Regina Marmaglio und Boris Tomschiczek in der „Echokammer“

„Antrainiert“ von Regina Marmaglio, Eiche.
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„Antrainiert“ von Regina Marmaglio, Eiche.

Es kommt viel „Bayern“ vor in der Ausstellung von Regina Marmaglio und Boris Tomschiczek in der Galerie am Markt in Neubeuern – Alpernreliefs oder Karikaturen bayerischer Lebensart.Hier haben zwei zusammengefunden, die mit großem Engagement künstlerisch arbeiten und die eine gemeinsame Sicht auf die Welt verbindet.

Neubeuern – Das ist zum Einen das Interesse am Menschen und seinem Verhalten im sozialen Gefüge, zum Anderen eine vitale Teilnahme am Naturgeschehen.

Regina Marmaglio ist Holzbildhauerin mit einer Ausbildung an der Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Berchtesgaden. Lindenholz und Farbe sind ihre Materialien, Stechbeitel, Säge und Schnitzmesser ihr Werkzeug. So gestaltet sie genau nachempfundene Gebirgsformationen der bayerischen Alpen. Es entstehen Wandreliefs mit präzisen Wiedergaben von Berggipfeln, zu denen sie einen persönlichen Bezug hat, und die sie mit Farbe lebendig werden lässt.

Männerin Badehosen

Das andere Thema ihrer Arbeiten ist der Mensch. Gruppen wie Männer in Badehosen stehen beieinander, aber sie scheinen nicht wirklich zusammen zu finden, jeder in der Gruppe wirkt isoliert.

Eine von zwei gleich großen Frauengestalten mit dem Titel „Allerheiligen“ presst einen Pflanztopf an sich wie einen kostbaren Besitz, und sie steht ohne Bezug zu ihrer gleich großen Gefährtin „Allerseelen“, die eine Wolke an sich drückt.

„Käfighaltung“ im Lockdown

Eine weitere Arbeit zeigt 47 geschnitzte Vögel, die auf einem breiten Sockel Platz genommen haben, keiner gleicht dem anderen, alle tragen die Charakteristika kleinerer Singvögel. Diese 47 symbolisieren die Tage der Kontaktbeschränkung vom 20. März bis 6. Mai dieses Jahres. Der Titel der Arbeit lautet „Käfighaltung“. Auf diese Weise macht uns Regina Marmaglio die Zeit des sozialen Stillstands nachvollziehbar.

Zeichnungen und Karikaturen präsentiert Boris Tomschiczek, und der Besucher hat allerhand zu tun, um die Bildergeschichten zu „lesen“. Tomschiczek absolvierte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, das er mit dem Diplom abschloss. Er setzte seine Studien an der Hochschule für Fernsehen und Film fort, hat jedoch das Zeichnen in all den Jahren weiter geführt. Seit 2013 arbeitet er als Karikaturist für die bayerische Kulturzeitung MUH, seit 2017 gestaltet er darin die ganzseitig gezeichnete Kolumne „Wimmelbilder des Bayerisch Unterbewussten“. Auf all diesen Seiten wuseln sie herum, kleine, meist beleibte, Lederhosen und Hüte mit Gamsbart tragende Männlein, und sie tun was? Sie trinken Weißbier, zuzln Weißwürste, grübeln und philosophieren. Ob wohl der Fremde, der zwischen ihnen lieber Wein als Bier trinkt, das Testwort „Oachkatzlschwoaf“ aussprechen kann? Ratlosigkeit und ein hervorgestoßenes „Ze fix“ erfolgen, als der das kann. Eine Palette mehr oder weniger liebenswürdiger Eigenschaften wird thematisiert und der Betrachter fühlt sich hintersinnig und gut unterhalten. Eine ganze Seite ist der Wurst gewidmet, die als Äquator ausgelegt ist, als Podium dient oder mit der Axt zuleibe gerückt wird, womit die Frage „schneiden“ oder „zuzln“ kurzerhand beantwortet ist.

Genauer Beobachter

Mit Ideenreichtum und spitzer Feder gestaltet Tomschiczek seine Satiren. Ernster ist es um die Gestalt bestellt, die mit schreckverzerrtem Gesicht vor einem sich schlängelnden Stromkabel mit Riesenstecker flieht – satirischer Hinweis auf die im Südosten Bayerns geplante „Stromautobahn“. Dass Tomschiczek außerdem ein genauer Naturbeobachter ist, bezeugen mehrere akribische Zeichnungen von Kleinlebewesen.

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Regina Marmaglio und Boris Tomschiczek haben ihre Ausstellung „Echokammer“ genannt. Die beiden Künstler möchten mit ihren Positionen – wie im Tonstudio – einen Hall erzeugen und verstärken. Das ist ihnen geglückt.

„Oachkatzlschwoaf“, Zeichnung von Boris Tomschiczek. Tomschiczek

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