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Alter Jazz mit "Heye's Society" im kleinen Kursaal

Von New Orleans nach Prien

Vor mehr als hundert Jahren erklangen in New Orleans ungewohnte Töne, die 1917 erstmalig auf Schellack gebannt wurden. Um die Musik jener Zeit originalgetreu wieder aufleben zu lassen, haben sich renommierte Musiker zusammengefunden und ein hochkarätiges Ensemble gebildet.

Ihr Name ist dabei Programm: Aus dem Jazz-Standard "High Society" von 1901 bildete Heye Villechner, Bandgründer, Sänger und Schlagzeuger, das sechsköpfige Ensemble "Heye's Society". Drei melodische Linien prägen den New-Orleans-Jazz, die stilecht von einem Kornett (Toni Ketterle), einer Klarinette (Achim Bohlender) und einer Posaune (Christoph Wackerbarth) gespielt werden. Demgegenüber steht die Rhythmusgruppe mit Tuba (Leopold Gmelch), Klavier (Tino Rossman) und Schlagzeug (Heye Villechner).

In authentischer Besetzung und stilecht mit Anzug und weißem Hemd - lediglich die Fliege fehlte - erinnerte das Ensemble beim Konzert im kleinen Kursaal in Prien an die großen Namen, die den Jazz der damaligen Zeit prägten: Louis Armstrong, King Oliver, Duke Ellington oder auch Bix Beiderbecke, einen der ersten großen weißen Jazzmusiker und Nachfahre mecklenburgischer Einwanderer. Dass Jazz sowohl ein Zusammenspiel aller Instrumente als auch ein "Vor"-Spiel eines Solo-Instruments ist, wurde dabei deutlich und hörbar. Homophon, intonatorisch sauber und technisch versiert, so kann man das Zusammenspiel des 2014 neu gegründeten Ensembles beschreiben, und wenn man jedem Musiker dazu noch das Attribut Einfallsreichtum bei den jeweiligen Soli verleiht, dann ist damit eigentlich auch schon alles gesagt.

Viele Jazzliebhaber hatten sich im kleinen Kursaal versammelt und konnten schon nach den ersten paar Takten die Füße nicht mehr stillhalten, nahmen sie doch Heye Villechner und Toni Ketterle mit auf eine unterhaltsame Reise nach Amerika. Heye's Society begann stilecht - der Name verpflicht schließlich - mit "High Society" von Porter Steel aus dem Jahre 1901. Bei "Sweet Georgia Brown" von Ben Bernie von 1925 lebte sich großartig Posaunist Christoph Wackerbarth aus, Kornettist Toni Ketterle bekam sogar zwei Sternstunden. Einmal glänzte er mit der von Louis Armstrong hinzukomponierten Intro beim "Westend Blues" von King Oliver (1927) sowie beim "Davenport Blues" von Bix Beiderbecke (1925). Achim Bolender überzeugte mit seiner Klarinette bei "Avalon", der populären Melodie aus der Arie "E lucevan le stelle" von Giacomo Puccinis Oper Tosca. Tino Rossmann trat immer wieder solistisch am Klavier und auch als Sänger bravourös in den Vordergrund. Zum Schmunzeln war es, als er mit dem eingeblendeten Hintergrundbild von der Kussszene aus dem Schwarzweiß-Film "Lawrence von Arabien" als Sänger den Valentino gab.

Zusammen mit Heye Villechner am Schlagzeug, der auch die Band ins Leben rief, und dem Tubisten Leo Gmelch war immer für einen soliden, rhythmisch und harmonisch ansprechenden Rhythmus gesorgt. Lokalkolorit kam auf, als statt "That's my home" "Dahoam is dahoam" von Ben Ellison und Leo Rene (1932) erklang.

Unangestrengte Fröhlichkeit, lockere Ausstrahlung und dazu noch eine unaufdringliche Lautstärke, die man dieser geballten Bläsermacht so nicht zugetraut hätte, sind die Zutaten für das Erfolgsrezept von Heye's Society. Mit der Zugabe "What a wonderful world" von George D. Weiss (1967) verabschiedete sich das Sextett und entließ das "beswingte" Publikum in die dunkle Priener Nacht. elk

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