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Festspiele Erl

Posaunenglöckchen und Sternenstaub

Das Wiener Posaunenensemble mit dem Cimbasso und Franz Hackl (ganz rechts).
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Das Wiener Posaunenensemble mit dem Cimbasso und Franz Hackl (ganz rechts).

Viele hatten sich anscheinend von dem Konzert-Titel „Winterreise“ bei den Tiroler Festspielen Erl etwas anderes, vielleicht sogar Schubert-gemäßes erwartet. Was der in Schwaz geborene, aber international tätige Jazz-Trompeter Franz Hackl den Zuhörern bot, überforderte (oder langweilte?) so manche.

Erl – Die verließen am Ende in Scharen den Saal, auch, weil das Konzert zeitmäßig ziemlich ausuferte. Als Duett begann’s, als Septett endete es: eine Addition der Musiker, aber ein Pluralismus der Stile. Die ersten beiden waren immer dabei: Franz Hackl und der Pianist Leo Genovese aus Argentinien. Beim einleitenden Stück „Abblasen Revisited“ von Franz Hackl zeigte sich dessen Herkunft vom klassischen Trompetenspiel, das Thema basierte auf einem Thema des barocken Komponisten Gottfried Reiche, hypertrophierte aber schnell ins Jazzige. Zwei Stücke verarbeiteten, verfremdeten bzw. dekonstruierten alpenländische Volkslieder, ein Stück („Ankara“) stammte von Lew Soloff, dem Lehrer von Franz Hackl in New York. Überall waren die blitzsauberen, weich angesetzten oder auch schneidend strengen Trompetentöne zu bewundern, noch mehr zu bewundern aber war das Klavierspiel von Leo Genovese.

Klangüppig und präzise

Der spielte immer leichtglitzrig virtuos, klangüppig und doch präzise im Vollgriffigen, scharf gemeißelt im Rhythmus und dann wieder überfallartig stürmisch in Klangkaskaden. Zwei Stücke stammten von ihm, in „Ecstasy Beginners“ (die Titelvergabe ist immer eine Geschichte für sich, die Hackl in seinen Moderationen ausführlich ausbreitete) überzeugte Genoveses impressionistisches weich verhangenes Spiel, das den Trompeter zu ganz weichen Tönen zwang.

Dann kam der aus Linz stammende Dietmar Küblböck dazu, Soloposaunist der Wiener Philharmoniker. Beide wollten sich schier gegenseitig übertrumpfen in behutsamen Tönen in dem nachdenklich-versonnenen Stück „Abendsonne Revisited“ (wie gesagt: die Titelgebung…). Nach der Pause war deutliches Aufatmen der Zuhörer zu spüren, weil mit dem von Küblböck angeführten Wiener Posaunenensemble klassische Musik ertönte: Äußerst sauber und intonationssicher, extrem agil und spielfreudig interpretierten die fünf Posaunisten (der sechste hatte Grippe) Mozarts „Zauberflöten“-Ouvertüre: sauber und fein wie die Glöckchen in der Zauberflöte – Posaunenglöckchen eben.

Blumenduett und Walzer

In dem walzerwendigen „Je veux vivre“ aus der Oper „Romeo et Juliette“ von Charles Gounod war ein Cimbasso, eine Kontrabass-Ventilposaune, mit von der Partie, im Blumenduett aus „Lakmé“ von Léo Delibes schwelgten zwei Basstrompeten melodisch, den Blumenwalzer aus Tschaikowskys „Nussknacker“ vermixten die Posaunisten vergnügt mit den Tulpen aus Amsterdam und mit dem fein gespielten „Crystal Silence“ von Chick Corea leiteten sie über zum Schluss des Abends. Dieser nun verleitete viele zum Verlassen des Saals: Drei Stücke, komponiert von Franz Hackl für alle sieben Instrumentalisten, waren hochkomplexe, überaus intellektuelle Jazz-Musik. „Cosmic Roses“ sind Sternennebel, die wie Rosenblüten aussehen (ja, die Titelgebung…),Rose heißt Hackls Frau: Dieser sind die lyrischen Teile des gleichnamigen, nicht enden wollenden Stücks gewidmet, sie wechselten sich ab mit heftigen Sternenstürmen aus Sternenstaub: wahrlich Musik aus dem Kosmos. Das zweite Stück, „Almost & Knocked Out“- begann ruhig und verhalten und steigerte sich dann in Intensität und auch Lautstärke, das dritte mit dem Titel „Half Price Sushi Blues“ hatte wegen seiner beswingten Rhythmik Rausschmeißer-Charme.

Kleine Flügel für Verbliebene

Als Zugabe nach drei Stunden anstrengender Jazzmusik schenkten die sieben Musiker den noch verbliebenen Zuhörern „Little Wing“ von Jimi Hendrix als Bläserchor.

Red.

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