Volksbühne St. Nikolaus spielt "Zirkus - Zirkus" von Georg Maier

Othello und die Schnapsdrossel

Mit dem Schmied (Günter Schmid, links) legt man sich am besten nicht an. Das müssen auch die trinkfeste Magd Aphra (Doris Sebald) und der vagabundierende Zirkusmensch Buale (Richard Martl) erfahren.  Foto Sieberath
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Mit dem Schmied (Günter Schmid, links) legt man sich am besten nicht an. Das müssen auch die trinkfeste Magd Aphra (Doris Sebald) und der vagabundierende Zirkusmensch Buale (Richard Martl) erfahren. Foto Sieberath

Für ihr Frühjahrstheater im Künstlerhof am Ludwigsplatz hat sich die Volksbühne Rosenheim St. Nikolaus ein Stück von Georg Maier, dem Chef der Münchner Iberl-Bühne, ausgesucht: "Zirkus - Zirkus". Es spielt nicht im Zirkus, wie der Titel vermuten lässt, die beiden Hauptpersonen sind nur Mitglieder eines Wanderzirkus', die wegen eines Achsenbruchs ihres Karrens Unterschlupf in einer Schmiede nahe der tirolerischen Grenze suchen. Allerdings beherbergt diese Schmiede nicht nur eine Schnapsbrennerei, sie ist auch ein veritables Schmugglernest, worauf die Grenzpolizei auch schon ein misstrauisches Auge geworfen hat. So viel Handlung, wie man jetzt vermuten könnte, erwächst aus dieser Konstellation nicht, auch wenn es mit Mord und Totschlag endet. Aber das Stück bietet für gute Schauspieler gute Entfaltungsmöglichkeiten, die die "Nikoläuser" unter der sorgfältigen Regie von Richard Martl weidlich nutzen. Bedächtig und ausgiebig, fast episch breit, erzählend beginnt es, die Regie lässt den Charakteren viel Zeit, sich farbig-breit zu entfalten und lässt die Schauspieler ihr kerniges Bairisch Maier'scher Prägung körperhaft-plastisch modellieren.

Raffiniert-weltläufig und wortgewandt-gewitzt präsentiert sich Richard Martl als scheinbar welterfahrener Zirkusmann Buale, sein ihn rückhaltlos bewundernder Begleiter mit dem pompösen Namen Othello, der zu "Ottl" bajuwarisiert wird, ein Dompteur, der Zwergpudel befehligt, wird von Andi Brandmaier wirkungsvoll geerdet-naiv gespielt. Als Schnapsbrennerin brilliert Conny Stadler mit grauem Gewand und hantig-herbem Charme, Doris Sebald bietet als schnapsdrosselige Magd, die den "Schnaps als inwändige Morgenwäsch" anwendet, und "Gelegenheitsschlamperl" Aphra ihre, vom Autor so gewollt, verblühten Reize freigiebig dar. Martin Ruhstorfer muss als niedertrachtiger Grenzer immer statuarisch herumstehen und mit seiner - waffenlosen - Amtsgewalt drohen. Günter Schmid ist der Schmied: drohend in seiner Leibesfülle, die er bühnenraumfüllend einsetzt, dröhnend in seiner durchtrieben-langsamen Suada, verschlagen und "odraht", wie ihn die Schnapsbrennerin charakterisiert, in seiner aufreizenden Langsamkeit, die aber auch in gefährlich-hektische Aktivität umschlagen kann. Dieser schmuggelnde Schmied ist die heimliche Hauptperson.

Wie immer bei den "Nikoläusern" ist die Bühne (Franz Grießl) liebevoll gebaut, ein Schmugglernest aus rohen Brettern, die die rohen Bewohner trefflich einrahmen. Wie immer sind die Kostüme (Conny Stadler) sorgfältig ausgesucht und abgestimmt. Nur die bayerisch-schräge (Zwischen-)Musik kommt diesmal vom Band.

Das Premierenpublikum ließ sich von den farbigen Charakteren gerne gefangen nehmen, sah gespannt-gebannt zu und sparte nicht mit Zwischenapplaus.

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