In Rosenheim ausverkauft

Rosenheimerin Raphaela Höfner hat ihren ersten Roman geschrieben und sich einen Wunsch erfüllt

Sehr sympathisch und gleichzeitig selbstbewusst präsentiert Raphaela Höfner ihren Roman, der während des Dritten Reichs in Rosenheim spielt. Es ist der Auftakt zu einer Trilogie.
+
Sehr sympathisch und gleichzeitig selbstbewusst präsentiert Raphaela Höfner ihren Roman, der während des Dritten Reichs in Rosenheim spielt. Es ist der Auftakt zu einer Trilogie.

Raphaela Höfner (33) macht zurzeit Furore mit ihrem Debüt-Roman „Von Liebe und Hoffnung“ (Rosenheimer Verlagshaus), der die Liebe zwischen dem Mädchen Hannah und dem jüdischen Jungen Jacob mitten in der NS-Zeit in Rosenheim erzählt.

Rosenheim – Als „spannende, mitreißende und gleichermaßen emotional einfühlsame Geschichte“ lobte der OVB-Kritiker diese historische Liebesgeschichte. Der Verkauf des Romans „beginnt nach oben zu schießen“, verkündet der Verlagsleiter Klaus G. Förg, und Raphaela Höfner selbst sagt, die erste Auslieferung in den Rosenheimer Buchläden sei schon verkauft.

Tochter einer Eishockey-Legende

Die Autorin trägt einen in Rosenheim nur zu bekannten Namen: Sie ist die Tochter der Eishockey-Legende Ernst Höfner, der den Sportbund Rosenheim als Spieler und dann als Trainer an die Spitze des deutschen Eishockeys führte. In den Räumen des Rosenheimer Verlagshauses haben die OVB-Heimatzeitungen mit ihr gesprochen. Sehr jung, sehr blond, sehr sympathisch wirkt sie, aber auch sehr zielbewusst.

Lesen Sie auch: Warum sich Isak Schilling in seinem Garten in Kiefersfelden eine Synagoge gebaut hat

Geboren ist Raphaela Höfner in Rosenheim, wo sie auch immer noch wohnt. Nach dem Abitur am Karolinen-Gymnasium hat sie in München Sport und Germanistik studiert und unterrichtet an einer Realschule in München. Schon als kleines Mädchen habe sie geschrieben, erzählt sie, mit sechs Jahren hat sie schon ihr erstes Buch verfasst, ein Bilderbuch mit Text im Stil des bekannten Kinderbuchautors Thomas Brezina, mit achtzehn Jahren einen Fantasy-Roman, beim Oberbayerischen Volksblatt hat sie ein Praktikum gemacht und wollte eigentlich Journalistin werden: Schreiben wollte sie schon immer. Mit zwölf Jahren hat sie „Das Tagebuch der Anne Frank“ gelesen und war ergriffen davon. Als 2010 ihr Großvater, ein Arzt, gestorben war und sie dessen Tagebücher gelesen hatte, war der Entschluss geboren, einen Roman über die NS-Zeit zu schreiben, die Idee mit der verbotenen Liebesgeschichte zwischen einem „arischen“ Mädchen und einem jüdischen Buben hatte sie damals schon.

Recherche im Rosenheimer Stadtarchiv

Hat das Germanistik-Studium dabei etwas genützt? „Das Studium selber nicht“, sagt Raphaela Höfner, „die Bekanntschaft mit den großen Klassikern aber schon“. Was hat ihr Eishockey-Vater zu ihrer Schriftstellerei gesagt? „I kannt’s net“, hat er gesagt. Er sei mehr der praktische Typ, der eher Sachbücher lese, aber er wird ihren Roman noch lesen.

Wie und wo hat sie für ihr Buch recherchiert? „Ganz am Anfang im Rosenheimer Stadtarchiv, da gibt’s viele Bücher über Rosenheim im Dritten Reich, im Internet kann man auch alle Seiten abrufen.“ Soldaten-, Zeitzeugen-Berichte hat sie gelesen und Dokumentarfilme angeschaut. Ein paar Szenen hat sie in Anlehnung an Erzählungen ihrer Großeltern geschildert: „Zum Beispiel der Satz im ersten Kapitel: ‚Hitler bedeutet Krieg!‘“ Eine alte Dame in ihrer Nachbarschaft hat ihr von ihrer Zeit als BDM-Mädel erzählt, von den Bergwanderungen, dem Zelteln mit Singen und Flaggenhissen.

Auch interessant: Sein Vater überlebte die Shoa: Der „rote Max von Waldkraiburg“ erlebt bis heute Antisemitismus

Hat sie sich zuerst einen Handlungsplan gemacht oder kamen die Handlungsverwicklungen erst mit dem Schreiben? „Ich bin der Mischtyp“, sagt Raphaela Höfner, „die Planungs-Strukturen mache ich mit der Hand in einem Schulheft, ein Grobgerüst mit Personenkonstellation und Handlungssträngen, jede Figur hat eine andere Farbe. Aber manchmal entwickelt sich während des Schreibens ein Charakter weiter, dann passe ich mein Handlungskonzept an. Das Schreiben passiert dann am PC.“

Wie lange hat sie an diesem Buch geschrieben? „Ich wollte alles in drei Teile teilen, weil es mir sonst zu oberflächlich geworden wäre. Dabei habe ich Tagebuch geführt, wie viele Seiten ich täglich geschrieben habe, wann ich was recherchiert und wann ich was angefangen habe. Insgesamt habe ich neun Monate an diesem Buch geschrieben.“ Wann schreibt sie? „Am Wochenende und in den Ferien. In den Ferien stell ich mir den Wecker schon ganz früh und sitze dann so zwischen sechs und halb sieben am Schreibtisch: Ich bin ein Morgenmensch und i brauch mei Ruah“, meint sie, ins Bairische fallend. Ein bewundernswert konsequentes Schriftstellerleben.

Historische Ereignisseeingearbeitet

Auf alle Fragen zum Roman gibt Raphaela Höfner schnell und sorgfältig Auskunft. Sie hat extra zwei handbeschriebene Seiten mitgebracht, auf denen sie die vielen tatsächlich stattgefundenen historischen Ereignisse aufgelistet hat, welche sie verwertet hat, von dem Hochwasser 1940 in Rosenheim über die sogenannte „Reichskristallnacht“ auch in Rosenheim bis zum Attentat auf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller.

Der böse SS-Mann im Roman heißt Erich Winter und kommt aus Ostpreußen. Warum? „Ich wollte, dass er eine andere Mentalität und damit eine Distanz zu den anderen Figuren mitbringt. Und es kommt auch noch eine andere Landschaft mit ins Spiel.“

Der zweite Teil der geplanten Trilogie, an dem die Autorin ebenfalls knapp neun Monate geschrieben hat, kommt wahrscheinlich im Herbst heraus. Zwei Wochen Schreib-Urlaub hat sich Raphaela Höfner gegönnt. In den Osterferien beginnt sie mit dem letzten Teil. Ob alle Figuren überleben werden? Wir können uns jetzt schon auf die spannende Lektüre freuen.

Mehr zum Thema

Kommentare