Rätselraten über den Ortsnamen Gröb

Blick auf das relativ junge Gewerbegebiet „Auf der Gröb“.
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Blick auf das relativ junge Gewerbegebiet „Auf der Gröb“.

Reischenhart – An der Abzweigung von der alten B 15 kurz vor Reischenhart: „Auf der Gröb“ steht dort auf einem Schild.

Der Name einer Straße oder eines Dorfes? Betrachtet man die Beschilderung genauer, dann kann der Name „Auf der Gröb“ kein Ortsname sein. Nicht gelb, nicht grün ist der Wegweiser, sondern weiß. Und das heißt: Straßenname,

Florian Holzner von „Holzner Landtechnik“ erklärt: Die Straße mit dem Namen „Auf der Gröb“, an der wie viele andere Firmen auch die „Holzner Landtechnik“ liegt, gehöre zum gegenüberliegenden Dorf Aich. „Oach“ ist aber klar von dem Industriegebiet „Auf da Greeb“, wie es auf Boarisch heißt, getrennt, weil dazwischen die Staatsstraße nach Großholzhausen und Bad Feilnbach liegt. Außerdem sei „Auf der Gröb“ ein noch ziemlich junger Bestandteil von Aich: Seine Firma, so Holzner, sei im Jahre 2006 die erste gewesen, die sich dort angesiedelt habe.

Jenseitsder Autobahn

Ganz aber passe der Straßenname nicht: So laute der Name des Geländes, auf dem sich das Industriegebiet befinde, im Volksmund zwar „Greeb“, aber in Wirklichkeit stimme das erst ab „enta (jenseits) da Autobahn“. Gemeint ist die A 93, die Inntalautobahn. Der Flurname, auf dem sich die heutige Siedlung befinde, laute aber eigentlich „Am Ammer“. Auch der eine der beiden nahen Bäche heiße nicht etwa Gröbenbach, sondern Ammerbach.

Und damit kommen wir zu Maria Bothe aus Großholzhausen. Sie erzählt von ihrem väterlichen Bauernhof, dem Anwesen „Beim Haagl“ (helles a), zu dem vor der Flurbereinigung in den 1960er-Jahren ein Feld namens „Auf der Ammer“ gehört habe.

Auffällig ist hier die sprachliche Parallele: Beide Flurnamen sind offenbar weiblichen Geschlechts und werden mit einer Ortsangabe („auf der“) näher gekennzeichnet. „Ammer“ leitet sich entweder vom „Amer“, dem Dinkelweizen, her oder von einem keltischen Wasserwort „Ambra“ im Sinne von „fecht“. Dieses ist zudem weiblich, was gut zur Bezeichnung „Auf der Ammer“ passen würde. Die Namenskombination „Am (= an dem) Ammer“ würde dagegen eher auf den männlichen „Amer“ hinweisen.

Entscheidend ist wohl die Beobachtung von Maria Bothe, wonach das Gelände hier stets sehr feucht und nass gewesen sei; gegenüber, im „Eglsee“ genannten Feld, sei das sogar bis heutzutage der Fall.

„Auf der Ammer“ scheint geklärt; aber was bedeutet „Auf der Gröb“? In „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ erwähnt der Autor Hans Meixner die Namen „Greben“ bei Bernau und „Gröben“ bei Hittenkirchen. Er stellt sie zum Begriff „Graben“. Dieser hatte aber, so Meixner, in althochdeutscher Zeit (750-1050) im Dativ (3. Fall) neben „graben“ auch die (umgelautete) Form „greben“. Und: Laut dem „Schmeller“ kann ein Graben ein Rinnsal oder Wetterbach oder sogar eine Quelle sein, die sich ihr Bett quasi selbst gegraben hat. Kein Wunder also, wenn es hier „auf“ (= oberhalb) statt „in“ der Gröb heißt.

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