Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Papageno isst Weißwürste

+

Ein Riss geht durch die Welt. Drei Knaben versuchen vergeblich, ihn zu schließen.

Doch erst am Ende, als das hohe Paar vereint ist, schließt sich der Riss von selbst: Nur die Liebe und die Weisheit können die Welt retten. Marcus Schneider greift mit dieser universalen Interpretation der „Zauberflöte“ hoch – und schuf eine lebendige, farbige und in hohem Sinne heitere Version dieser so oft schon gehörten Oper. Es war eine Inszenierung des „Freien Landestheater Bayern“, die im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum fast erst nicht starten wollte, weil der Papageno eine Reifenpanne hatte. Doch wie im Märchen ging alles gut aus, Papageno stürmte gleichsam aus dem Auto auf die Bühne, und es war, als würde diese Fast-Panne alles beflügeln und auch die sehr vielen Zuschauer, darunter viele Kinder, in aufmerksame Aufregung versetzen. Jedenfalls ließ die Spannung nie nach.

In dieser Inszenierung nahmen die drei Knaben eine heimliche Hauptrolle ein: Nach der gescheiterten Weltrettung zu Beginn rissen sie sich ihre Wallegewänder vom Leib und führten in Lederhosen als kesse Knaben durch die Handlung, mimten die grässliche Schlange, schickten Tamino und Papageno auf den richtigen Weg, hielten Pamina vom echt gemeinten und Papageno vom nur halb versuchten Selbstmord ab, wobei sie den Baum, an den Papageno sich knüpfen wollte, als Aufblas-Baum im Rucksack hatten: Das naiv-kesse Knabentum als Führer durch Welt hat Charme, der auch die schönen Stimmen von Yvonne Steiner, Rahel Kupke und Carolin Ritter prägte.

Papageno als Vertreter des epikuräisch-sinnlichen Menschseins hat Lederhosen an, spricht unverfälschtes Bairisch und kriegt sogar Weißwürste und eine Mass Bier kredenzt, die er, zum staunenden Gaudium der Zuschauer, in fast einem Zug leert. Wolfgang Wirsching macht mit viel Temperament, gemütlichem Bäuchlein und leicht beweglichem Bariton aus seiner Rolle eine echte Volkstheater-Wurzn. Sein Glockenspiel lässt sogar die Schergen des Monostatos (mit hellem Tenor: Martin Fösel) zwangsweise schuhplatteln und watschentanzen: Wer tanzt, ist harmlos. Nastasja Neumann passt als Papagena mit quicklebendigem Sopran sehr gut komplementär dazu: In dieser Ehe weiß man, wer die Hosen anhat.

Die speerbewehrten drei Damen zeigen schwarze Netzstrümpfe unter ihrer Uniform, was der angedeuteten Erotik im Wettstreit um Tamino Zunder gibt, und zetteln am Ende eine kurze Schlacht mit den Weisheitstemplern an. Tadellos singen hier Valentine Descheneux, Elisabeth Neuhäusler und Christina Millauer. Die sternflammende Königin (mit genau gestanzten Spitzentönen: Doris S. Langara) tritt unter Donner und Blitz auf, die Berge öffnen sich für sie mit ihrer Glitzerkrone und Silberzepter, in dem der Dolch für Tamino versteckt ist. Echter Schmerz steht in ihrer Auftrittsarie in ihren Zügen, ihre Spitzentöne erreicht sie mit sportiver Attacke, ihre Rache-Arie ist von explosiver Rhythmik und überwältigend höllischer Energie. Dem Bass von Marcus Weishaar fehlen ein paar ganz tiefe Töne, aber er wirkt gebieterisch-streng und lenkt sein Vernunft-Imperium mit Weisheit. Beide gehen am Schluss gemeinsam ab: als Paar? Liebe überwindet alles.

Bleibt das hohe Paar: Selten hört man einen so leichten, mühelosen und doch feurigen Tenor wie den von Adam Sanchez, der noch dazu herrlich prinzlich ausschaut. Seine Bildnis-Arie hatte Glut und Feuer: In so einen strahlenden Mann muss sich Pamina ja verlieben. Ihre schmerzliche g-Moll-Arie, bei der sie meint, ihr Prinz liebe sie nicht mehr, lebt von einem geradezu himmlisch-innigen klagenden Piano. Beider Duette sind singende Liebesbeweise, die wahrlich die Welt retten können.

Einen großen Anteil am so vergnüglich abrollenden Geschehen hat Rudolf Maier-Kleeblatt am Dirigentenpult: Mit immer vorantreibenden Tempi blies er jedes zu große Pathos und jede bloße Betulichkeit aus der Musik, ließ diese lebendig beben und schaffte es, dass die Füße oft heimlich mitwippten: Man hörte, dass viel dieser Mozart‘schen Musik aus der alpenländischen Volksmusik kommt. Sein auf allen Pulten gut besetztes Orchester spielte klangsatt, aber ganz anschmiegsam und sängerdienlich. Im Nu ging diese „Zauberflöte“ vorüber und mit einem Lächeln ging man nach Hause: Diese Welt kann man retten. Zumindest für ein paar Stunden, und dann mit Mozart.

Kommentare