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PRIENER KULTURSOMMER

Perfekte Balance zwischen Cello und Klavier im Priener Chiemsee-Saal

Bestechendes Zusammenspiel: Christoph Declara (Klavier) und Leonhard Roczek (Cello) beim Priener Sommerkonzert.
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Bestechendes Zusammenspiel: Christoph Declara (Klavier) und Leonhard Roczek (Cello) beim Priener Sommerkonzert.
  • VonElisabeth Kirchner
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Cellist Leonhard Roczek und Pianist Christoph Declara – beide solistisch wie auch in unterschiedlichsten Besetzungen auf internationalen Bühnen zu Hause – begeisterten im Chiemsee-Saal mit einem kammermusikalischen Programm von Klassik bis zur Moderne.

Prien – Mit „Sieben Variationen über ‚Bei Männer, welche Liebe fühlen‘ aus Mozarts Zauberflöte“ von Ludwig van Beethoven wahrte das Duo explizit den Liedcharakter. Jede Variation voller brillantem und geistreichem Glanz, mal sensibel und romantisch, mal sentimental und tänzerisch, mal mozartesk-leicht und mit finalem fortissimo: Das war ein Hochgesang auf die Liebe, kunstvoll und meisterlich dargeboten.

Mit Robert Schumanns Fantasiestücken für Violoncello und Klavier op 73, ursprünglich für Klarinette und Klavier komponiert, setzten Roczek und Declara das nächste Ausrufezeichen. Groß im Ton, draufgängerisch, einfühlsam, temperamentvoll, transparent – im Zusammenspiel von Cello und Klavier zeigte sich die ganze Pracht der Fantasie. Roczek überzeugte mit Weichheit und goldenem Ton in den gesanglichen Passagen und mit Wendigkeit und Schnelligkeit im Schlusssatz. Declara war nicht minder bestechend mit fein austariertem, elegant-perlendem und expressiven Spiel am Flügel.

Musik der Komponistin Henriëtte Bosmans

Dass es schade sei, dass weibliche Komponisten bislang nicht ausreichend in den Konzertsälen der Welt gewürdigt werden, monierte Declara in der Ansage für das nächste Stück. Bei den Erika Frieser Kammermusiktagen in Salzburg dieses Jahr hatten er und Roczek die holländische Komponistin Henriëtte Bosmans (1895 bis 1952) für sich entdeckt. Dass es sich lohnt, Komponistinnen mehr Gehör zu verschaffen, zeigte sich in der 1919 komponierten Sonate für Violoncello und Klavier.

Einem Rachmaninov würdig waren die mächtigen, prächtigen Klänge im ersten und finalen Satz, an Mahler erinnerte so manche ruhigere Passage, und doch lohnte es sich, die Sonate auf sich wirken zu lassen, waren die vier Sätze doch voller Harmonie und klanglicher Überraschungen. Expressiv, romantisch, da waren sphärische Momente mit sinnlichen Harmonien, dort wurde es zingaresk-schnell – die gute Balance zwischen Cello und Klavier sprachen aus jedem Takt und jedem Ton.

Wunderwerk an Minimalismus

Zum Abschluss stand noch Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ auf dem Programm. Tonleiterbewegungen in Geige und Dreiklangsstrukturen im Klavier – alles in F-Dur und um den zentralen Ton a‘ im Glocken-Stil angeordnet. Während das Cello sich langen Tönen hingibt, die sich in vier Richtungen vom Zentralton a wegbewegen oder zu ihm hinführen, passt sich das Klavier einerseits der Cellostimme an, liefert aber andererseits das Prinzip Dreiklang als Gegensatz und als Hintergrund zur Tonleiter. Ein Wunderwerk an Minimalismus und an strengem Konstruktivismus, und gerade deshalb herausfordernd. Ruhe, Stille, Innigkeit, Andacht pur, da brauchte es keine Zugabe, das war genau richtig für eine kammermusikalische Sternstunde.

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