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Premiere in Thiersee

Passionsspiel Thiersee: Was macht Christus im Totenreich?

Die Kreuzigungsszene umrahmt von beleuchteten Stefansbögen, die sich im von Regisseur Norbert Mladek neu gestalteten Bühnenbild eindrucksvoll wiederfinden. Der Bühnenboden öffnet sich zu einem Davidstern, der eine virtuelle Dornenkrone bildet.Alex Gretter
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Die Kreuzigungsszene umrahmt von beleuchteten Stefansbögen, die sich im von Regisseur Norbert Mladek neu gestalteten Bühnenbild eindrucksvoll wiederfinden. Der Bühnenboden öffnet sich zu einem Davidstern, der eine virtuelle Dornenkrone bildet.Alex Gretter
  • VonEva-Maria Gruber
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Das ist wirklich eine Frage, die sich stellt: Was macht Christus nach seinem Tod am Kreuz drei Tage im Totenreich? Die Passionsspiele Thiersee, die am Sonntag, 12. Juni, eröffnet wurden, geben eine Antwort darauf.

Thiersee - Jesus Christus tritt den Verstorbenen gegenüber – von Angesicht zu Angesicht. Auferstehung von den Toten – das Schlüsselelement dieses Passionsspiels. Kein Wunder, dass sich der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der die Festmesse zur Eröffnung hält, dieser Thematik zur Einstimmung auf das Kommende annimmt. Wenn man in diesem Leben alles habe, wozu braucht es da eigentlich ein Leben nach dem Tod?, so sein provokanter Ansatz und er prägt noch schneidender das Wort „Auferstehungsmüdigkeit“. Davon kann in Thiersee keine Rede sein: Der Südtiroler Toni Bernhart, der die neue Passion geschrieben hat, stemmt sich mit einem eigenen Akt dagegen.

Parforceritt durch die Bibel

Ein anspruchsvoller Parforceritt durch die Bibel erwartet die Besucher der Passion und fordert die 200 Darsteller der Thierseer Passion. Es fließen nicht nur Passagen aus der Einheitsübersetzung der Bibel aus dem Jahr 2016 ein, sondern zum Beispiel auch Zitate aus dem Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe, aus dem Peter-Hille-Buch oder dem Gedicht „Mein blaues Klavier“ von Else Lasker-Schüler. Zusätzlich hat sich Bernhart an Schriften orientiert, die nicht Eingang in die Bibel gefunden haben: „Aus den apokryphen Evangelien übernehme ich Ergänzungen, die ungewohnte und überraschende Sichtweisen auf das Leben Jesu eröffnen“. führte er im Vorfeld aus. Und Bernhart bietet sozusagen Christus hoch 3: als Kind, als erwachsenen Mann und als Auferstandenen. Ebenso zeigt sich der Teufel in doppelter Gestalt´: jung und alt. Der Literaturwissenschaftler löst mit seiner Neufassung den fast 100 Jahren bestehenden Text von Jakob Reimer ab. Mit einem Prolog baut Bernhart seinen Vorgänger sogar in die Neuinszenierung ein. „Lies die Schriften“, sagt Jakob Reimer zu Beginn in seinem Prolog.

Das ist das Fundament des Glaubens. Dann ist es an jedem Einzelnen, Glauben zu vertiefen, ihn umzusetzen, ihn zu erfahren.

Das stellen die Thierseer in einer beeindruckenden Ensembleleistung in insgesamt 24 Begegnungsgeschichten mit Jesus Christus dar. Erhöht wird das Geschehen mit ebenfalls neu komponierter Musik von Josef Pirchmoser (hier sei besonders hervorgehoben das gemeinsam gesungene Vater Unser).

Urgrund der Passion

Ein Blick zurück auf den Urgrund der Thierseer Passion. Vor über 200 Jahren gelobten die dortigen Bauern das Leiden und Sterben Christi auf die Bühne zu bringen, wenn das Tal vor Plünderung und Krieg verschont bleibt.

Gleich zwei Teufel sorgen beim Passionsspiel in Thiersee für Zwietracht.

Das Tal blieb verschont und seither wird alle sechs Jahre gespielt - sogar der Corona-Pandemie ist es nicht gelungen, diesen Rhythmus zu unterbrechen. Und seither hat sich die Welt nicht wirklich gewandelt: Krieg, Terror, Leid, Krankheit, Tod bestimmen weiterhin den Lebenslauf vieler Menschen.

Es hat ein Ende!

„Kommt alle mit! Es hat ein Ende“, ruft Adam im Thierseer Passionsspiel über den See. All‘ das hat ein Ende mit Jesus Christus?!? All das soll ein Ende haben mit, durch, in Jesus Christus? Allen Zweifeln zum Trotz: „Ich hielt meine Blicke fest auf den Gefundenen gerichtet.“ Ein Zitat aus Else Lasker-Schülers Peter-Hille-Buch wird zum wegweisenden Element im wegweisenden Auferstehungs-Akt des Passionsspiels.

Der auferstandene Christus wird von Maria Magdala in Grabnähe als solcher erkannt. Die Welt jedoch kann nur schwer mit dem Glaubenssatz „Er ist auferstanden!“ umgehen. „Es wird schwierig“, antwortet der Apostel Jakobus am Seeufer – natürlich am Ufer des Thiersees – in weiser Vorahnung. Mit der Himmelfahrt von Jesus als Kind und Jesus als Auferstandenen schließt sich der Erzählbogen des Passionsspiels.

Blick in die Zukunft

Zukunftsweisend solle die Neuinszenierung sein, setzte sich Bernhart zu Beginn seiner Arbeit vor etwa zwei Jahren als Ziel. Ist sie das? Die Erwartungshaltung der Passionsspielbesucher soll sie erfüllen. Welche? Die Hoffnung auf Rettung und Erlösung? Blicken wir noch einmal auf Jesus im Totenreich, beides ist dort gegeben: Jesus tritt den Verstorbenen von Angesicht zu Angesicht gegenüber, lichtet den Schleier des Todes von ihrem Gesicht: und erweckt zum Leben.

Rückblenden und Einschübe

Anspruchsvoll und herausfordernd ist die Neuinszenierung. Ohne Textheft, das zur Premiere noch nicht gedruckt war, verlieren sich jedoch die vielen Rückblenden und Einschübe von bibelfernen Zitaten im Fortgang der Geschichte. Irritierend, aber auch verstörend ist das Spiel – wenn sich etwa die Jünger beim letzten Abendmahl munter zuprosten oder es Adam im Totenreich offenbar als Hinweis darauf, dass bald Großes passieren wird, „im linken Zeh juckt“. Zum Gaudium verkommt die Aufführung, wenn ein vertrottelter Herodes bei einer Champagnerparty Salome den Wunsch erfüllt, Johannes den Täufer köpfen zu lassen. Religiös weniger behaftete Menschen kann man damit vielleicht „ins Boot“ holen, Glauben vertieft und Auferstehungsfreude weckt man so nicht. Vielleicht verlässt man deshalb seltsam unberührt das Theaterhaus am See.

*Bis 2. Oktober kommt die Passion am Freitag, Samstag und Sonntag zur Aufführung. Termine und Spielzeiten sind der Webseite www.passionsspiele-thiersee.at zu entnehmen. Tickets können online reserviert werden.

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