Die Orgel tanzt, jazzt und fetzt

Johannes Eppelein ließ die Orgel tanzen.
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Johannes Eppelein ließ die Orgel tanzen.

Kolbermoor – Wie ausgehungert nach Musik wirkten die Zuhörer beim ersten Orgelmittwoch in der Kolbermoorer Kirche Wiederkunft Christi nach der Corona-Pause.

Die maximal zulässige Anzahl der Besucher war schon eine Woche vorher erreicht. Eigentlich hätte Anthony Burns aus England gastieren sollen, nun war es ein geografisch wesentlich näherer Organist: Johannes Eppelein aus Rosenheim. Der wollte mit seinen drei Stücken die ganze Klangfarbenpracht der Frenger-&-Eder-Orgel zeigen und präsentierte deshalb einen französischen Komponisten für den romantischen Klang, ein Bach-Stück für den strengeren Barock-Stil und einen modernen Jazz-inspirierten Komponisten. Sein Ziel hat er erreicht, die Zuhörer applaudierten am Ende hochbegeistert und ausgiebig.

Orchestral und pianistisch zugleich wirkt die erste von acht Orgelsonaten von Alexandre Guilmant (1837 bis 1911) – kein Wunder, war dieses Werk doch ursprünglich für Orgel und Symphonieorchester komponiert und dann erst für Orgel solo umgearbeitet worden. Eppelein spielte den ersten Satz daraus. Nach massiven verminderten Dreiklängen in festlich punktierter Rhythmik erscheint das machtvoll ausschreitende, 25 Takte lange Thema im Pedal und wird dann von einem süß singenden Seitenthema abgelöst. Eppelein ließ dieses Seitenthema zart anschwellen und sanft wieder zurückweichen: echt romantische französische Klangentfaltung.

Choralthemenblitzten auf

In der Partita über „Christ, der du bist der helle Tag“ BWV 766 von Bach demonstrierte Eppelein aufs Glänzendste, wie aus dem Zusammenspiel von kontrapunktischer Logik und verspielter Rhythmik exquisite Harmonien und Klangfarben erwachsen. Immer wieder ließ er, auch mittels der gewählten Registratur, wirkungsvoll das Choralthema aufblitzen.

In der „Petite Suite in blue“ des 1962 geborenen Johannes Matthias Michel tanzte, jazzte und fetzte die Orgel. In fünf Sätzen hörte man fünf verschiedene Jazz-Formen, darunter ein sehnsüchtig-hymnisch intoniertes Spiritual wie mit einer Vorsängerin und antwortendem Chor, einen chromatischen Fuß-Tanz auf dem Pedal, trillernde Vorschläge mit einem Fuß und einen fröhlich-fulminanten tanzfreudigen Rausschmeißer, den der Organist nach dem langen Beifall wiederholen musste. Schwellender Romantizismus, klarste Kon trapunktik und jazzige Rhythmik: ein Auftakt, der wieder Hunger weckt nach weiteren Orgelmittwochs-Konzerten.

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