Szenische Lesung und Gstanzl bei "Prienadonna" in der Priener "Hazienda"

Polt-Charaktere zum Leben erweckt

Man liest und singt Polt (von links): Hansi Anzenberger, Katharina Schwägerl, Dieter Fischer und Ina Meling. Foto Berger
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Man liest und singt Polt (von links): Hansi Anzenberger, Katharina Schwägerl, Dieter Fischer und Ina Meling. Foto Berger

"Man liest Polt" hieß das jüngste Programm, initiert von "Prienadonna - Die Kulturbühne am Donnerstag" in der Priener "Hazienda". Veranstalter Tom Kress nannte es eine Art "Geisterbeschwörung" an die "lebende Legende" Gerhard Polt.

Doch wer von den Zuschauern geglaubt hatte, es würde sich dabei um das Vorlesen von Polt-Texten handeln, wurde von Ina Meling und Dieter Fischer eines Besseren belehrt. Sie warteten mit ihren eigenen Texten auf und erweckten überzeugend und grandios die unterschiedlichsten Figuren und Charaktere des Gerhard Polt zum Leben.

In zahlreichen bayerischen Produktionen wie "Weißblaue Geschichten", "Der Kaiser von Schexing" oder "Die Rosenheim-Cops" hatten sie bereits von ihrem bairisch-komischen Talent überzeugt und brachten das auch in ihrem Programm, "Man liest Polt", zum Ausdruck.

Vor allem Dieter Fischer drückte sich in der für Polt typischen umständlichen und schwerfälligen Art aus. Wie Polt griff er "in aller Unschuld" so prekäre Themen auf, wie den "geimpften Import" von Thailänderinnen durch deutsche Männer und machte sich über die perversen "Adventure-Trips" der Deutschen lustig.

Am überzeugendsten waren Meling und Fischer jedoch, wenn sie in den ganz alltäglichen deutschen Wahnsinn schlüpften - so in die Rollen eines Vaters und einer Mutter, die ihre Sprösslinge beim Tennis coachten. Da fielen schon ziemlich derbe Schimpfwörter wie "Hämorrhoiden-Pritsche" von Seiten des Vaters.

Umwerfend komisch war auch die Geschichte von Heinz-Rüdiger, der überall verloren ging, selbst beim Münchner Oktoberfest, und wurde dann vom Roten Kreuz heimgebracht. Ein Höhepunkt war "Yvonne, mach‘ einen Purzelbam" mit dem Erna-Singerl-Organ von Ina Meling. Sie glänzte ebenso in ihrer Rolle als Leiterin des Dr.-Hundhammer-Gymnasiums. In ihrer Rede am Grabe der dritten Selbstmörderin an ihrer Schule verwechselte sie andauernd die Vornamen. Lachstürme entfachte Fischer mit seiner Ansprache als Gebirgsschützen-Kommandant.

Ergänzt wurden die beiden Meister des hintergründigen Humors musikalisch von Hansi Anzenberger, auch an der Klarinette, und Katharina Schwägerl. Ihre Lieder, Gstanzln und Jodler handelten aber nicht nur von der heilen bayerischen Welt, sondern auch von Imigrations-Problemen. Bei "Achmed muss nach Hause" stimmten auch Meling und Fischer mit ein. So war das gesamte Programm ein Gesamtkunstwerk voller Komik mit sehr viel Tiefgang.

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