Organist Johannes Berger und die Corona-Krise: Pop-Hits auf der Heldenorgel in Kufstein

Johannes Berger gastierte noch vor Corona-Zeiten auch beim Orgel-Mittwoch in Kolbermoor.
+
Johannes Berger gastierte noch vor Corona-Zeiten auch beim Orgel-Mittwoch in Kolbermoor.
  • vonRainer W. Janka
    schließen

Oberaudorf/Kufstein – Der Organist und Cembalist Johannes Berger hat 2012 den Kulturförderpreis des Landkreises Rosenheim und 2013 den des Rotary-Clubs Rosenheim erhalten. Mittlerweile ist er ein international gefragter Organist. Der junge Musiker hat einen künstlerischen Ausweichplatz gefunden: die Heldenorgel in Kufstein.

Herr Berger, welche finanziellen Einbußen haben Sie?

Johannes Berger:Für mich als freischaffenden Musiker entfallen die Konzerthonorare. Ausfallhonorare gibt es nur teilweise.

Welche und wie viele Konzerte waren wo geplant?

Berger: Es sind bisher etwa 25 Konzerte abgesagt worden. Als Organist und Cembalist hatte ich mich sehr auf spannende Orchesterprojekte mit den Münchner Philharmonikern, dem BR Symphonieorchester, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Bayerischen Staatsorchester und dem Orquesta Sinfónica de Tenerife unter Dirigenten wie Valery Gergiev, John Eliot Gardiner, Kirill Petrenko und Daniel Harding gefreut. Dasselbe gilt für die Konzerte mit meinem eigenen Ensemble „Concerto München“ sowie für meine Solokonzerte. Für Juli war eigentlich mein Debütkonzert an der größten Orgel der Welt in Passau vorgesehen.

Wie sind die Aussichten für ein mögliches Auftreten?

Berger: Die Veranstalter sind noch zurückhaltend. Der Fokus wird meiner Meinung nach in nächster Zeit mehr auf kleinen Formationen liegen.

Wie geht es den Kollegen in Ihrem Ensemble?

Berger:Für manche von ihnen sind die Einnahmen völlig weggebrochen. Auch die Ungewissheit, wann wieder ein normaler Konzertbetrieb stattfinden kann, ist bedrückend. Jeder der Musiker hält sich derweil fit am Instrument und ist fleißig am Üben. Der Wunsch, wieder im Ensemble zu konzertieren, ist groß.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Berger: Danke, mir geht es sehr gut. Natürlich bedauere ich, dass viele zum Teil von langer Hand geplante Konzerte nicht stattfinden können. Gleichzeitig merke ich, dass diese Zwangspause auch einige positive Aspekte hat: Die ungewohnte Entschleunigung tut mir gut. Ich schöpfe viel Kraft in der Natur meiner Heimat und entwickle neue Ideen und Konzepte für zukünftige Projekte.

Spielen Sie immer noch die Heldenorgel in Kufstein?

Berger:Ja, derzeit sogar fast jeden Tag das Mittagskonzert. Da die Live-Konzerte in der aktuellen Situation so ziemlich einzigartig sind und von den Kufsteinern besonders wertgeschätzt werden, finden jeden Freitagabend zusätzlich Sonderkonzerte statt. Die Themenpalette reicht hierbei von Filmmusik, Oper, Kinderkonzert über Hits aus Pop und Rock bis hin zur Johann-Strauß-Gala. Da es sich bei der Heldenorgel ja bekanntlich um eine Freiluftorgel handelt, sind die Klänge auf den Stadtplätzen und auf den Terrassen und Balkonen der Bewohner zu hören.

Kommentare