Orgelkultur in Mangelzeiten: Andreas Hellfritsch in der Wasserburger

In Coronazeiten ist Kultur Mangelware, und was Orgelkonzerte betrifft, so ist Musik aus diesem Metier außerhalb der kirchlichen Praxis sowieso für interessierte Hörer wenig zugänglich – in Wasserburg insbesondere, trotz manch schöner Orgel rundherum.

Wasserburg – Nun, die Orgel in der evangelischen Kirche ist eher von bescheidener Art, klein, ehrlich im Klang, nicht gerade einschmeichelnd, aber sie hat Charakter. So war es ein Glück, Andreas Hellfritsch, den Mentor hiesiger Laienorganisten und großen Chorleiter, für ein Konzert zu Gast zu haben. Er nutzte die für Chöre verordnete Pause dazu, ein Programm zusammenzustellen und bekam dafür Gelegenheit, das Christuskirchen-Instrument nach allen stilistischen Möglichkeiten auszuloten.

Das Instrument blühte in den Oberstimmen auf, in der Tiefe gab das neue Zungenregister seine sonore Basis zu erkennen. Frühbarock über Johann Sebastian Bach bis heute – so das bunte Programm.

Barocker Übermut

Gleich zu Beginn war die musikalische Grundgestimmtheit des Organisten zu erkennen: Bei Hellfritsch scheint dies profunde Lebensfreude und -kraft zu sein, und so ließ er in barockem Übermut die Töne hupfen, wo andere Organisten vielleicht in sakraler Gedankenschwere verharren.

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Doch bei den Choralbearbeitungen der Barockkomponisten trat eine andere Seite zum Vorschein: Vor allem in Bachs „Oh Mensch bewein dein Sünde groß“ strahlte dieses Passionsklagelied in großer Innigkeit tröstliche Zuversicht aus. Frühbarocker Ernst herrschte auch bei Samuel Scheidt, und Buxtehude, Johann Gottfried Walther liegen dem Musiker aus Bad Aibling von Natur aus – dabei kam solches dem Charakter der Orgel in besonderer Weise entgegen.

Spätromantische Wucht

Die Fantasie zu „Nun danket alle Gott“ von Siegfried Karg-Elert allerdings bedarf in ihrer spätromantischen Wucht einer größeren Orgel und eines gewissen aufweichenden Nachhalls – aber warum sollte auch eine kleine Orgel nicht mal „ihre Muskeln zeigen“ dürfen!

Doch nach solchem Kraftakt präsentierte Andreas Hellfritsch den in respektvollem Abstand postierten Zuhörern noch eine Zugabe: Bachs „Air“ – wohl aus dem Stegreif dreistimmig in Pedal und Manualen – das war jetzt ein anrührender Abschluss, und vielleicht hat mancher dieses musikalische Kleinod noch nie so schlicht und doch eindrucksvoll zu hören bekommen.

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