Von Ort zu Ort: Einödhof beim Trojer – Was haben die Kelten damit zu tun?

Idylle beim Trojer-Bauern hoch über Kiefersfelden. Der Name ist keltischen Ursprungs.
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Idylle beim Trojer-Bauern hoch über Kiefersfelden. Der Name ist keltischen Ursprungs.

Durch die Giesenbachklamm führt der Weg zum Einödhof „Beim Trojer“. Dieser Name kann bei manchem Wanderer einen Teil seiner klassischen Bildung aktivieren: die kleinasiatische Metropole Troja, Paris, Helena, Kassandra, Priamos, Hektor, Achil oder das hölzerne Pferd. Was haben die Kelten damit zu tun?

Von Armin Höfer

Kiefersfelden

Aber anstelle der Königstochter und Wahrsagerin Kassandra meldet sich am Telefon des Bauernhofs „Trojer“ die Tochter des Bauern Anton Fuchs. Ob die kleine Sarah einmal Altgriechisch lernen wird, bleibt dahingestellt, aber ihr Bairisch hat einen Wohlklang, der auch dem Studioleiter von Radio Charivari, Andreas Nickl, gefallen könnte. Der Trojer-Bauer hat in Sachen Boarisch alles richtig gemacht, wie die Sprechweise seiner kleinen Tochter beweist.

Überdies gibt Fuchs auch wichtige Auskünfte über die Namensherkunft von „Trojer“. Der Hofname lautet „Bein/Beim Droana“, nicht „Trojer“. Die Bedeutung des Namens sei ein keltisches Wort für „Viehsteig“. Es gebe eine alte Schreibung „Troij“. Aber gänzlich falsch sei eine Schreibweise, die in manchen Wanderführern und sogar bei Behörden auftauche: „Troyer“.

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Anton Fuchs wird von der Wissenschaft fast vollkommen bestätigt: Hans Meixner nennt in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ die folgenden Schreibungen: „1224 ze Traian, 1250 apud Traian; ain Schwaig auf dem Trajen, ab dem trayen“. Auweh zwick! Da steht das Ypsilon! Aber nur dieses eine Mal!

Meixner erklärt den Namen folgendermaßen: „Eines der wandernden Alpenwörter, das von romanisch truoi stammend, ‚Fußweg, Weg am Bergabhang, den das weidende Vieh sich selbst tritt‘, bedeutet.“

Die Hausnummer des Trojer-Hofs war früher „Schöffau 218“. Die Siedlung Schöffau, gesprochen als „Scheffau“, taucht nach dem gaachen Abstieg vom „Droana“ unten im Tal auf. Hans Meixner liefert die Schreibungen „1224 Schefowe, 1280 Scheffawe“. Anhand von Schöffau bei Steinkirchen erklärt er diesen Namen mit „bei den schiefen, d. i. schräg ansteigenden Auen“. Genauso wird vom Innsbrucker Sprachforscher Professor. Peter Anreiter auch Scheffau am Wilden Kaiser gedeutet. Unser Schöffau führt direkt in die Ortschaft Paradies. Aber darauf kommen wir ein anderes Mal zu sprechen...

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