sich extra einen Steh-E-Bass dazu gebaut, der Bariton Florian Podgoreanu schuf mit dem Besen den oft sanften Rhythmus dazu und spielte E-Piano, Markus Herzog, der Tenor-Lokalmatador aus Schloßberg sang den ersten Tenor und Carlos Goikoetxea gab den Jazzpianisten.

Lieder immer erkenntlich

Die insgesamt sechzehn Lieder waren teilweise umgestellt und ineinanderfließend, aber immer erkenntlich. Schumanns hochkomplexe Harmonik klang, auf ein Männerquartett verteilt, noch dichter, dramatisierter und oft viel emotionaler und verrutschte unmerklich immer wieder in Jazz-Harmonik. Oft verdeutlichte die Jazz-Version die Lieder, ja entstellte sie zur Kenntlichkeit. Die vier Sänger machten gekonnt ihre doch imposanten Opernstimmen vollmundig-leis und tränenreich weich, sangen dabei immer mit schmerzreichem Herzblut und betörend schön. Traumverhangene gläsern-fragile Klänge vom E-Piano verwandelten das Lied „Allnächtlich im Traume“ in ein Vokal-Nocturne, satte Sext-Akkorde symbolisierten die Tränenflüsse, „Wenn ich in deine Augen seh‘“ begann dafür in einem schüchtern-zarten A-cappella, die wilden Schmerzen waren durch die Jazz-Harmonik ins äußerst Schmerzvolle gesteigert, während „Ich will meine Seele tauchen“ tief in diese Jazz-Harmonik getaucht war und das Schlusslied, das Begräbnis der Liebe, als Trauermarsch daherkam.

Klangasketisch mit Staccato-Akkorden begleitet

Am besten „reloaded“ waren zwei Lieder: „Ich hab‘ im Traum geweinet“, im Original klangasketisch nur mit dumpfen Staccato-Akkorden begleitet, begann mit einem echt jazzigen „walking Bass“, füllte sich dann zusätzlich mit der Liebestrauer-Arie „When I am laid“ aus der Oper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell und versank dann vollends in gesungenen Tränenfluten. Und das bitter-ironische „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“ gar klang wie ein Song der altbekannten „Comedian Harmonists“, bös-witzig und rhythmisch-charmant. War Robert Schumann ein heimlicher Vorgänger dieser „Comedian Harmonists“? Für den herzlichen Beifall der vielen Zuhörer an diesem sonnigen Sonntagvormittag bedankten sich die vier Sänger mit der vier- und vollmundigen „Zueignung“ von Richard Strauss mit der emphatischen Zeile „Habet Dank!“ darin.

Mehr zum Thema

Kommentare