Poetische Bilder von großer Magie

Ein Harlekin lauscht mit geschlossenen Augen der Botschaft einer Hummel: „Mimikry“, Öl auf Leinwand, von Stefan Kleinhanns. bößwetter

Bad Aibling – „Und die Welt hebt an zu singen, kennst Du nur das Zauberwort“ – diese Gedichtzeilen von Eichendorff kommen dem Betrachter beim Anblick der Gemälde von Stefan Kleinhanns in den Sinn.

Alle in den Werken abgebildeten Personen scheinen auf der Suche nach ihrem eigenen Zauberwort zu sein. Oder haben sie es soeben vernommen?

Es sind poetische Bilder von großer Magie, die sich schwer einordnen lassen, wobei die Bezeichnung „magischer Realismus“ ihnen am nächsten kommt. Die Gestalten im Bild – häufiger männlich und oft ein Abbild des Künstlers – tun rätselhafte Dinge, wirken dabei aber unangestrengt und zufrieden.

Ein kleiner Junge mit zwei spitzen Papierhüten, die ihm wie Ohren vom Kopf wegstehen, denkt versonnen darüber nach, ob er seine Rolle als Kind noch weiterspielen möchte. Dies verrät uns der Titel „Revolutionary Kind“. Hat er gerade das Zauberwort für sein weiteres Leben gefunden? In einem großen Gemälde stehen zwei Männer und schauen durch lange, schlanke Industrierohre zum Mond (Luna II). Warum sie dabei im Wasser stehen und ob sie mit ihren dünnen Rohren überhaupt etwas sehen, bleibt den Vermutungen des Betrachters überlassen. Im Bild „Mimikry“ lehnt ein Mann im Harlekinsanzug an einer Wand und lauscht mit geschlossenen Augen dem Flug einer Hummel. Sein Gesichtsausdruck ist so intensiv, dass man meint, sie vermittle ihm gerade sein Zauberwort.

Immer ist es ein besonderer Augenblick, den der Maler darstellt. Er bedient sich in all seinen Arbeiten der Technik Öl auf Leinwand, in seltenen Fällen auf Holz. Nach seinen eigenen Worten weiß er zu Beginn oft nicht, wohin die angefangene Gestaltung ihn führen wird. Er legt Schicht über Schicht auf die Leinwand, malt und übermalt, lässt dabei einige Farbinseln stehen. Aus diesen kristallisiert sich langsam ein Bild heraus, und so ist der Ausstellungstitel „Vom Suchen und Finden“ nicht nur den Bildthemen, sondern auch der Arbeitsweise angemessen.

Dass die einzelnen Farbaufträge durchlässig sind, gibt den Arbeiten Tiefe. Die dargestellten Personen sind korrekt, leicht altmodisch gekleidet und dadurch an keine Epoche gebunden. So verleiht Stefan Kleinhanns ihrer Existenz eine dauerhafte Gültigkeit. Die Ausstellung im alten Feuerwehrgerätehaus in Bad Aibling ist bis zum 22. März am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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